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Evaluation als Wissens- und Machtform

Höhne, Thomas


pdf-Format: Dokument 1.pdf (342 KB)

Publikationen der eb.giessen ; 03/2005

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Erziehungswissenschaft , Wissen , Evaluation , Neoliberalismus , Gouvernementalität
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Erwachsenenbildung
Fachgebiet: Erziehungswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Erziehung, Schul- und Bildungswesen
Dokumentart: ResearchPaper (Forschungsbericht, Arbeitspapier)
Zeitschrift, Serie: Studien- und Forschungsberichte der wb.giessen ; 03 / 2005
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 13.04.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Im vorliegenden Paper wird Evaluation als ein komplexes Kontrollwissen
aufgefasst, dessen zentrale Funktion in der Optimierung von
Steuerungsleistung liegt. Dies beinhaltet vor allem die Kontrolle von
Kausalzusammenhängen, die aber - so die konstruktivistische These -
erst durch das Instrument Evaluation hergestellt werden. Kontrolle wird
dabei als ein wesentlicher Faktor von Macht in Informations- bzw.
Wissensgesellschaften aufgefasst. Jede Gesellschaft entwickelt historisch
ihre eigenen Kontrollmittel für ein geeignetes soziales
Kausalitätsmanagement zur Systemsteuerung. 'Evaluation' stellt dabei
ein Steuerungsinstrument dar, das
im Kontext des Taylorismus und der positivistisch orientierten
Testpsychologie zuerst in den USA entwickelt wurde und sich als
tayloristisches Steuerungsinstrument in den 60er Jahren gesellschaftlich
verallgemeinerte. In vier Phasen wird der Evaluationsdiskurs rekonstruiert und es wird danach gefragt, welche Funktion das
tayloristische
Steuerungsmittel Evaluation heute in Zeiten eines neoliberalisierten
Postfordismus besitzt. So lässt sich am Beispiel von Evaluation zeigen,
dass die neoliberale Transformation des Staates im Kern mit der
weitreichenden Durchsetzung repressiv-restriktiver Mittel des
Ausschlusses und der rigiden Standardisierung zum Zweck der Selektion
einhergeht. Was Evaluation betrifft, so besteht der Wandel darin, dass es
sich von einem politischen Mittel, das ehemals zur Bewertung von
Sozialprogrammen im politischen und pädagogischen Bereich (Aufhebung von
Bildungsungleichheit) eingesetzt wurde, hin zu einem reinen
Ökonomisierungs- und Standardisierungsinstrument entwickelt hat. Als
zweites wichtiges Element lässt sich beobachten, dass Evaluation tief in
sozialen Praktiken der Subjekte verankert ist und dort 'Haltungen'
kreiert,
durch welche die Subjekte sich permanent selbst evaluieren und sich unter
Selbstbeobachtung stellen. Ganz im Sinne der Foucaultschen Analysen zur
Gouvernementalität zeigt sich hier eine Koformierung
öffentlich-staatlicher Praktiken und Subjektivierungsweisen im
Neoliberalismus.