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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-22291
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2005/2229/


Untersuchungen zum Einfluss von experimentellen Ascaridia galli-Infektionen auf das Verhalten von Legehennen

Duß, Claudia Inge


Originalveröffentlichung: (2005) Wettenberg : VVB Laufersweiler 2005
pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.315 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-89687-027-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.04.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 30.06.2005
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss experimenteller Ascaridia galli-Infektionen bei Legehennen zweier Herkünfte auf das Verhalten, den sozialen Status, den Serumtestosteronspiegel und auf Leistungsparameter untersucht. Hierzu wurden im ersten Durchgang 45 Junghennen der Herkunft Lohmann LSL und im zweiten Durchgang 45 Junghennen der Herkunft Lohmann Brown, aufgeteilt in drei gleich große Gruppen (Infektionsgruppe 1 und 2, sowie Kontrollgruppe), in der 20. Lebenswoche in Bodenhaltung eingestallt. Die Infektionsgruppen wurden in der 27. Lebenswoche dreimal hintereinander im Abstand von zwei Tagen mit je 250 embryonierten A. galli-Eiern oral infiziert und in der 38. Lebenswoche geschlachtet (Infektionsgruppe 1) bzw. mit Flubendazol entwurmt (Infektionsgruppe 2). Nach vier weiteren Wochen wurden auch die Tiere der Infektionsgruppe 2 und der Kontrollgruppe geschlachtet. Als parasitologische Parameter wurde die Eizahl pro Gramm Kot (EpG) bei allen infizierten Tieren ermittelt, zusätzlich wurde nach der Schlachtung der Infektionsgruppe 1 die Anzahl, das Geschlecht, die Länge und das Gewicht der Spulwürmer im Darmtrakt der Tiere bestimmt.


Die Verhaltensbeobachtungen erfolgten nach der Time-Sampling-Methode an jeweils 10 Fokustieren pro Gruppe. Erfasst wurden dabei 15 Verhaltensparameter in einem 5 Minutenrhythmus. Parallel dazu wurden alle agonistischen Interaktionen innerhalb der Gruppen durchgehend während der Beobachtungszeiten erfasst und daraus der soziale Rangindex der Tiere berechnet. Gleichzeitig wurden Blutproben für die Bestimmung des Serumtestosteronspiegels entnommen und die Leistungsparameter Gewichtsent-wicklung, Legeleistung und Eigewichte der Legehennen ermittelt. Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:


Die Gewichtsentwicklung und die Legeleistung wurde bei keiner der beiden Herkünfte signifikant durch die parasitäre Infektion beeinflusst, wenngleich die Infektionsgruppe 1 der Herkunft LSL während der Patenz von A. galli einen tendenziellen Rückgang der Legeleistung von 7 % aufwies. Die Eigewichte unter-schieden sich bei den Infektionsgruppen der Herkunft LSL nicht von denen der Kontrollgruppe. Bei den LB-Hennen dagegen wurden diese durch die Spulwurm-infektion negativ beeinflusst.
Die Körpergewichte waren bei der Herkunft LB tendenziell bzw. signifikant mit dem EpG-Wert bzw. der Wurmbürde negativ korreliert. Die Beziehung zwischen den relativen Zunahmen und den parasitären Parametern war bei beiden Herkünften vorwiegend negativ.


Das Futteraufnahmeverhalten erhöhte sich in einer Infektionsgruppe der Herkunft LSL sowohl während der Präpatenz, als auch während der Patenz von A. galli signifikant. Beide Infektionsgruppen der LB-Hennen zeigten während der Patenz eine signifikant erhöhte Futteraufnahmeaktivität. Nach der Entwurmung fiel die Häufigkeit der Futteraufnahme in der Infektionsgruppe beider Herkünfte wieder signifikant ab.


Die Nahrungssuche wurde nur bei der Herkunft LSL von der A. galli-Infektion beeinflusst. Das Bodenpicken verringerte sich in einer Infektionsgruppe, das Scharren in beiden Infektionsgruppen signifikant. Beide Verhaltensweisen wurden nach der Entwurmung wieder vermehrt ausgeführt.


Die parasitäre Infektion führte bei den Infektionsgruppen der Herkunft LSL im Vergleich zur Kontrollgruppe vor allem während der Patenz zu einer signifikant geringeren Fortbewegungsaktivität, die nach der Entwurmung wieder leicht anstieg. Bei der Herkunft LB war dies weniger deutlich.


Das Nestverhalten wurde bei der Herkunft LB nicht von der A. galli-Infektion beeinflusst. Die Infektionsgruppe 2 der Herkunft LSL hielt sich dagegen während der Präpatenz und der Patenz signifikant häufiger in den Nestern auf als vor der Infektion. Dies konnte auf ein vermehrtes Ruhen in den Nestern zurückgeführt werden.


Obwohl sich die Rangordnung infolge der parasitären Infektion nicht veränderte, gab es bei beiden Herkünften Hinweise darauf, dass die Infektionsgruppen während der parasitären Infektionsphase (v.a. während der Patenz) eine tendenziell höhere agonistische Aktivität aufwiesen als die nicht infizierten Kontrollgruppen.


Bei den braunen Legehybriden war der soziale Status bzw. die Aggressivität mit den parasitären Parametern teilweise signifikant negativ miteinander korreliert. Die weißen Legehybriden wiesen keine gesicherte Korrelation zwischen diesen Parametern auf. Das Körpergewicht hatte bei beiden Herkünften nur einen geringen Einfluss auf den sozialen Status.


Unabhängig von der parasitären Infektion zeigte die Kontrollgruppe der Herkunft LB weniger Fortbewegung, Sitzen und Dösen und Schlafen sowie mehr Scharren, Wasseraufnahme, Objektpicken, Stehen, soziales Picken und agonistisches Verhalten als die Kontrollgruppe der Herkunft LSL.


Die Serumtestosteronwerte stiegen in den Infektionsgruppen beider Herkünfte und der Kontrollgruppe der Herkunft LB während der Patenz von A. galli signifikant an. Nach der Entwurmung blieben diese Gruppen auf dem erhöhten Niveau und der Testosteronspiegel der Kontrolltiere der Herkunft LSL stieg in dieser Phase ebenfalls signifikant an. Der Einfluss der parasitären Infektion auf den Serumtestosteronspiegel bleibt damit fraglich, zumal sich auch die Korrelation zwischen den parasitären Parametern und dem Testosteronwert zu keinem Zeitpunkt bei keiner Herkunft als signifikant erwies.
Eine gesicherte Korrelation zwischen dem Serumtestosteronspiegel und dem sozialen Status bzw. der Aggressivität bestand ebenfalls bei keiner Gruppe der beiden Herkünfte.
Kurzfassung auf Englisch: In the present investigation the influence of experimental Ascaridia galli infection on the behaviour, social status, level of serum testosterone and performance parameters of two different hybrid strains of laying hens was examined. To that purpose, 45 Lohmann LSL hens in the first trial and 45 Lohmann Brown hens in the second trial were subdivided into three groups of the same size (infection groups 1 and 2, and control) and housed in a floor system from the 20th week of life. In the 27th week of life the infection groups were successively infected orally three times at two-day intervals with 250 embryonated A. galli-eggs. Infection group 1 was subsequently slaughtered in the 38th week of life, whereas infection group 2 was dewormed with flubendazol. After four more weeks, the animals in infection group 2 and the control were also slaughtered. The parasitological parameters used were the faecal egg counts (FEC) applied to all infected birds and, in the case of group 1, the number, sex, length and weight of roundworms in the animals´ intestines established after slaughter.


Behavioural observations were carried out by focal animal observation, according to the time-sampling method, of 10 hens per group. 15 behavioural parameters were then recorded in five-minute intervals. Simultaneously, all occurrences of agonistic interaction within the groups were also recorded on an ongoing basis during the observation periods, allowing a calculation of the social rank index from every animal. Blood samples were also taken to establish the level of serum testosterone and the performance parameters of hens, including body weight development, number of eggs laid and egg weight, were thus ascertained. The following results were obtained:


Body weight development and laying performance were not significantly influenced by the parasitic infection in either of the two strains, though the LSL infection group 1 displayed a tendency towards reduced laying performance of 7% during the patent period of A. galli. The egg weight of the LSL hens did not differ significantly between the control and infected animals. Conversely, the egg weight of the LB hens was influenced negatively by the roundworm infection.
Body weight development of the LB hens was observed as being negatively correlated with the FEC value (slightly) and worm burden (significantly). The relationship between the relative body weight gain and the parasitic parameters was predominantly negative with both strains.


The food intake behaviour rose significantly in one LSL infection group, both during the prepatent and the patent period of A. galli. Both LB infection groups displayed significantly increased food intake activity during the patent period. After deworming, food intake decreased in a significant way with the infection groups of both strains.
Foraging was influenced by the A. galli infection only with the LSL strain. Ground pecking declined in only one infection group whereas scratching did to a significant extent in both infection groups; both behaviour types increased again after deworming.


The parasitic infection led to a significant reduction of locomotion in the LSL infection groups as compared to that of the uninfected control, especially during the patent period. The locomotion rose again slightly, however, after the anthelminthic treatment. The phenomenon was not as evident with the LB hens.


A. galli infection had no influence on the nesting behaviour of LB hens, whereas the LSL infection group 2 would spend a significantly longer time on nests during the prepatent and patent period than before being infected. This can be attributed to a need for longer resting time in the nests.


Though ranking order did not change as a consequence of parasitic infection, there were signs in the hens of both strains that the infection groups had a tendency during the infection phase (primarily during the patent period) to display more agonistic activity than the non-infected control.


The social status and aggressiveness of the brown laying hybrids was correlated negatively - but to a partially significant extent - with the parasitic parameters. The white laying hybrids did not display a clearly established correlation with these parameters. Body weight development had only a very low influence on social status with hens of both strains.


Independently of the parasitic infection, the LB control displayed less locomotion, sitting and sleeping and a greater tendency for scratching, drinking, object picking, standing, social pecking and agonistic behaviour as compared to the LSL control.


The serum testosterone values rose significantly in the infection groups of both strains and the LB control during the patent period of A. galli. All these groups maintained this higher level even after the anthelminthic treatment, and the level of testosterone in the LSL control rose significantly during this phase. Consequently, the influence of parasitic infection on serum testosterone levels is open to debate, the more so as the correlation between the parasitic parameters and the testosterone values did not appear significant at any stage or with any of the strains.


No correlation between the serum testosterone level and the social status and/or aggressiveness could be established with certainty for any of the groups of both strains.