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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-25785
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2005/2578/


Untersuchungen zu Knochenabbau und Furkationsbefall an sieben früh- bzw. spätmittelalterlichen Skelettserien

Infrabony defects and furcation involvement in seven early and late medieaval skelatal samples

Knirr, Marcus


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Anthropologisches Institut
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.09.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 16.12.2005
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Studie wurden insgesamt 277 Schädel aus früh- bzw. spätmittelalterlichen Fundorten in Bezug auf das Vorliegen von Knochentaschen und Furka-tionsbefall untersucht (Arnsburg: n = 60; Griesheim: n = 87; Klein-Weltzheim: n = 13; Kirchberg: n = 10; Pleidelsheim: n = 24; Sindelsdorf: n = 73; Zullestein: n = 10). Zusätzlich wurden die Befunde hinsichtlich des Einflusses verschiedener Faktoren (Geschlecht, Alter, Zahnart und -stellung, Lokalisation in Ober- bzw. Unterkiefer) auf das Entstehen der Parodontopathien ausgewertet.

Bei den hinsichtlich des Geschlechts definierbaren Funden überwogen mit einem Anteil von 55,0% (n = 131) die Frauen. Mehr als zwei Drittel der Individuen gehörte den Altersstufen Adult (n = 119; 43,0%) und Matur (n = 81; 29,2%) an.

An den 3092 beurteilbaren Prämolaren und Molaren konnten 334 Knochentaschen (10,8%) nachgewiesen werden, deren Lokalisation 371 Zahnflächen betraf (48,2% mesial, 39,6% distal, 6,2% bukkal und 5,9% palatinal/lingual). Ein Furkationsbefall lag an 728 der beurteilbaren Molaren vor (43,4%). Die Lokalisationen im Oberkiefer (n = 367) verteilten sich folgendermaßen: 42,9% bukkal, 25,9% distopalatinal, 15,3% mesiopalatinal. Im Unterkiefer (n = 504) war der Furkationsbefall zu 55,2% bukkal und zu 44,8% lingual lokalisiert.

Die Fundorte unterschieden sich signifikant in Hinblick auf das Vorkommen von Knochentaschen, wobei der Anteil in Griesheim mit 17,2% am höchsten und in Arnsburg mit 5,7% am niedrigsten war. Ebenso war auch ein Furkationsbefall in Abhängigkeit vom Fundort signifikant unterschiedlich häufig zu beobachten. Hier schwankte der Anteil bezogen auf die beurteilbaren Molaren zwischen 27,8% (Klein-Weltzheim) und 56,8% (Kirchberg).

Während bei der Auswertung der Gesamtstichprobe kein Einfluss des Geschlechts auf das Vorliegen von Knochentaschen nachgewiesen werden konnte, war ein Furkationsbefall bei Männern signifikant häufiger zu beobachten als bei Frauen (47,3% vs. 43,0%). In höheren Altersstufen war häufiger eine Knochentasche oder ein Furkationsbefall nachweisbar. Die Bestimmung des Korrelationskoeffizienten ergab zwar einen schwachen, aber signifikanten Zusammenhang zwischen dem Alter und dem Nachweis von Knochentaschen (R = 0,091, p < 0,000001) sowie eines Furkationsbefalls (R = 0,368, p < 0,000001). Außerdem standen die horizontale Klassifikation (R = 0,321, p < 0,00061) und die Tiefe des Furkationsbefalls (R = 0,244, p < 0,000001) in einem direkten Zusammenhang mit dem Alter. Knochentaschen wurden an Molaren signifikant häufiger nachgewiesen als an Prämolaren (14,8% vs. 6,1%), wobei Molaren auch häufiger von zwei- und einwandigen Knochentaschen betroffen waren.

Im Ober- und Unterkiefer konnten Knochentaschen nicht signifikant unterschiedlich häufig nachgewiesen werden (10,4% vs. 11,2%). Dagegen war die Form der Knochentaschen in Ober- und Unterkiefer signifikant unterschiedlich verteilt, wobei dreiwandige Knochentaschen im Oberkiefer seltener waren als im Unterkiefer (57,6% vs. 63,5%). In Hinblick auf die maximale Tiefe war im Oberkiefer die höchste Kategorie 3 jedoch signifikant seltener nachweisbar als im Unterkiefer (4,2% vs. 11,68%). Ein Furkationsbefall lag im Unterkiefer mit 47,8% signifikant häufiger vor als im Oberkiefer mit 37,3%. In Hinblick auf die horizontale Klassifikation und Tiefe waren im Unterkiefer jeweils höhere Schweregrade zu beobachten waren als im Oberkiefer.

Das in der vorliegenden Studie nachgewiesene Auftreten von Knochentaschen und Furkationsbefall in früh- bzw. spätmittelalterlichen Skelettserien zeigte, dass es sich bei Parodontopathien nicht um eine Zivilisationserkrankung unserer Zeit handelt. Selbst die damalige grobe und abrasive Nahrung war nicht in der Lage, Zahnbelag und Zahnstein zu verhindern, was die Notwendigkeit von Prophylaxemaßnahmen unterstreicht, die einerseits auf eine Verbesserung der Mundhygiene abzielen und andererseits die Ernährungsweise beeinflussen sollen.