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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-25000
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2005/2500/


Ist die individuelle ambulante Asthmaschulung für Kinder und Jugendliche eine rationelle und effektive Alternative zu den bisherigen Schulungskonzepten?

Schudt, Julia


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Kinderheilkunde
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.10.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 29.11.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Bislang dominiert in Deutschland bei der Asthma-Schulung die personell und organisatorisch aufwendige Gruppenschulung. Ausgehend von den positiven Erfahrungen der Einzelschulung bei Mukoviszidose, die sich seit langem bewährt und durchgesetzt hat, wurde an der Universitäts-Kinderklinik Giessen eine spezielle individuelle ambulante Form der Schulung für asthmakranke Kinder entwickelt und in einer prospektiven Studie evaluiert, wobei die Ausgangssituation des einzelnen Patienten bei der ersten Vorstellung als Hintergrund für die Beurteilung eines Erfolges bzw. Misserfolges diente. Mit der vorliegenden Arbeit sollte untersucht werden, welche Auswirkungen eine ambulante Einzelschulung von asthmakranken Kindern und ihren Eltern auf Krankheitsverlauf und -bewältigung im Vergleich zu Gruppenschulungen hat. Über einen Zeitraum von 2 Jahren wurden Angehörige von 522 Patienten bzw. – soweit möglich – Patienten selbst im Alter von 5 Monaten bis 17 Jahren geschult und im Rahmen von Nachschulungen mehrmals untersucht. Es zeigte sich eine deutliche Besserung des Krankheitsverlaufs (60,3%), eine Verbesserung der Asthmasymptomatik mit dem Erfolg einer Verbesserung der Lebensqualität. Diese erfolgreiche Bilanz war nicht ausschließlich auf eine Erhöhung der Dosis der medikamentösen Therapie zurückzuführen, sondern resultierte aus einer Optimierung und Anpassung der medikamentösen Therapie an den jeweiligen Schweregrad der Erkrankung. Eine Verbesserung der Inhalationstechnik (13%) und der Einsatz von Inhalierhilfen (16,8%) trugen maßgeblich zu diesem Erfolg bei. Die Notwendigkeit von Nachschulungen konnte sehr deutlich gezeigt werden. War es nach 2 Schulungen nur bei knapp der Hälfte der Patienten zu einer Verbesserung gekommen, so konnte nach 4 Schulungen die Symptomatik bei über 70% verbessert werden. Die zunehmende Stabilisierung des Krankheitsgeschehens durch die Asthma-Schulung ließ sich auch funktionell nachweisen. Die Auswertung der Lungenfunktionsuntersuchungen zeigte Verbesserungen im Bereich der spezifischen Conductance (16,4%) und der Peak-Flow-Werte (8,1%). Vergleicht man den klinischen Befund mit dem Ergebnis der Lungenfunktionsuntersuchung, zeigte sich gerade bei den jüngeren Kindern eine Übereinstimmung in mehr als der Hälfte der Fälle (56,3%).

Im Vergleich zu herkömmlichen Gruppenschulungen konnten folgende Vorteile einer Einzelschulung aufgezeigt werden: Die Schulung erreicht mehr Patienten (verschiedene Altersgruppen)und Ihre Angehörigen und kann auf den persönlichen Bedarf und die Belange des Einzelnen abgestimmt werden. Die Schulung ist personell weniger aufwendig. Nachteile sind eine fehlende Gruppendynamik und das Fehlen von sozialen Kontakten und Erfahrungsaustausch untereinander.

Es lässt sich folgendes Fazit ziehen: Bei den meisten Kindern mit Asthma und ihren Angehörigen ist eine ambulante individuelle Asthma-Schulung angemessen. Nur bei wenigen Familien ist der beträchtliche organisatorische und personelle Aufwand einer Gruppenschulung erforderlich. Die zur Erkennung der Schnittstelle zwischen beiden Schulungsformen angegebenen Kriterien bedürfen ggf. noch der Ergänzung und Korrektur.
Kurzfassung auf Englisch: To date asthma training in Germany is dominated by group education, rendering it extremly personnel consuming and meaning al lot of organising effort. Looking at the very positive experience in individual patient education seen in patients with mucoviscidosis, which proved very effective, the Department of Pediatrics of the University of Giessen developed a unique individual form of training program for children with asthma on an outpatient basis and evaluated this program in a prospective study where the condition of the patient on entry into the study was set as background for judging success or failure of the training program.

In this study presented here we were interested in analysing what effect an individual training of children with asthma together with their relatives would have on the course of the illness and the disease management compared to children educated in groups.

Over a period of 2 years a total of 522 patients age 5 month to 17 years and their relatives were educated and were evaluated in the course of several follow-up examinations. We found a distinct improvement of the course of illness (60,3%), an amendment of asthma symptoms resulting in a significant improvement of quality of life.

The successful balance was not only due to the increase in dose of the medication but is a result of optimising and adjusting the drug therapy according to the individual severity of symptoms. Improved techniques of inhalation (13%) and the use of inhaling aids (16,8%) were the main emphasis contributing to this success.

The necessity and benefit of follow-up examinations and re-training could be clearly demonstrated. After two training courses nearly 50% of the patients reported amelioration of symptoms whereas 70% reported an improvement after 4 training courses.

The increasing stabilisation of the illness could also be proved on a functional basis, evaluating parameters of pulmonary function tests showed marked improvement regarding the Specific Conductance (16,4%) and the Peak Flow (8,1%). Comparing the clinical findings with the results of the pulmonary function tests we found, especially in younger children, conformity in more than half of the cases evaluated (56,3%).

Compared to conventional group education we could show the following advantages: Training reaches more patients (different ages) and their relatives and can be specifically adjusted to the individual needs of every patient (not possible in large groups). The Training requires less personnel effort.
Disadvantages are the lack of group dynamics and the absence of social contact and possibility of exchange of experience amongst effected families.

We conclude as follows:
Most of the children with asthma and their relatives are suitable for individual asthma training on an outpatient basis. Only a few families need the considerable personnel and organizing expense of group education. Criteria to find out the points of intersection between both forms of education might still need supplementation or even correction in future.