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Aspekte der Sozialisation zum Arzt : eine empirische Studie über Auswirkungen der praktischen Makroanatomie auf Medizinstudierende und deren Einstellung zu Sterben und Tod

Egbert, Susanne


pdf-Format: Dokument 1.pdf (905 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Makroanatomie , Todesfurcht , Sozialisation zum Arzt , Medizinstudenten
Freie Schlagwörter (Englisch): macro anatomy , fear of death , socialisation , medical students
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Soziologie
Fachgebiet: Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.10.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 12.12.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Seit einigen Jahren wird verstärkt untersucht, wie das Verhältnis zwischen Arzt/Ärztin und PatientIn verbessert werden kann und welchen Einfluss die Studienbedingungen auf die spätere Arbeitsweise von Ärzten/Ärztinnen haben. In dieser Dissertation wird der Stellenwert der makroskopischen Anatomie für die Sozialisation zum Arzt / zur Ärztin behandelt, also der Lehrveranstaltung, in der die Studierenden eine Leiche präparieren. Insbesondere in den angloamerikanischen Ländern sind hierzu bereits Studien vorgestellt worden, deren Ergebnisse allerdings nicht eindeutig sind. Teilweise herrschen diametral entgegengesetzte Meinungen darüber, ob und falls ja, welche Auswirkungen die makroskopische Anatomie auf die Studierenden hat. In einigen Veröffentlichungen wird sie als Initiationsritus bezeichnet, in anderen als bedeutungslos eingestuft.

Anhand einer empirischen Studie wird untersucht, ob sich messbare Veränderungen der Todesfurcht und der Einstellung zu Tod und Leichen nach Absolvierung der makroskopischen Anatomie nachweisen lassen. Hierzu wurde auf das 'Fragebogeninventar zur mehrdimensionalen Erfassung des Erlebens gegenüber Tod und Sterben' (FIMEST) zurückgegriffen und zusätzlich ein eigener Fragebogen entwickelt. Gleichzeitig wurde ein Persönlichkeitstest erhoben ('Selbstkonzeptinventar', SKI).

Zunächst wird ein Überblick über die historische Entwicklung der makroskopischen Anatomie geboten. Die jeweilige Praxis von den prähistorischen Anfängen bis heute wird in Zusammenhang gesetzt mit den soziologischen Gegebenheiten bezüglich des Umgangs mit Sterben und Tod. Es folgt eine Darstellung der bisherigen Forschungen, die die moderne Makroanatomie und ihre möglichen Auswirkungen auf die Teilnehmenden behandeln, ebenso ein Überblick über den aktuellen Diskurs der Kritik an der durchgeführten Lehre der Makroanatomie. Der insbesondere für Ärzte und Ärztinnen oft schwierige Umgang mit dem Thema Tod wird in einem eigenen Kapitel behandelt.

Um die Makroanatomie in den Prozess der Sozialisation zum Arzt / zur Ärztin wertend einordnen zu können, werden die soziologischen und medizinsoziologischen Theorien von T. Parsons und R. Merton vorgestellt und mit Aspekten des Arztberufes vernetzt. Das medizinische System und die Genese der Professionalisierung stehen hierbei im Mittelpunkt.

Der dritte Teil des theoretischen Hintergrundes, in den die empirische Studie eingebettet ist, ist die Betrachtung der Todesfurcht, die in der Studie als Indikator fungiert, ihre unterschiedlichen Aspekte und ihre Messung.

Die Beschreibung der Methodik der Studie beginnt mit der faktorenanalytischen Entstehung und Validierung des neu erstellten Fragebogens ('Fragebogen Makroanatomie', FBM). Der FBM wird nachfolgend weiter vorgestellt ebenso wie die standardisierten Messinstrumente FIMEST und SKI. Die Erhebung erfolgte in einer Längsschnittstudie mit zwei Messpunkten, diese lagen vor und nach Teilnahme an dem Kurs Makroanatomie. Anhand der statistischen Auswertungen (t-Test, Regressionsanalyse) werden folgende Ergebnisse dargestellt: mit Hilfe des eigenen Messinstrumentes FBM, das speziell auf die konkrete Situation im Kurs Makroanatomie eingeht und praktische Umgangsweisen mit Sterben und Tod behandelt, lassen sich statistisch signifikante Unterschiede feststellen. Hingegen detektiert der theoretisch-intellektuell angelegte FIMEST keine signifikante Beeinflussung der Einstellung zu Sterben und Tod durch die makroskopische Anatomie. Auch die Persönlichkeitsstruktur ist nicht verändert.

Die gefundenen Ergebnisse werden eingehend unter Berücksichtigung sozioökonomischer Merkmale diskutiert. Hierbei werden insbesondere die vor der Teilnahme am Kurs Makroanatomie gemachten Erfahrungen mit dem medizinischen System hervorgehoben.

Die gesellschaftliche Komponente der Sozialisation zum Arzt, die Konsequenzen der Verdrängung der Themen Sterben und Tod in der Öffentlichkeit und soziologische Theorien werden herangezogen, um die Ergebnisse der durchgeführten Studie zu diskutieren und analysieren.
Kurzfassung auf Englisch: For several years there are efforts made to optimise the doctor-patient-relationship. In this context there have been made several studies examining the condition of medical studying and its impact on the later way of working. This dissertation tries to detect the role of macroscopic anatomy for the socialisation of doctors. Does the preparation of dead human bodies impact the students? Especially in Anglo American areas there have been made studies on this topic. The results where at any rate not clear-cut. Some studies characterise macro-anatomy comparable to rites of initiation, some as totally meaningless.

This empirical study examines whether the course of macro anatomy leaves an impact on the students fear of death and their attitude towards death and dying. Three questionnaires were used: the 'Fragebogeninventar zur mehrdimensionalen Erfassung des Erlebens gegenüber Tod und Sterben' (FIMEST), the 'Fragebogen Makroanatomie' (FBM) which is a self-developed questionnaire, and the 'Selbstkonzeptinventar' (SKI).

The dissertation describes the theoretical-sociological background as well as the empirical-methodological proceed.

First an overview of the history of macroscopic anatomy is given. Then the former and current research works are describes as well as the current discourse and criticism on the way of teaching anatomy. The way of coping with death and dying, which is a sensitive topic especially for medical doctors, is discussed. To integrate macro anatomy into the process of secondary socialisation, the sociological and medical sociological theories of T. Parsons and R. K. Merton are introduced, discussed and connected with several aspects of the profession medical doctor. Here the medical system and the development of the profession are of main interest. The third part of the theoretical background, which frames the study, is the preoccupation with fear of death, its different aspects and practicable measurement. In the study fear of death has the function to indicate possible effects of practitioning macro anatomy.

At the beginning of the methodical part of the dissertation, the factor-analytical formation and the validation of the FBM is described. Also the two other questionnaires FIMEST and SKI are introduced. The study was designed with two times of measuring, once in the beginning of the anatomical course and once in the ending. Statistics (t-test and analyses of regression) were calculated using SPSS. Several results could be detected. The self-established questionnaire FBM, that contains especially items on the concrete work on the corps and the practical dealing with death and dying, shows significant changing. On the other hand there can’t be any differences found in the results of the questionnaire FIMEST. This questionnaire reflects the philosophical and intellectual attitude towards death and dying. In addition the SKI as a measurement of personality is not influenced by completing macro anatomy.

These results are discussed in detail. Especially the experiences that have been made before absolving the macro anatomy are taken in consideration. The social aspect of becoming medical doctor, the repression of death and dying in the public and sociological theories are parts of the discussion.