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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-22386
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2005/2238/


Restoration of alluvial grasslands : Effects of flooding and management on plant dispersal and recruitment

Renaturierung von Stromtalwiesen : Effekte von Überflutung und landwirtschaftlicher Nutzung auf die Ausbreitung und Etablierung von Stromtalwiesenarten

Bissels, Stephanie


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Diasporenbank , Schlammfluren , Etablierung , Naturschutz , Auenwiesen
Freie Schlagwörter (Englisch): flood-meadow , seedbank , mudflat vegetation , conservation , seedling establishment
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement
Fachgebiet: Agrarwissenschaften und Umweltmanagement
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.05.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 06.07.2005
Kurzfassung auf Englisch: Restoration attempts aiming at the recovery of species-rich alluvial grasslands along the northern Upper Rhine were evaluated with regard to the effects of flooding and management on plant dispersal and seedling recruitment. The overall aim of the studies was to assess the limiting abiotic and biotic constraints to the restoration of flood-plain communities.

As a starting point for further studies large-scaled restoration measures on former arable fields were evaluated by analysing floristic composition and soil nutrient status of old and newly established meadows in the functional and fossil flood-plain. Whereas the functional flood-plain is exposed to direct flooding which allows a free input of diaspores, the fossil flood-plain is protected from direct flooding by a dyke. After 20 years of restoration a low restoration success was found and target species largely failed to establish. This can not be explained by unsuitable edaphic site conditions since old and new meadows differed only slightly in environmental variables. Consequently, limited dispersal and recruitment were revealed to be the main constraints for restoration. No evidence was found that species enrichment is enhanced via the input of diaspores by flooding in the functional flood-plain.

A study of the seedbanks of arable fields in the study area highlights the low potential of the soil seedbank for restoration of species-rich alluvial grasslands. However, for the persistence of endangered ephemeral mudflat vegetation in irregularly flooded arable fields, the seedbank proved to be of high significance. Most species found in ephemeral communities build up large persistent seedbanks and are characterized by short life cycles. At these sites, not only improved drainage and landfill threatens the occurrence of mudflat vegetation but also the replenishment of the seedbank is often prevented by early re-ploughing the fields.

Besides the availability of seed sources, the lack of suitable microsites for seedling recruitment is another limiting factor in restoration of semi-natural grasslands. In a seed addition experiment we studied the effects of different mowing regimes on seedling recruitment of six flood-meadow species. Generally, we found low germination rates suggesting a lack of suitable microsites in the closed swards and a weak effect of the applied management regimes. Competitive release by mowing twice was only found in the first study year, when biomass production was much higher than in the second year. Moreover physical hazards such as flooding and drought seemed to control seedling germination and establishment to a large extent.

The evaluation of management schemes is of high practical relevance for a successful conservation of endangered grassland species. We studied the population stage structure of the threatened Serratula tinctoria at 24 meadow sites which differed in vegetation and management. Generally, we found only slight differences between the population stage structure of S. tinctoria in early and late mown meadows. Both management types had high densities of seedlings. In contrast, the meadow pastures had significantly lower densities of seedlings but relatively high densities of juveniles and vegetative adults, indicating a higher importance of clonal propagation under grazing pressure. The results showed that viable populations of S. tinctoria may occur in all management regimes. Although S. tinctoria was considered to be highly sensitive to early mowing, our results suggest a facilitation of the species at more nutrient-rich sites by mowing in June.

The results of the present study documented that in the study area mainly biotic constraints, i.e. the lack of seed sources in the vicinity of restoration sites and in the seedbank, hamper successful restoration of alluvial grasslands. In existing species-poor grassland swards microsite limitation is another limiting factor. Finally we confirmed that the existing management regimes in the study area are appropriate for the maintenance of target species.
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit werden Renaturierungsmaßnahmen am nördlichen Oberrhein, die eine Wiederherstellung von artenreichen Stromtalwiesen zum Ziel haben, evaluiert. Das übergeordnete Ziel ist es die Ursachen für den geringen Renaturierungserfolg und die limitierenden abiotischen und biotischen Faktoren herauszustellen.

Die Ergebnisse der Evaluierung zeigen, dass sich wertbestimmende Arten der Stromtalwiesen in den vor ca. 20 Jahren aus Ackerland neugeschaffenen Wiesenflächen nicht oder nur in sehr geringem Umfang etablieren konnten. Die Nährstoffgehalte der Böden erklären dabei nicht die floristischen Unterschiede zwischen den Neuwiesen und den als Referenzflächen dienenden Altwiesen. Der geringe Renaturierungserfolg ist vielmehr auf die Ausbreitungslimitierung von Zielarten zurückzuführen. Der Vergleich von Neuwiesen der Rezent- und Altaue ergab außerdem, dass kein höherer Renaturierungserfolg durch den Eintrag von Diasporen mit dem Hochwasser in der Rezentaue, die im Gegensatz zur Altaue direkt überflutet wird, erreicht wird. Aufgrund des Rückgangs von potenziellen Spenderbeständen entlang der großen, zentraleuropäischen Flüsse kann selbst in den überflutungsgeprägten Stromtalwiesen die Ausbreitungslimitierung nicht durch die Wiederherstellung des natürlichen Überflutungsregimes überwunden werden.

Untersuchungen zur Bodendiasporenbank auf ackerbaulich genutzten Flächen haben weiterhin gezeigt, dass nur sehr wenige Zielarten der Stromtalwiesen in der Samenbank vorhanden sind. Einige Zielarten können zwar eine persistente Diasporenbank bilden, diese wird aber unter Ackernutzung schnell abgebaut. Für die Erhaltung ephemerer Schlammflur-Gesellschaften dagegen, die auf den untersuchten Überflutungsäckern auftreten und einen weiteren gefährdeten Vegetationstyp darstellen, ist die Samenbank von hoher Bedeutung. Viele Arten der Schlammfluren bilden eine persistente Samenbank aus und sind durch kurze Lebenszyklen sowie hohe Reproduktionsraten charakterisiert. Durch Entwässerungsmaßnahmen, irreversible Standortzerstörungen (z. B. Schuttablagerung), Nutzungsintensivierung (z. B. das sehr frühe Pflügen der Felder) aber auch durch die Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung sind diese Standorte heute stark gefährdet.

Mit einem Aussaatexperimente wurde der Frage nachgegangen, in welchem Maße die Wiederansiedlung von seltenen Arten durch fehlende Regenerationsnischen im bestehenden Grünland limitiert ist. Dazu wurde die Etablierung von sechs Stromtalwiesenarten in artenarmen Grünlandbeständen unter dem Einfluss verschiedener Managementregime untersucht. Es zeigte sich, dass die Artenanreicherung neben der Samenlimitierung in bestehenden artenarmen Grünland zusätzlich durch das Fehlen von geeigneten Regenerationsnischen limitiert. Für eine Artenanreicherung im Grünland sind daher Maßnahmen die eine nachhaltige Störung der Grasnarbe bewirken für eine Wiederansiedlung förderlich.

Zur Klärung der Frage, ob die Nutzung ein weiterer limitierender Faktor für den Renaturierungserfolg und für die dauerhafte Erhaltung der Stromtalwiesen darstellt, wurde die Populationsstruktur von 24 Populationen der gefährdeten Art Serratula tinctoria in unterschiedlich genutzten Wiesen untersucht. Es konnte bestätigt werden, dass die bestehenden Nutzungstypen im Untersuchungsgebiet, darunter auch eine frühe Mahd im Juni, eine erfolgreiche Reproduktion und Etablierung der Art zulassen und geeignet für die Erhaltung der Stromtalwiesen sind.

Die Ergebnisse der Arbeit zeigen deutlich, dass am nördlichen Oberrhein vorwiegend biotische Faktoren, wie z. B. das Fehlens von Diasporen in der Umgebung der Renaturierungsflächen sowie in der Bodendiasporenbank für den geringen Renaturierungserfolg verantwortlich sind. Aus diesem Grund ist eine erfolgreiche Renaturierung zeitnah nur durch zusätzliche Maßnahmen wie eine Einsaat von Zielarten oder durch die Ausbringung von diaporenhaltigem Mahdgut zu erreichen.