Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Kaffeeplantage und Biodiversität : Das Fallbeispiel des Brahmagiri B Estate in den West Ghats Keralas (Südindien)

Coffeeplantation and biodiversity : Case study of the Brahmagiri B Estate in the West Ghats of Kerala (Southern India)

Siemon, Elisabeth


Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.978 KB)


Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-20184
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2005/2018/

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us


Freie Schlagwörter (Deutsch): Biodiversität , Agrodiversität , Agroforstwirtschaft , Öko-Agro-Tourismus
Freie Schlagwörter (Englisch): biodiversity , agrodiversity , agroforestry , eco-agro-tourism , eco-farming
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Geographisches Institut
Fachgebiet: Mathematik und Informatik, Physik, Geographie fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 23.03.2005
Kurzfassung auf Deutsch: Zwei Tatbestände bilden die Grundlage für den Themenkomplex von Kaffeeplantage und
Biodiversität: 1.Die Entwicklung der internationalen Kaffeewirtschaft ist in den letzen Jahren geprägt durch zähes Ringen um Fortbestand. Während die Kosten des Kaffeeanbaus auf hohem Niveau blieben, haben die Erlöse aus dem Kaffeeverkauf infolge von Überproduktion den niedrigsten Stand seit 30 Jahren erreicht. 2.Obwohl die indische Regierung einen ‚National Biodiversity Strategy and Action Plan‘ mit umfangreichen Schutzmaßnahmen ausgearbeitet hat und sich zahlreiche NGOs für die Bewahrung der Naturschätze einsetzen, konnte das Artensterben in den West Ghats bislang nicht aufgehalten werden. Der Schutz der Artenvielfalt in den Bergregionen Keralas gilt aber als besonders wichtig, weil es sich hier um eines der 12 Megabiodiversitätszentren der Erde mit einem noch nicht vollständig erfassten Genreservoir handelt. Angesichts dieser Situation stellt sich die Frage, wie sich ökonomische Bedürfnisse der Kaffeepflanzer mit Erfordernissen des Habitat- und Artenschutzes vereinbaren lassen. Am Beispiel des Brahmagiri B Estate im traditionellen Kaffee-Anbaugebiet Nord-Wynaad wird versucht, den vermeintlichen Widerspruch von Kaffeeplantage als i.d.R. extrem artenreduzierter Landnutzungsform einerseits und Biodiversität als Kennzeichen natürlicher Ökosysteme andererseits aufzulösen.>BR< Bei der untersuchten Plantage handelt sich nicht um eine extrem artenreduzierte Monokultur im klassischen Sinn der Definition des Plantagenbegriffes, jedoch auch nicht um unberührte Natur. Da mehrere Verkaufsprodukte kultiviert werden, kann das System als Polykultur bezeichnet werden. Die Kreisläufe der Natur werden in dieser Landnutzungsform durch Methoden des Ecofarming (Gründünger, root-pumping, integrierter Pflanzenschutz) in weiten Teilen nachgeahmt, günstige Interaktionen zwischen verschiedenen Arten werden zum ökologischen und ökonomischen Nutzen des Betriebes kanalisiert und teure systemfremde inputs (synthetischer Dünger, Pestizide) eingespart. Obwohl auf den Einsatz chemischer Hilfsstoffe verzichtet wird, sind die Kaffee-Erträge im Untersuchungsgebiet seit mehreren Jahrzehnten auf hohem Niveau stabil geblieben, was für die ökologische sowie ökonomische Nachhaltigkeit der Landnutzungsform spricht. Der Betrieb weist neben der Vielfalt der Anbauprodukte (Agrodiversität) ein hohes Maß an natürlicher Biodiversität auf. Im Gegensatz zu den meisten Kaffeepflanzungen der Region, wachsen auf Brahmagiri zahlreiche Baumarten, die für den Plantagenbetrieb keinen direkten Marktwert besitzen, jedoch für die ökologischen Abläufe des Humanökosystems wichtige Funktionen erfüllen (z.B. als Bodenverbesserer) und für die auf dem Gelände lebenden Adivasis von großer Bedeutung sind als Rohstoffquelle sowie Teil ihrer sozio-kulturellen Identität. Auf Brahmagiri wurde ein Kompromiß gefunden zwischen ökologisch befriedigender Vielfalt des Schirmes und gleichzeitig ausreichend hohem Anteil an Wertholzarten als ‚krisensichere Kapitalanlagen’ .>BR< Die Analyse der ökologischen und sozio-ökonomischen Ressourcenpotentiale ergibt, daß die tatsächliche Nutzungskapazität der Plantage derzeit nicht voll ausgeschöpft wird. Hier könnten durch Maßnahmen der vertikalen und horizontalen Diversifizierung (Weiterverarbeitung und alternative Anbauprodukte) Verbesserungen erzielt werden. Die Argumente für die Bewahrung der Artenvielfalt reichen weit über ökologische hinaus zu sozialen, kulturellen, ästhetischen und philosophisch-religiösen Gründen. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen zudem, daß für sich Unternehmen auch ökonomisch lohnt, die Naturschätze zu bewahren. Konkretisiert wird dieser Ansatz anhand eines Öko-Agro-Tourismus-Modells als Strategieempfehlung für die Zukunft der Plantage, das die Sicherung und Verbesserung des Untersuchungsgebietes als Lebens- und Wirtschaftsraum sowie die Bewahrung der Biologischen Vielfalt zum Ziel hat. Dabei würde die produktiv gestaltete Vielfalt des derzeitigen Systems bewusst einbezogen, erweitert und zu Zwecken des Naturerlebnisses sowie der Umweltbewusstseinsbildung eingesetzt. Dem Touristen, der gleichzeitig Verbraucher landwirtschaftlicher Produkte wäre, käme hier eine besondere Rolle als Regulator für die Erzeugerqualität zu. >BR< Die aussichtslose wirtschaftliche Lage vieler Kaffeepflanzer in Nord-Wynaad könnte zur Triebfeder für Nutzungsänderungen ihrer Plantagen als Orte des Öko-Agro-Tourismus und eine Umorientierung hin zu mehr Biodiversität werden. Kaffeeplantagen als Polykultursysteme mit einem hohen Maß an Agro- und natürlicher Bioiversität könnten ein Verbundsystem von Biotopen für viele Arten bilden, denn sie nehmen flächenmäßig neben Waldplantagen und Schutzgebieten den größten Raum in der Region Nord-Wynaad ein. Ein so entstehendes Biodiversitätsverbundsystem könnte der Zerstörung bzw. weitgehenden Fragmentierung natürlicher Lebensräume als einer der Hauptursachen des Rückgangs von Artenvielfalt entgegenwirken.
Kurzfassung auf Englisch: Two facts build the basis of the multitude of themes concerning coffee plantation and
biodiversity: 1. The development of the international coffee market is dominated by an ongoing struggle for continuation. While the costs of coffee cultivation has remained on a high level, the profits have reached the lowest level for 30 years due to overproduction. 2.
Although the Indian Government has devised a ‚National Strategy and Action Plan‘ and lots
of NGOs are engaged in conserving nature, the loss of species in the Western Ghats has
not, up till now, been able to be prevented. However, the protecion of biological diversity in
this region is considered as very improtant because it is one of the twelve centres of megabiodiversity in the world with a gene pool which has not yet been fully recorded.
In view of this situation the question rises, how economic needs of coffee planters and
requirements of habitat as well as species protection could be reconciled. Examining
Brahmagiri B Estate in the traditional coffee planting area of North Wynaad this thesis aims
to challenge the view that coffee plantations are generally species-poor environments.
>BR< The amount of biodiversity in the exmamined area resides between that of unspoilt nature and that of intensively cultivated land. As several agricultural products (coffee, pepper, ginger, oranges, arecanut) are cultivated, the type of land use can be addressed as a polyculture. In the agroforestry or mixed-cropping-system cycles of nature are imitated
through methods of ecofarming (green manure, root pumping effect, integrated plant
protection). Favourable interactions between different species are channeld for the ecological and economic advantage of the plantation, saving on expensive external inputs (synthetic manure, pesticides). Although chemicals are not used, coffee yields have stayed on a high level for several decades and this again proves the systems ability to function.
Brahmagiri not only exhibits a variety of agricultural products (agro-biodiversity) but also has
a high grade of natural biodiversity. On most plantations in the region profitable timber
species almost exclusively form the canopy. In contrast, on Brahmagiri a lot of tree species
grow without any direct market value but which have significance for ecological processes
(e.g. increasing soil richness). Furthermore, many of the shade trees are indispensable for
the Adivasis, who live on the Estate, as a source of raw materials and part of their sociocultural identity. Brahmagiri has realised a compromise between ecologically satisfying diversity of the canopy while at the same time sufficient share of valuable timber species, which serve as a kind of capital investment that is unaffected by any crisis striking the coffee market. >BR< Analysing the ecological and socio-economic resource potential it has been found that the possibilities of utlization on Brahmagiri have not yet been fully exploited. In this context measures of vertical and horizontal diversification (processing and alternative crops) could lead to improvement. The arguments for protection of biodiversity extend far beyond merely ecological to social, cultural, aesthetic, philosophical and religious reasons. Late discoveries in life science prove that it is also economically profitable to save natural resources. To put this approach in concrete terms an ‚Eco-agro-tourism model‘ has been created as a recommendation for future utilisation of Brahmagiri B. The concept has been designed to safeguard and improve the examined area as a place of living and business as well as to preserve the biological diversity of the site. The agricultural induced diversity of the present land use system would be involved, expanded and employed for the purpose of nature experience and environmental awareness building. In this concept the tourist, as a consumer of agricultural products, would help to regulate the quality of the plantations output.>BR<
The hopeless economic situation of many coffee plantations in North-Wynaad could turn into
a motivation force for changing the use of plantations into places of Eco-agro-tourism and
new orientation towards more biodiversity. Coffee plantations as polyculture systems with a
high grade of agro- and natural diversity could establish a network of biotopes for lots of
species, because they occpupy most of the area of North-Wynaad next to forest plantations
and proteced areas. Such a biodiversity network could oppose the destruction, or at least far
reaching fragmentation, of natural ecosystems as one of the main reasons for the decline in
species-variety.