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Psychologische Einflussgrößen von Unternehmensgründung und Unternehmenserfolg

Utsch, Andreas


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Entrepreneurship , Unternehmertum , Unternehmer , Existenzgründung
Freie Schlagwörter (Englisch): entrepreneurship , entreprenuer , small business
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.09.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 08.10.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Diese Arbeit setzt sich mit dem Phänomen des Unternehmertums auseinander und begleitet den Prozess von der Unternehmensgründung bis zur erfolgreichen Unternehmensführung. Diese Phasen des unternehmerischen Prozesses werden insbesondere aus der Perspektive der Personenmerkmale des Unternehmers betrachtet.

Die erste Untersuchung setzt sich mit Prädiktoren unternehmerischer Intentionen auseinander. Unternehmerische Intentionen sind die verhaltensorientierten Intentionen, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder sich selbständig zu machen. In dieser Studie werden die Variablen Eigeninitiative, Risikobereitschaft, Leistungsbedürfnis, Geschlecht, potentielle Unterstützung und Erfahrung mit Selbständigkeit in der Familie als Prädiktoren unternehmerischer Intentionen an einer Gesamtstichprobe von 167 Studenten untersucht.

In Untersuchung 2 wird die Frage untersucht, welche Personenmerkmale Unternehmensgründer und 'Nicht'-Unternehmer unterscheiden. Dazu werden die Personenmerkmale Autonomie, Innovationsbereitschaft, Wettbewerbsaggressivität und Leistungsbedürfnis herangezogen. Als Stichproben wurden ostdeutsche Manager (N= 75) und ostdeutsche Unternehmer (N=102) herangezogen.

In Untersuchung 4 wird ein Mediatiormodell überprüft, in dem Innovativität und Initiative zwischen Leistungsorientierung (einschließlich der psychologischen Charakteristika Selbstwirksamkeit, Selbstverwirklichung (Higher Order Need Strength), Leistungsmotivation und internaler Kontrollüberzeugung) und Unternehmenserfolg mediieren. Um das Mediatormodell zu überprüfen, wurden die Daten von 201 Unternehmern mit Hilfe von Strukturgleichungsmodellen analysiert.

In Untersuchung 5 wird ein interaktionistische Modell aufgegriffen. Betrachtet wird hier das Zusammenwirken von Unternehmern und Mitarbeitern hinsichtlich des Unternehmenserfolges. Auf Unternehmerseite werden dabei die Personenmerkmale Handlungsorientierung nach Misserfolg, Leistungsmotivation und Selbstwirksamkeit untersucht. Auf Mitarbeiterseite wurde die Eigeninitiative erfasst. Untersuchungsstichprobe waren 201 Unternehmer.

Untersuchung 6 widmet sich dem Zusammenhang von Personenmerkmalen und Unternehmenserfolg aus einer kulturvergleichenden Perspektive. Die kulturvergleichende Forschung betont den starken Einfluss der Kultur auf Organisationsstrukturen und Führungsstile. Allerdings wird in der Entrepreneurshipforschung der kulturelle Aspekt des Unternehmensumfeldes bei Untersuchungen des unternehmerischen Erfolges vernachlässigt. Diese Untersuchung betrachtet den Einfluss von Personenmerkmalen von Unternehmern auf Unternehmenserfolg in Abhängigkeit der kulturellen Gegebenheiten. Die Haupthypothese beruht auf einem Fit-Modell, das davon ausgeht, dass kulturell adäquates Verhalten und kulturell adäquate Personenmerkmale der Unternehmer mit dem Unternehmenserfolg in Zusammenhang stehen. Unter kulturell adäquat wird in dieser Untersuchung verstanden, dass die Personenmerkmale von Kleinunternehmern mit den Werten und Normen des kulturellen Umfeldes des Unternehmens übereinstimmen. Das Fit-Modell wurde an zwei Stichproben deutscher Kleinunternehmer (Westdeutschland: N = 102; Ostdeutschland: N = 99) und and 98 brasilianischen Kleinunternehmern überprüft.

Betrachtet man die Ergebnisse in den einzelnen Kapiteln, so zeigt sich, dass in jeder Untersuchung Personenmerkmale statistisch bedeutsame Zusammenhänge zeigen, allerdings variieren zwischen den Untersuchungen die Personenmerkmale und die Art des Einflusses auf den jeweiligen Untersuchungsgegenstand.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Personenmerkmale keineswegs unbedeutsam sind, wenn es um die Vorhersagen von für die Entrepreneurshipforschung wichtigen Variablen wie Emergenz und Unternehmenserfolg geht. Zweitens, dass Personenmerkmale im Zusammenhang mit dem Unternehmensprozess betrachtet werden müssen, das heißt, die Bedeutsamkeit von Personenmerkmalen variiert danach, in welchem Stadium der Unternehmer sich befindet. Dies legt drittens nahe, nicht nach Personenmerkmalen zu suchen, die für den gesamten Unternehmensprozess wichtig sind, sondern punktuell begründete Personenmerkmale zu betrachten, je nach der jeweiligen Forschungsfrage, die Untersuchungsgegenstand ist. Viertens legen die Ergebnisse nahe, gerade bei der Betrachtung von Unternehmenserfolg Personenmerkmale keineswegs außen vor zu lassen, sondern sie theoretisch begründet in Mediationsmodelle und Interaktionsmodelle einzuführen.