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„Theory of Attachment“ : Allgemeine Entwicklung und individuelle Unterschiede

"Theory of Attachment" : Normative development and individual differences

Delius, Andrea Charlotte


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-23134
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2005/2313/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Bindung , allgemeine Entwicklung , Theory of attachment , Vorschulalter
Freie Schlagwörter (Englisch): attachment , normative development , theory of attachment , preschool age
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Fachgebiet Psychologie
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.07.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 16.08.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Bowlby (1969) beschreibt vier Phasen der allgemeinen Bindungsentwicklung von der Geburt bis ins Vorschulalter, während denen jedes Kind durch Interaktionserfahrungen mit der Bindungsperson ein ‚Inneres Arbeitsmodell’ von Bindung (IWM) entwickelt. Schwerpunkt der klassischen Bindungsforschung ist die Erfassung und Beschreibung individueller Unterschiede in der Bindungsqualität sowie deren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung. Dagegen liegt eine genaue Beschreibung des IWM und seiner Komponenten nicht vor. In der vorliegenden Studie wurden kognitive Theorien herangezogen, um die Entwicklung des IWM im Vorschulalter zu beschreiben (Bereichsspezifische Ansätze, Wellman et al., 2003) und um Komponenten des IWM zum Zeitpunkt der zielkorrigierten Partnerschaft zu konzeptionalisieren und deren Zusammenwirken zu erklären (Informationsverarbeitungstheorie, Crick & Dodge, 1994). Darüber hinaus wurde geprüft, ob die Entwicklung des IWM einem allgemeinen Pfad folgt, oder ob sich individuelle Veränderungsmuster in Abhängigkeit der Bindungsrepräsentation der Kinder zeigen. In einem kombinierten Quer-Längsschnittdesign wurde bei knapp 100 3- bis 7jährigen Kindern das Wissen über Bindung im allgemeinen als Maß zur Beschreibung des IWM mittels eines dazu entwickelten Bilderbuchs erhoben. Zudem wurde ihre aktuelle Bindungsrepräsentation mit dem Geschichtenergänzungsverfahren (Bretherton et al. 1990) erfasst.

Die Ergebnisse der Quer- und Längsschnittanalysen zeigten, dass Kinder mit zunehmendem Alter differenziertere Repräsentationen über die eigene Mutter-Kind-Dyade entwickeln. Das Wissen über fremde Dyaden blieb während der gesamten Zeit weniger differenziert als das Wissen über die eigene Dyade, stieg mit dem Alter jedoch ebenfalls an. Mit zunehmendem Alter wurde das Wissen der Kinder adäquater, um das Verhalten von Kindern und Bindungspersonen zu beschrieben. Darüber hinaus konnte eine angemessenere Emotionseinschätzung im Entwicklungsverlauf festgestellt werden. Entwicklungsfortschritte traten zwischen 3½ und 5 Jahren auf. Es ließen sich auch Unterschiede im Wissen der Kinder über Bindung in Abhängigkeit ihrer Bindungsrepräsentation feststellen. Kinder mit einer sicheren Bindungsrepräsentation entwickelten kontinuierlich ein differenziertes Wissen, Kinder mit einem unsicher-ambivalenten Modell erreichten erst ein Jahr später ein ähnliches Niveau und sowohl Entwicklungsniveau als auch – geschwindigkeit unsicher-vermeidender Kinder waren deutlich niedriger, erst mit 6 Jahren war ihr Wissen mit dem der anderen Kinder vergleichbar. Bezüglich der desorganisiert klassifizierten Kinder ließen sich keine Unterschiede feststellen.

Insgesamt lassen es die Befunde der vorliegenden Studie sowie theoretische Grundannahmen aus der Bindungsforschung zu, die Entwicklung des IWM im Sinne bereichsspezifischer Ansätze als Entwicklung einer ‚theory of attachment’ zu beschreiben.

Kurzfassung auf Englisch: Bowlby (1969) describes four phases in the normative development of the attachment behavioural system from birth to the preschool years. During these phases a child develops an internal working model’ (IWM) of attachment. Until today scientific efforts focused on the description of individual differences in the quality of attachment as well as on the effects of these differences on the personality development. In contrast, there exists no exact description of the development of the IWM and its components. In the present study the development of the IWM in the preschool years was described based on assumptions of cognitive developmental theories (domain specificity theories, Wellman et al., 2003). Cognitive components of the IWM, which enable the child to a goal-corrected partnership, were examined on the basis of informationprocessing models (Crick & Dodge, 1994). Furthermore, it was tested whether the development of the IWM follows a normative path or whether individual pathways depended on the quality of attachment could be examined.

In a combined cross-sectional longitudinal design the knowledge about attachment of almost 100 children aged 3 to 7 years was assessed by presenting attachment related picture-book-stories to them. In addition, the children’s actual attachment representation was assessed using the storycompletion-task (Bretherton et al., 1990).

Results of cross-sectional and longitudinal analyses showed that children develop more differentiated representations about their relationship to their mother as a function of age. In contrast, there was only restricted knowledge about relationships of other child-mother-dyads, but even there an increasing differentiation became apparent. With increasing age children described the behavioural quality of children and attachment figures more adequately. Moreover, a more adequate emotion recognition during the course of development was found. In summary, significant developmental changes were found between 3½ and 5 years.

Analyses showed quantitative and qualitative differences in the knowledge concerning attachment with regard to the quality of attachment. Children classified as secure showed a continuous differentiation of their knowledge. Children classified as insecure-ambivalent developed a comparable knowledge about attachment one year later as secure children. Level and speed of development in children classified as insecure-avoidant remained lower during the preschool years then that of secure or ambivalent children. Comparable knowledge was not developed before the age of 6. Analyses showed no differences with regard to attachment disorganisation.

The data of the present study as well as theoretical assumptions from attachment theory and research allow a description of the development of the inner working model as a developing ‘theory of attachment’ (in the sense of the theory-theory).
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