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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-18607
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1860/


Haemolymph clotting in Drosophila melanogaster and Galleria mellonella

Scherfer, Christoph


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Immunologie , Insekten , Drosophila , Blutgerinnung , Hämolymphe
Freie Schlagwörter (Englisch): immunology , insects , Drosophila , coagulation , hemolymph
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Allgemeine und Spezielle Zoologie
Fachgebiet: Biologie
DDC-Sachgruppe: Biowissenschaften, Biologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.11.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 17.11.2004
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this dissertation was to identify and characterise haemolymph clotting factors in insects. Starting from an almost exclusively morphological description of the haemolymph coagulum, several putative clot proteins of two insect species, Galleria mellonella and Drosophila melanogaster have been studied.


A functional involvement of some molecules like Drosophila hemomucin remains largely unclear and has to be further investigated. The data collected in the present study underline earlier assumptions of broad biological functions for this protein in immunity (microparticle formation, pathogen entrapment in the clot) and development (e. g. possibly trachea formation). Therefore the approach chosen here to knock down hemomucin in vivo at different developmental time stages and in specific organs by RNA interference still seems valuable. Since the synthesis of a DNA-construct for in vivo RNAi of hemomucin was not successful, one can still only speculate about the specific roles of this protein.


Anti-clot antiserum and pull-out assay independently led to the identification of lipophorin and prophenoloxidase as clot components. Together with the enzyme transglutaminase these proteins might represent more conserved constituents in insect haemolymph coagulation. Even arylphorins of both species, are candidate clotting factors with analogous counterparts in D. melanogaster and G. mellonella, including the Galleria gallysin, Drosophila larval serum protein 1c (lsp1c) and fat body protein 1 (fbp1). In contrast, relatively high variability may be expected for transglutaminase substrates in insects. In agreement with this idea, two species-specific putative substrates of the enzyme, the a-crystallin-like Galleria protein and the Drosophila CG 15825 gene product, evolved independently. In summary, the evolution of insect clotting proteins seems to be characterised by both conservative traits (e. g. vWF D-like domains, transglutaminase) and quick development of new species-specific elements by evolutionary tinkering (glutamine residues in e. g. CG 15825; a-crystallin).


The factors mentioned in the previous paragraph allow only vague assumptions for the molecular mechanisms underlying the initial steps of haemolymph coagulation. Self-aggregation of proteins due to certain sequence characteristics such as vWF domains and glutamine residues, seems to be a likely explanation for quick clot formation. Drosophila hemolectin is a good candidate for one of the first clot proteins attaching to a wound and its domain structure suggests interactions with various additional factors. An in vivo RNAi knock-down of hemolectin led to a clearly affected clotting process. Drosophila tiggrin and other RGD-containing proteins in the coagulum possibly represent the link to the haemocytes that assist in closing the wound and stimulate formation of the new epithelium.


In addition, it becomes increasingly clear that both transglutaminase and phenoloxidase are involved in later steps of clot formation and strengthen the primary coagulum by cross-linking of proteins. The interplay of these enzymatic activities is still largely unexplored and an investigation of their crosstalk may provide insights into their probably dissimilar roles in clot formation.


Drosophila represents an ideal model organism to study insect haemolymph clotting, since genetic tools and a huge number of available mutants will facilitate a detailed description of the coagulation process and its role in the immune system of the fly. Simultaneously evolutionary questions may rather be successfully addressed by comparing clotting proteins of different insect orders and species. In the near future the putative clotting factors described here may be investigated more specifically for their functions as well as for their interactions with each other. A redundancy of multiple possible ligands is already commonly accepted for components of the vertebrate coagulum (Furlan, 2002), but remains to be shown for insects. Similarly many clotting defects in insects may turn out to be of a quite moderate nature due to overlapping enzymatic cross-linking activities and possibly even flexibility in the spectrum of covalently linked substrate proteins.
Kurzfassung auf Deutsch: Die Identifikation und Charakterisierung von Gerinnungsfaktoren in der Hämolymphe von Insekten war Ziel der vorliegenden Dissertation. Auf Grundlage einer bisher nahezu ausschließlich morphologischen Beschreibung des Koagulums wurden mehrere potentiell an diesem Prozess beteiligte Proteine der beiden Insektenarten Galleria mellonella und Drosophila melanogaster näher studiert.


Die funktionelle Bedeutung einiger Moleküle wie z. B. Drosophila Hämomucin bleibt weiterhin weitgehend unklar. Da die Synthese eines DNA-Konstruktes für RNA-Interferenz in vivo nicht erfolgreich verlief, kann über Funktionen von Hämomucin weiterhin nur spekuliert werden. Die vorliegenden Daten unterstützen frühere Annahmen, nach denen dieses Protein an mehreren biologischen Funktionen wie Immunität (Mikropartikel-Bildung und Demobilisierung von Pathogenen im Clot) und Entwicklung (z. B. möglicherweise Bildung der Tracheen) beteiligt ist. Daher erscheint der gewählte Ansatz, die Expression von Hämomucin zu unterschiedlichen Entwicklungsstadien und in bestimmten Organen zu beeinträchtigen, weiterhin Erfolg versprechend.


Das Anti-clot-Antiserum und der Pull-out-Assay führten unabhängig voneinander zur Identifikation von Lipophorin und Phenoloxidase als Bestandteile eines Clots bei den beiden untersuchten Insektenarten. Zusammen mit Transglutaminase repräsentieren diese Proteine möglicherweise die konservierten Bestandteile der Hämolymph-Koagulation in Insekten. Auch Arylphorine sind mögliche Kandidaten für Gerinnungsfaktoren mit Analogen in unterschiedlichen Insektenarten, identifiziert wurden u. a. das Galleria Gallysin, sowie Drosophila Larvales Serumprotein 1c (lsp1c) und Fettkörperprotein 1 (fbp1). Im Gegensatz hierzu kann für Transglutaminase-Substrate in Insekten eine relativ hohe Variabilität angenommen werden. In Übereinstimmung mit dieser Ansicht haben sich zwei vermutlich artspezifische Substrate des Enzyms unabhängig voneinander entwickelt, das den a-Kristallinen ähnliche Galleria Protein und das Produkt des Drosophila CG 15825-Genes. Die Evolution von Clotting-Proteinen der Insekten scheint sowohl durch sowohl konservative Züge (z. B. vWF-D-ähnliche Domänen, Transglutaminase) als auch durch schnelle Entwicklung neuer artspezifischer Elemente durch hohe Variation innerhalb kurzer Zeiträume (Expansion von Glutaminresten in CG 15825 und a-Kristallin) gekennzeichnet zu sein.


Die zuvor genannten Faktoren erlauben nur erste Annahmen über molekulare Mechanismen als Grundlage der ersten Schritte in der Hämolymph-Koagulation. Selbstaggregation von Proteinen aufgrund bestimmter Sequenzmerkmale, wie vWF-Domänen und Glutaminreste, scheint eine gute Erklärung für die schnelle Bildung eines Hämolymph-Clots zu sein. Drosophila Hämolektin ist ein guter Kandidat für eines der primären wund-assoziierten Clotting-Proteine und die Domänenstruktur des Proteins legt Interaktionen mit zahlreichen weiteren Faktoren nahe. RNA-Interferenz in vivo mit Hämolektin führte zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Koagulationsprozesses. Drosophila Tiggrin und andere Proteine mit einem RGD-Motiv stellen möglicherweise die Verbindung des Clots zu den Hämozyten her, welche die Wundheilung fördern und die Neubildung des Epitheliums anregen.

Es wird zunehmend deutlich, dass Transglutaminase und Phenoloxidase an späteren Schritten der Clotbildung beteiligt sind und das primäre Koagulum durch Kreuzvernetzung von Proteinen verstärken. Das Zusammenspiel dieser Enzymaktivitäten bleibt weitestgehend unerforscht und eine nähere Analyse ihrer wechselseitigen Regulation wird möglicherweise Aufschluss über ihre vermutlich unterschiedlichen Rollen im Gerinnungsprozess geben.


Drosophila ist ein viel versprechender Modellorganismus für die Studie der Hämolymphgerinnung in Insekten, da genetische Methoden und eine große Anzahl verfügbarer Mutanten eine detaillierte Untersuchung des Gerinnungsprozesses und seiner Rolle im Immunsystem der Fliege ermöglichen. Durch weitere Arbeiten werden den hier beschriebenen Faktoren spezifischere Funktionen zugewiesen werden und ihre Interaktionen untereinander analysiert werden können. In Übereinstimmung mit dem hier präsentierten Konzept könnten viele Gerinnungsstörungen in Insekten aufgrund von leicht überlappenden Kreuzvernetzungsaktivitäten und möglicherweise ebenfalls Flexibilität ihrer Substrate von eher gemäßigter Natur sein. Eine Redundanz der vielfältigen möglichen Liganden ist für Bestandteile des Vertebraten-Koagulums bereits akzeptiert (Furlan, 2002).