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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-19086
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1908/


Lebensqualität bei Patienten mit Vorhofflimmern

Quality of Life in patients with atrial fibrillation

Micus, Stefan


Originalveröffentlichung: (2004) Zeitschrift für Kardiologie, 91.2002,(suppl.I), V848; Europace, 3.2001,(suppl.B), B30
pdf-Format: Dokument 1.pdf (564 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Lebensqualität , Vorhofflimmern , SF-36
Freie Schlagwörter (Englisch): Quality of Life , atrial fibrillation , SF-36
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinische Klinik II des Klinikums Lippe Detmold
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.11.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 30.11.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Auf die Frage nach der geeigneteren Therapiestrategie für Patienten mit Vorhofflimmern hinsichtlich der Lebensqualität ist eine allgemeingültige Antwort nicht möglich. Die STAF–Studie ergab vielmehr, dass die Lebensqualität der eingeschlossenen Patienten sowohl von der Rhythmuskontrolle als auch von der Frequenzkontrolle verbessert wurde. Somit konnte sich weder die Rhythmuskontrolle noch die Frequenzkontrolle entscheidend gegenüber der jeweils anderen Therapiestrategie durchsetzen. Dieses ist in erster Linie zurückzuführen auf eine optimierte Therapie in beiden Strategien und eine verbesserte Patientenführung innerhalb der STAF–Studie. Die Wahl der „richtigen“ Therapiestrategie beim einzelnen Patienten bezüglich einer verbesserten Lebensqualität muss sich demnach nach folgenden Kriterien richten: der subjektiven Symptomatik des Patienten bezüglich seines Krankheitsleidens, dem kurz- und langfristigen Erfolg der Therapiestrategie und dem damit verbundenen Risiko der Therapie. Die wissenschaftlichen Daten lassen die allgemeine Empfehlung einer Therapiestrategie bei Vorhofflimmern bisher nicht zu. Es ist jedoch unbedingt zu beachten, dass bei der Wahl der Therapiestrategie für den einzelnen Patienten die Gefahrlosigkeit der Behandlung im Vordergrund stehen muss, da Vorhofflimmern nicht grundsätzlich ein Sterblichkeitsfaktor ist. Bisher ist eine prognostische Indikation der Rhythmuskontrolle unbewiesen. Daher sollten symptomfreie Patienten eher eine frequenzkontrollierende Therapie mit einer Antikoagulation erhalten. Vor einer Entscheidung über die „richtige“ Therapie ist zunächst immer eine symptomatische Therapie indiziert, so zum Beispiel eine antikongestive Therapie einer Herzinsuffizienz, eine Blutdruckregulierung oder eine Frequenzsenkung. In bis zu 50% der Fälle ergibt sich bei neu aufgetretenem Vorhofflimmern eine spontane Rhythmisierung. Danach muss vor der Entscheidung über das weitere Vorgehen eine kardiologische Diagnostik angeschlossen werden, die den klinischen und subjektiven Symptomen des einzelnen Patienten angemessen ist. Die STAF–Studie zielte in erster Linie auf die Patienten mit einem erhöhten Risiko für ein Arrhythmierezidiv. Da beide Therapiestrategien jedoch im Rahmen der STAF–Studie keine offensichtlichen Vorteile hinsichtlich der Symptomatik und Überleben bieten, sollte der Punkt Sinusrhythmus oder Vorhofflimmern bei der Behandlung der Patienten nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr sollte eine Optimierung der gewählten Strategie gewährleistet sein. Die Lebensqualität des Patienten und ihr Erhalt gewinnt in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung. Die bisherigen klassischen Kriterien für den Erfolg einer Behandlung wie Letalität, Morbidität oder das Wiederauftreten von Symptomen können nunmehr nicht mehr als alleinige Entscheidungsparameter herangezogen werden, um den Erfolg einer Behandlung zu beurteilen. Dabei gilt grundsätzlich das Erreichen einer hohen Lebensqualität als ein wichtiges Therapieziel. Um diese beurteilen zu können erfüllt die systematische und standardisierte Evaluierung der Lebensqualität den Zweck, mögliche Unterschiede zwischen verschiedenen Therapiestrategien bezüglich des subjektiven Wohlbefindens des behandelten Patienten aufzudecken. Zusammen mit den klinischen Parametern kann sich daraus eine konkrete Therapieempfehlung entwickeln. Die Lebensqualität–Erhebung bei Patienten mit Vorhofflimmern sollte ermitteln, ob sich die zwei verschiedenen Patientenkollektive signifikant unterscheiden und sich somit eine der beiden Strategien besonders zur Therapie von Vorhofflimmern eignet. Es zeigte sich dabei jedoch, dass die Lebensqualität und die Symptomatik der einzelnen Patienten nicht vom Rhythmus oder der jeweils gewählten Therapiestrategie abhängig waren, sondern vielmehr vom NYHA-Stadium. Es fällt dabei auf, dass Patienten mit Vorhofflimmern und NYHA I durchweg höhere Punktwerte erzielten, als diejenigen Patienten mit Vorhofflimmern und NYHA II/III. Demgegenüber zeigten sogar Patienten mit weiterbestehendem oder rezidivierendem Vorhofflimmern im Verlauf eines 12-Monats Follow-up signifikante Verbesserungen in 4 Kategorien der 8 SF-36 Subskalen. Patienten, die sich im Sinusrhythmus befanden, zeigten dagegen nur in 2 Kategorien signifikante Verbesserungen. Zu bemerken ist aber auch, dass der Punktwert bei Patienten mit Sinusrhythmus verglichen mit den Werten der Patienten mit Vorhofflimmern durchweg höher war. Abschließend ist festzuhalten, dass die STAF–Studie gezeigt hat, dass für ein Kollektiv mit hohem Rezidivrisiko beide Therapiestrategien zu vergleichbaren Resultaten im Rahmen der Lebensqualität führen, so dass die Entscheidung der Therapie individuell getroffen werden muss. Die ärztliche Haltung, unbedingt einen Sinusrhythmus zu erreichen und zu erhalten ist unsachgemäß. Die Selbsteinschätzung des Patienten bezüglich seines Wohlbefindens und seine Krankheitsverarbeitung sollten demgegenüber eine wichtigere Rolle als bisher spielen.
Kurzfassung auf Englisch: Background: Quality of life (QoL) is reduced in patients with atrial fibrillation (AF). It is unknown whether a strategy of rhythm control improves QoL as compared with rate control. Methods: In STAF (Strategies of Treatment of Atrial Firbrillation) patients with AF were randomized to either rhythm control (cardioversion and antiarrhythmic therapy)or rate control and anticoagulation. Symptoms (dyspnea, palpitations, angina pectoris, dizziness, peripheral edema) and QoL (using MOS 36-Item Short-Form Health Survey, SF-36) were assessed at baseline and during 12-months of follow-up. Results: 200 patients (100 per group: rhythm versus rate control) were analyzed. The mean age did not differ between the two groups (65,3±9,4 versus 66,2±7,6 years, range 37-88 years). Compared to published, age-matched norm values patients with AF scored significantly lower in all SF-36 subscales except bodily pain (p<0,05). While patients randomized to rhythm control significantly improved in two SF-36 subscales (role physical (RP) and mental health (MH), p<0,05) during 12-months of follow-up. Patients randomized to rate control showed significant improvement in five SF-36 subscales (physical functioning (PF), role physical (RP), bodily pain (BP), social functioning (SF), mental health (MH), p<0,05). When analyzing QoL based on actual thythm, as opposed to treatment strategy, it was found that patients with ongoing or recurrent AF showed significant improvement in four SF-36 subscales as compared to just two subscales in patients in sinus rhythm at 12-months of follow-up. The frequency of reported of reported symptoms was neither affected by the randomized treatment strategy nor by the actual heart rhythm at 12-months of follow-up. It appeared that both QoL and symptoms were rather dependent on NYHA functional class than on treatment strategy or actual rhythm. Conclusion: Quality of Life (QoL) in patients with Atrial Fibrillation (AF) can be significantly improved by either treatment strategy, rhythm control and rate control. This is probably due to more intensive treatment and better patient guidance and seems to be unrelated to actual heart rhythm.