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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-18142
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1814/


Die Bedeutung von Bindung und mütterlicher Unterstützung für die emotionale Regulation von sechsjährigen Kindern in Anforderungssituationen

Geserick, Barbara


pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.932 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Bindung , emotionale Regulation , mütterliche Unterstützung , Vorschulalter
Freie Schlagwörter (Englisch): attachment , emotional regulation , maternal support , preschool age
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Psychologie und Sportwissenschaft
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.07.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 26.10.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Mit dem Eintritt in die Schule werden Kinder mit Anforderungen konfrontiert, zu deren Bewältigung sie kognitive und motivationale Kompetenzen benötigen. Gelangen sie an die Grenzen ihrer Fähigkeiten spielen außerdem sozial-emotionale Regulationsstrategien, die sich aufgrund individueller Erfahrungen in Interaktionen mit den Bezugspersonen entwickelten, eine Rolle. Die Qualität der frühen Bindung bestimmt dabei die Art der emotionalen Regulation. Vor allem in Situationen mit schwierigen, unbekannten Anforderungen ist die Unterstützung, die Kinder aktuell von ihren Bezugspersonen erhalten, entscheidend für die Bewältigung.

91 sechsjährige Kinder der Regensburger Längsschnittstudie IV (Spangler & Schieche, 1998), deren Bindungsqualität und Desorganisation mit 12 Monaten in der „Fremden Situation“ beur-teilt wurde, wurden in jeweils einer kognitiven Anforderungssituation mit und ohne Mutter und einer sozial-kompetitiven Anforderungssituation beobachtet. Das kindliche Verhalten wurde hinsichtlich emotionalem Ausdruck, subjektiven Erwartungen, aufgabenbezogenem Handeln und der Nutzung sozialer Ressourcen kontextspezifisch ausgewertet. Das Verhalten der Mutter wurde in Bezug auf die emotionale und handlungsstrukturierende Unterstützungsqualität beurteilt.

Es konnte nachgewiesen werden, dass sowohl eine sichere Bindung mit 12 Monaten als auch eine aktuell gute mütterliche Unterstützung wie Schutzfaktoren wirken, die angemessenes Bewältigen stufenbezogener Anforderungen begünstigen. Die emotionale Regulation sicher gebundener Kinder war effektiv und realistisch. Die Wahrnehmung eigener negativer Emotionen der unsicher-vermeidend gebundenen Kinder schien schlecht zu funktionieren, so dass sie die Situation unrealistisch positiv bewerteten, einmal gewähltes Verhalten zu lange beibehielten und Kontakt und Hilfe ihrer Mutter vermieden. Unsicher-ambivalent gebundene Kinder zeigten in sich widersprüchliches Verhalten, ihre Leistung war, wenn sie wenig mütterliche Unterstützung erfuhren, beeinträchtigt. Die Unterscheidung der beiden unsicheren Bindungsqualitäten und Erforschung ihrer situationsabhängigen Stärken und Schwächen ist zum Verständnis der Strategien, zu einer verbesserten Entwicklungsvorhersage und zur gezielten Interventionsplanung notwendig. Mütterliche Unterstützung kann das Defizit der jeweiligen Regulationsstrategien kompensieren. In Zusammenhang mit der Bindungsdesorganisation ergaben sich über alle Situationen hinweg vom Geschlecht der Kinder abhängige Strategien mit Schwierigkeiten umzugehen. Das fröhliche offene Verhalten der desorganisierten Mädchen im Gegensatz zu dem schüchternen verschlossenen Verhalten der Jungen, wird im Sinne einer weiblichen „tend-and-befriend“ Stressreaktion (Taylor et al., 2000) interpretiert. Die Studie verdeutlicht die Notwendigkeit einer differenzierten Erforschung der Interaktionen.
Kurzfassung auf Englisch: When joining primary school children have to cope with specific challenges affording cognitive and motivational competences. Whenever individual resources are exhausted social-emotional regulation strategies play a critical role. Those strategies have been developed in interactions with primary caretakers. The quality of early attachment determines the strategy of emotional regulation. In dealing with stressful, unfamiliar situations their success in coping is dependent on the support the children receive from their primary caretakers.

The study was conducted within the Regensburg Longitudinal Study IV (Spangler & Schieche, 1998), consisting of 91 children. Quality of attachment and disorganization was assessed at age 1 during the Strange Situation. At age 6 the children were investigated in two cognitive task situations (with and without mother) and a social competition task. The children’s behaviour was analysed for their expectations, emotional expression, task relevant behaviour and the abil-ity to seek and benefit from help. In addition the emotional and cognitive support they received from their mothers was analyzed.

It was shown, that a secure attachment relationship in infancy, as well as a supportive mother at six years, contribute to adaptive coping with actual challenges. The emotional regulation of securely attached children was effective and realistic. Insecure avoidant children did not per-ceive their negative emotions properly. Therefore their expectations were unrealistic-optimistic, they persisted in the once chosen behaviour for too long, and avoided their mother’s contact. Insecure ambivalent children showed contradictory behaviors. If receiving support of minor quality from their mothers, their performance was impaired. Adequate support from their moth-ers can compensate the shortcomings of the specific emotional regulation strategies of both insecure groups. The differentiation between the two insecure patterns and the study of their disadvantages as well as their advantages will be crucial for a better understanding and predic-tion of their adaptation, which ultimately should lead to an improved intervention.

For children with a disorganized attachment quality the coping with stress in the different situa-tions, was dependent of their sex. The social, cheerful and open behaviour of the disorganized girls in contrast to the shy, reserved boys is interpreted in connection with Taylors’ hypothesis of a female „tend-and-befriend“-stress-reaction (Taylor et al., 2000).
This study further shows and underlines the necessity to explore these interactions in a more differentiated way.