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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1662/


Zwischen Rahmenbedingungen und Erfahrungen : Experten in der Entwicklungszusammenarbeit

Donath, Elke


pdf-Format: Dokument 1.pdf (5.684 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Entwicklungszusammenarbeit , Langzeitexperte , Salutogenese
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Soziologie
Fachgebiet: Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.07.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 17.08.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Die Dissertation konzentriert sich auf die Handlungsebene, d.h. auf den subjektiven Bereich der Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Im Mittelpunkt stehen Erfahrungsstrukturen der Langzeitexperten der Technischen Zusammenarbeit (TZ) der Bundesrepublik Deutschland als Vermittlungsinstanzen zwischen Individuum und gesellschaftlichem Strukturrahmen. Die Untersuchungsergebnisse sollen eine neue Perspektive für Fragen an das System der Entwicklungszusammenarbeit in der gesellschaftspolitischen Diskussion eröffnen, die stärker akteurorientiert sind.

Die Analyse des Strukturrahmens dient als Hintergrund zur Einschätzung der indivi-duellen Aussagen der Experten. Die Daten zur Rekonstruktion des Strukturrahmens und die Ergebnisse der Auswertung der Interviews werden zusammengeführt und unter gesundheitstheoretischen Gesichtspunkten auf der Grundlage des gesundheitswissenschaftlichen Konzeptes der Salutogenese erneut analysiert. Mit dieser erweiterten Interpretationsebene können die Daten der Untersuchung neu bewertet und in praxisrelevante Lösungsansätze transferiert werden.

Der Strukturrahmen bedingt eine Asymmetrie der Definitionsmacht und eine Asymmetrie bezüglich des Zugangs zu materiellen und personellen Ressourcen.

Fünf Dekaden Entwicklungspolitik wurden auf der theoretischen Ebene begleitet von häufig wechselnden entwicklungstheoretischen Modellen und auf der operationalen Ebene von entwicklungspolitischen Strategien und Konzepten und wechselnder Terminologie und Schlüsselworten. Die Analyse der ökonomischen Entwicklungstheorien zeigt, dass es sich inhaltlich, bei allen Unterschieden der theoretischen Modelle, um Modifikationen weniger Grundpositionen der Ökonomen des 18. und 19. Jahrhunderts handelt. Die Ursachenanalyse der verschiedenen Theorieansätze für Unterentwicklung wird bestimmt durch normative Orientierungen, die für den kulturellen Kontext der Industrieländer als logisch und zweckrational gelten. Sofern kulturelle Differenzen in das Blickfeld der Theoriedebatte Eingang finden, werden diese häufig als ein Faktor in dem Katalog der entwicklungshemmenden Faktoren benannt.

Aus den entwicklungspolitischen Vorgaben lässt sich zum einen ein ständiger Wechsel der normativen Leitbilder erkennen, zum anderen werden je nach Entwicklungsphase oder auch je nach politischer Lage in den Industrieländern unterschiedliche Träger der Entwicklungsprozesse in den Mittelpunkt gestellt. Die Situation und das Umfeld der Langzeitexperten, welche die Konzepte der westlichen Entwicklungszusammenarbeit umsetzen sollen, werden nicht berücksichtigt.

Die Analyse der Interviews zeigt, dass sich die Interviewten mit dem System der EZ vor allem auf der Ebene kritischer Bemerkungen auseinandersetzen. Erkennbar wird, dass ihnen die Strukturen des Gesamtsystem der EZ häufig unklar sind. Konflikte und Widersprüche aufgrund der Diskrepanz zwischen der offiziell behaupteten Wirklichkeit der EZ und ihren Erfahrungen auf der Handlungsebene sind Ursache für die Entwicklung einer eigenen Konstruktion von Wirklichkeit der EZ.

Aus den Interviews lassen sich zwei wesentliche Aussagen, die auf einen zentralen Widerspruch verweisen, entnehmen: Dies sind: die Rahmenbedingungen müssen geändert werden und die Rahmenbedingungen lassen sich nicht ändern, sie machen alles kaputt.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Stressoren aus der gesellschaftspolitischen, der sozio-kulturellen und der individuellen Ebene wahrgenommen werden. Das Modell der Salutogenese eröffnet Perspektiven für präventive, stabilitätserhaltende und fördernde Interventionen. Diese Interventionsmöglichkeiten werden zum Abschluss der Arbeit als Anregung für weitergehende Überlegungen aufgezeigt.