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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1718/


Frühe Mutter-Kind-Beziehung und Depressivität

Morel-Koehler, Nathalie


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.328 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Depressivität , Mutter-Kind-Beziheung , Temperament
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für psychosomatische Medizin, Abteilung Medizinische Psychologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.05.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 15.09.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Die Entwicklung wird als Transaktionsprozess zwischen kindlichen Charakteristika und Umweltfaktoren verstanden und die Untersuchungen über das kindlichen Temperament haben in den letzten Jahren auch im deutschen Sprachraum zunehmend an Bedeutung gewonnen.

In dieser Studie geht es um die Auswirkungen der mütterlichen Depressivität auf die Wahrnehmung ihres Säuglings. Zudem wollen wir überprüfen, welche Faktoren vor und nach der Geburt die Depressivität begünstigen können.

Es ergeben sich folgende Fragestellungen:

1) Besteht ein Zusammenhang der pränatalen Depressivität mit

– Komplikationen während der Schwangerschaft?

– der Geburtsangst?

– dem Kinderwunsch?

– den zukünftigen Charakteristika des Säuglings?

– den Erziehungsvorstellungen?

– der Unterstützung durch den Partner?


2) Besteht ein Zusammenhang der postpartalen Depressivität mit

– der Depressivität in der Schwangerschaft?

– der sozialen Unterstützung?

– den mütterlichen Erziehungsvorstellungen?


3) Ist die mütterliche Wahrnehmung des kindlichen Temperaments verbunden mit

– der mütterlichen Depressivität?

– ihrer sozialen Unterstützung?

– ihren Erziehungsvorstellungen?

– den vorgeburtlichen Vorstellungen von den Charakteristika des Säuglings?


An der Studie nahmen 31 Erstgebärende teil, 15 depressive Frauen und 16 nicht-depressive. Eingeteilt wurde die Stichprobe im letzen Trimester der Schwangerschaft anhand des CES-D Fragebogens, eine Depressionskala für die Allgemeinbevölkerung mit Fragen über das Vorhandensein und die Dauer von depressiven Affekten, körperlichen Beschwerden, motorischen Hemmungen und negativen Denkmustern. Die erste Erhebung erfolgte vor der Geburt mit dem Depressionsfragebogen CES-D, den Fragen über die Geburtsangst vom S-S-G und einem Interview. Vier Monate nach dem Termin erfolgte die zweite Erhebung anhand von Fragebögen.

Die beiden Extremgruppen ergeben Unterschiede in Bezug auf vermehrte leichtere Schwangerschaftsbeschwerden, mehr wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen und einen Trend in Richtung stärkerer Geburtsangst der depressiven Gruppe. Ansonsten zeigen sich keine Differenzen bezüglich der Vorstellungen über das Kind, die Mutterrolle, die Erziehung und die Partnerschaft.

Die pränatale Depressivität hat eine signifikante Korrelation mit der postpartalen Depressivität, auch mit der Hoffnungslosigkeitskala. Bei den Erziehungseinstellungen zeigt eine Überfürsorge aus Angst eine Verbindung mit der Depressivität.

Die Hypothese, dass die Beurteilung des kindlichen Temperaments von den vorgeburtlichen Vorstellungen, der mütterlichen Persönlichkeit (Hilflosigkeits- und Depressionsneigung), ihren Erziehungseinstellungen und der sozialen Unterstützung abhängt, kann teilweise bestätigt werden. Besonders die depressive Frau mit negativen Erwartungen gegenüber sich selbst und ihrem zukünftigen Leben beschreibt ihr Kind als schlechter beruhigbar, stark motorisch aktiv und sich wehrend bei Einschränkungen. Negative Auswirkungen ergeben auch eine strenge Erziehungseinstellung und ein überfürsorgliches Verhalten aus Angst. Pränatal zeigen wilde und stark auf Reize reagierende Ungeborene einen starken Einfluss auf die Vorstellungen und Wahrnehmungen des Kindes.