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Diagnostische Analgesie zur Untersuchung von Lahmheiten am Ellbogen- und Kniegelenk des Hundes

Diagnostic analgesia for the investigation of lameness in the elbow and stifle joint of the dog

Buder, Astrid


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere - Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 31.01.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 23.05.2005
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurden Zuverlässigkeit und Eignung der Gelenkanalgesie mit Xylocain bei der Untersuchung von Lahmheiten überprüft. Dazu wurden an Ellbogen und Kniegelenken von Hunden, die mit Lahmheiten an Vorder- und Hintergliedmaße vorgestellt wurden diagnostische Analgesien durchgeführt. An gesunden Ellbogengelenken wurde der Einfluss von alleinigen Gelenkpunktionen und Xylocain auf das synoviale Milieu dokumentiert. Die Ellbogengelenkanalgesie verlief positiv bei Frakturen des Processus coronoideus medialis ulnae mit lockerem Fragment, bei Osteochondrosis dissecans der Trochlea humeri und bei Kombinationen beider Erkrankungen. Auch bei fragmentiertem Processus coronoideus medialis ulnae kombiniert mit einem isolierten Processus anconeus besserte sich die Lahmheit nach Ellbogengelenkanalgesie. Eine Arthrose beeinflusste den Erfolg der Analgesie nicht. Ausnahmslos negativ verliefen alle Ellbogengelenkanalgesien bei Erkrankungen des Processus coronoideus bei oberflächlich intaktem Knorpel und darunterliegender pathologisch veränderter subchondraler Knochenplatte. Zusammenfassend ließ sich ermitteln: Bei Patienten mit unklaren orthopädischen Befunden kann eine positive Ellbogengelenkanalgesie die Diagnose einer intraartikulären Erkrankung sichern. Tritt keine Besserung des Gangbildes auf, kann das Gelenk trotzdem die Ursache der Lahmheit sein. An allen Kniegelenken führte die Analgesie bei partiellen Rupturen des vorderen Kreuzbandes zur Lahmheitsbesserung um durchschnittlich 1 Grad. Da die Diagnose „Kreuzbandanriss“ orthopädisch und radiologisch nicht immer sicher zu stellen ist, ist die diagnostische Kniegelenkanalgesie ein wertvolles Hilfsmittel zur Diagnosefindung. Analgesien des Kniegelenks bei Totalrupturen des vorderen Kreuzbandes ergaben keine einheitlichen Resultate. Dabei sind Gelenkfüllung, mögliche Meniskusverletzung und Grad der Gelenkinstabilität entscheidend für den Effekt der Analgesie. Mit zunehmender Instabilität (deutliche Schublade, hoher Tibiaplateauwinkel) besserte sich die Lahmheit durch die Gelenkanalgesie deutlich weniger. Geht ein Kreuzbandriss mit fehlendem oder nur geringgradigem Erguss, sowie einer ausgeprägten Schublade in Kombination mit einem hohen Tibiaplateauwinkel einher, ist die Lahmheitsursache weniger der Schmerz durch die Gelenkkapseldehnung, sondern vielmehr die Folge der veränderten Mechanik. Die ausgeprägte Instabilität im Kniegelenk ist die Ursache für ein Versagen der Analgesie. Beim Kreuzbandriss verlief die Analgesie positiv, wenn neben der geringeren Instabilität, gleichzeitig ein Gelenkerguss vorlag. Dagegen kam es nicht zur Analgesie, wenn der Erguss nur geringgradig war oder gar fehlte. Zusammenfassend kann gesagt werden: Xylocain bessert die Lahmheit, wenn sie durch die vermehrte Gelenkfüllung schmerzbedingt ist. Xylocain hat jedoch keinen Einfluss auf die Lahmheit bei mechanischen Instabilitäten und Meniskusverletzungen. Dadurch ist die diagnostische Gelenkanalgesie bei kompletten Rupturen des vorderen Kreuzbandes als diagnostisches Hilfsmittel ungeeignet. Die Gelenkflüssigkeit reagierte auf das Xylocain mit einem deutlichen Anstieg der Gesamtleukozytenzahl nach 24 Stunden. Punktionen ohne Xylocaininjektionen an einer anderen Gruppe von Gelenken erbrachten dagegen nur einen mäßigen Anstieg der Gesamtleukozytenzahl. Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p≤0,005). Die mononuklearen Zellen gingen in den Gelenken nach Xylocaininjektion sowie in gleichem Maße nach ausschließlicher Punktion zurück. Hingegen nahm die Zahl der neutrophilen Granulozyten in allen behandelten Gelenken stark zu. Aktivitäten des Enzyms Laktatdehydrogenase erreichten in den xylocainbehandelten Gelenken nach 24 Stunden einen höheren Anstieg als in den nur punktierten. Sowohl zwischen unbehandelten und xylocainbehandelten Gelenken einerseits als auch zwischen unbehandelten und punktierten Gelenken (ohne Xylocaininjektion) andererseits konnte ein signifikanter Unterschied in der Zahl der Gesamtleukozyten, mononuklearen Zellen, neutrophilen Granulozyten und der LDH-Aktivität ermittelt werden. Xylocain führt zu einer Veränderung der untersuchten Synoviaparameter. Auch die Punktion der Gelenke veränderte die untersuchten Synoviaparameter. Im Vergleich zum diagnostischen Nutzen der Gelenkanalgesie sind diese Veränderungen jedoch bei einmaliger Anwendung vertretbar.