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Zur Wirksamkeit von Bronchodilatatoren bei der Therapie der obstruktiven Bronchitis im frühen Kindesalter

Bultmann, Christoph


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-17533
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1753/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.05.2004
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 16.09.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund und Zielsetzung: Es ist strittig, in welchem Ausmaß der Bronchospasmus bei der obstruktiven Bronchitis eine Rolle spielt und inwieweit Bronchodilatatoren wirksam sind. Von besonderem Interesse sind inhalativ applizierbare Medikamente, die eine große therapeutische Breite haben, da die Inhalation vor allem als Folge des möglichen Lecks zwischen Maske und Gesicht sowie des variirenden inspiratorischen Flows und Atemzugvolumens bei Säuglingen und Kleinkindern zu einer stark schwankenden bronchialen Deposition der Medikamentenpartikel führt. Bei guter Wirksamkeit wäre zu erwarten, dass die Bronchodilatation in gleicher Größenordnung liegt wie bei einem systemisch applizierten Bronchodilatator, für den therapeutisch wirksame Serumspiegel nachweisbar sind.

Methodik: 80 Säuglingen und Kleinkindern mit obstruktiver Bronchitis wurde im Rahmen von Bronchospasmolysetests in randomisierter Reihenfolge inhalativ eine hohe (250 Mikrogramm) und niedrige Dosis (100 Mikrogramm) Ipratropiumbromid bzw. systemisch über eine Magensonde Theophyllin (8 mg/kg) appliziert. Einer Kontrollgruppe (n = 20) wurde isotone Kochsalzlösung inhalativ verabreicht.
Als entscheidendes Kriterium für die Beurteilung einer bronchialen Obstruktion und des Bronchospasmolyse-Effekts wurde die bodyplethysmographisch bestimmte spezifische Conductance herangezogen, die über den gesamten Kammerdruckgradienten (sGawt) sowie für einen definierten Flow bestimmt wurde (sGawd). Zum Ausschluß einer nasalen Obstruktion wurde in allen Fällen die nasale Resistance mittels anteriorer Rhinomanometrie gemessen.
Bei den 20 mit Theophyllin behandelten Patienten wurde aus einer kapillären Blutprobe mit Hilfe eines Hochleistungsflüssigkeitschromatographen-Assays der Theophyllin-Serumspiegel bestimmt.

Ergebnisse: Der Theophyllinspiegel im Serum betrug im Mittel 15,5 mg/dl (Streubreite 7,3 - 30,0 mg/dl); damit war ein therapeutisch wirksamer Spiegel gewährleistet. Unerwünschte Wirkungen wurden nicht beobachtet.
Anthropometrische Daten und die Ausgangswerte der sGawt waren für die drei Therapiegruppen und die Kontrollgruppe nicht signifikant verschieden. Die applizierten Bronchospasmolytika bewirkten eine deutliche Reduzierung der Obstruktion mit einem Anstieg der sGawt nach hochdosiertem Ipratropiumbromid um 26,3 %, nach niedrigdosiertem Ipratropiumbromid um 21,9 %, nach Theophyllin um 34,7 %. Zwischen den beiden Ipratropiumbromid-Gruppen ließ sich kein Unterschied nachweisen. In der Kontrollgruppe (nach Inhalation von 0,9 % NaCl-Lösung) war eine geringe Abnahme der sGawt um 3,7 % zu verzeichnen. Der Unterschied der Therapie-Gruppen gegenüber der Kontrollgruppe war statistisch hochsignifikant (p < 0,01). Eine Überlegenheit einer der Therapie-Gruppen war nicht festzustellen. Die Auswertung der sGawd erbrachte analoge Resultate. Der Nasenwiderstand stieg nach Therapie leicht an, am stärksten nach inhalativer Applikation von 0,9 % NaCl (um 24,3 %). Statistisch signifikante Unterschiede ergaben sich jedoch nicht. Das Verhalten des Nasenwiderstandes hatte keinen Einfluss auf die bodyplethysmographischen Messergebnisse (p = 0,52).

Fazit: Diese Untersuchungen zeigen, dass Bronchodilatatoren bereits im frühen Kindesalter wirksam sind, sofern die bronchiale Obstruktion auf einen Bronchospasmus zurückzuführen ist. Das systemisch applizierte Theophyllin führt unter kontrollierten Bedingungen nicht zu einer stärkeren Bronchodilatation als das besser verträgliche inhalative Anticholinergikum. Bei gleichbleibender guter Inhalation gibt es kaum Unterschiede zwischen der Effizienz des niedrig und derjenigen des hochdosierten Ipratropiumbromid. Prinzipiell kann man daher die niedrigere Dosis als ausreichend ansehen. Bei der praktischen Anwendung muss einkalkuliert werden, dass durch ein Leck zwischen Maske und Gesicht ein erheblicher Teil des Medikamentes verloren geht. Unter diesen Bedingungen ist die erforderliche Dosiserhöhung als unproblematisch anzusehen, zumal Ipratropiumbromid eine große therapeutische Breite hat.
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