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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-16212
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1621/


Untersuchungen zum Verhalten, zur Haltung und zu den Körpermaßen von Ebern

Rohrmann, Stefan


Originalveröffentlichung: (2004) Wettenberg : VVB Laufersweiler 2004
pdf-Format: Dokument 1.pdf (5.226 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut fürTierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-89687-687-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.07.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 21.07.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Vorrangiges Ziel der Arbeit war es, das Verhalten von Zuchtebern unter den Bedingungen der Einzelhaltung in Buchten zu analysieren und dabei besonderes Augenmerk auf die Situation der Eber in Besamungsstationen zu richten und den Einfluss der Faktoren Alter der Tiere, Jahreszeit, Buchtengröße und Besamungsstation bzw. Management in der Station zu untersuchen. In die Verhaltensuntersuchungen gingen insgesamt 82 Eber ausschließlich der Rasse Pietrain in drei Besamungsstationen (n = 78) sowie in der Lehr- und Forschungsstation Oberer Hardthof des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Giessen (n = 4) bei einer Gesamtbeobachtungszeit von 6984 Stunden ein.


Weiterhin wurden in drei Besamungsstationen die Körpermaße Widerristhöhe, Rückenhöhe und Körperlänge an 456 Ebern verschiedenen Alters und verschiedener Rassen ermittelt und die Sauberkeit von jeweils 1171 Eberbuchten und der darin befindlichen Eber im Sommer und im Winter bewertet. Mittels einer Fragebogenaktion wurden die Haltungsbedingungen in 21 deutschen Besamungsstationen hinsichtlich Buchtenfläche und -gestaltung sowie Management dokumentiert.


Folgende Aussagen können an Hand der Untersuchungsergebnisse getroffen werden:


1. Verhalten von Ebern
Eber verbringen den weitaus größten Teil des Tages in liegender Position. Im Mittel wurde das Ruheverhalten zu 80,7 % in 24 Stunden beobachtet, wovon wiederum der Hauptanteil des Liegens in entspannter Ruhelage (= passives Liegen) stattfand. Zwischen 17 Uhr nachmittags und 4 Uhr morgens war eine ausgeprägte Ruhephase der Eber nachzuweisen, hier traten nur vereinzelt Aktivitäten auf.


Es bestand eine erhebliche individuelle Varianz im Verhalten der Eber für alle untersuchten Parameter des Ruhe- und Aktivverhaltens. Bezogen auf das Gesamtliegeverhalten variierten die beobachteten Anteile zwischen 65,3 % und 93,1 % in 24 Stunden bei einzelnen Ebern.
Jüngere Eber waren tendenziell aktiver als ältere Eber und verbrachten im Vergleich zu diesen einen größeren Teil ihrer Ruhephasen in Brust-Bauchlage (= aktives Liegen) und weniger Zeit in entspannter Seitenlage (= passives Liegen).


Im Winter waren im Mittel die täglichen Anteile der Parameter Laufen / Stehen (7,8 %) und Beschäftigung mit Stroh (9,0 %) höher als im Sommer (5,9 % bzw. 7,2 %), dementsprechend war in der wärmeren Jahreszeit der Anteil des Ruheverhaltens höher als im Winter.


Bei Zunahme der Buchtenfläche beschäftigten sich die Eber signifikant länger pro Tag mit Stroh. Bei den übrigen Verhaltensparametern waren lediglich Tendenzen einer gesteigerten Aktivität mit steigender Buchtengröße vorhanden. In einer Untersuchung an vier Ebern in einer größenveränderlichen Eberbucht konnte kein (linearer) Zusammenhang zwischen der Buchtengröße und dem Verhalten der Tiere festgestellt werden.
Die stärksten Auswirkungen auf das Verhalten der Eber hatten der Faktor Besamungsstation sowie die Interaktion aus Besamungsstation und Jahreszeit. Zwischen den Stationen traten im Mittel Unterschiede bis zu 5,8 % beim Gesamtliegen und bis zu 3,7 % bei der Beschäftigung mit Stroh auf (bezogen jeweils auf die Mittelwerte in 24 Stunden).


Durch die Berechnung von Tagesgängen der einzelnen Verhaltensweisen konnte die überragende Bedeutung der Zeitgeber Fütterung, Tränke und Einstreuen der Buchten für die Ausprägung des Verhaltens der Eber gezeigt und ein zeitlicher Zusammenhang zwischen diesen Maßnahmen der Tierbetreuung und dem Auftreten von Aktivverhalten demonstriert werden. Je häufiger die Tiere veranlasst wurden aufzustehen, desto größer waren die beobachteten Anteile des Laufens / Stehens und der Beschäftigung mit Stroh.


Hinweise auf das Vorliegen von Verhaltensstörungen wurden bei keinem der observierten Tiere festgestellt. Die Ausprägung von auf das jeweilige Management abgestimmten Aktivitätsrhythmen und die Analyse der Liegepositionen bei Verkleinerung der Buchtenfläche sprechen eher dafür, dass die Tiere durchaus in der Lage waren, sich an die ihnen angebotenen Haltungs- und Umweltbedingungen anzupassen.
Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse erscheint es bei der Diskussion um das Mindestplatzangebot für Eber sinnvoller, auf Pauschalforderungen zu verzichten und stattdessen eher differenzierte Vorgaben bezüglich des Managements zu erarbeiten.


2. Körpermaße
Das Altersspektrum der 456 gemessenen Eber reichte von 8 bis 98 Monaten.
Bei den Körpermaßen zeigte sich insgesamt eine hohe Schwankungsbreite. Bei einer mittleren Körperlänge von 195,4 ± 12,5 cm betrug die Differenz zwischen Minimum und Maximum 54 cm. Die Widerristhöhe (91,6 ± 6,4 cm) variierte zwischen 76 und 107 cm, die Rückenhöhe (93,2 ± 6,8 cm) zwischen 77 und 109 cm. Auch bei älteren und somit ausgewachsenen Ebern konnten Unterschiede von mehr als 35 cm in der Körperlänge und mehr als 25 cm in der Körperhöhe gefunden werden.


An 137 Pietrain-Ebern einer Station konnte gezeigt werden, dass das Wachstum der Eber in Bezug auf die Körperhöhe mit frühestens 24 Monaten abgeschlossen ist, bei der Körperlänge erst mit ca. 33 Monaten.
Im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben zu Mindestflächen für Eber sind daher - analog zur Situation bei Jung- und Altsauen - differenzierte Vorgaben für Jung- und Alteber gerechtfertigt. Auf Grund der eigenen Untersuchungsergebnisse wird folgende Definition für Jungeber vorgeschlagen:


Jungeber sind nicht kastrierte männliche Schweine bis zum Alter von 24 Monaten (2 Jahren).
Demzufolge kann für Alteber die nachstehende Begriffsbestimmung definiert werden:


Eber (Alteber) sind nicht kastrierte männliche Schweine ab einem Alter von 24 Monaten.
Weiterhin wurden bei den Körpermaßen sowohl Differenzen zwischen Ebern verschiedener Rassen (bei der Körperlänge bis 11,5 cm und bei der Widerristhöhe bis 9,3 cm) als auch – zumindest bei den Pietrain- und BHZP-Ebern – zwischen Ebern unterschiedlicher Besamungsstationen bzw. Zuchtregionen festgestellt (bei Pietrain: Unterschiede in der Körperhöhe bis 11,3 cm und in der Widerristhöhe bis 4,8 cm).


3. Sauberkeit von Eberbuchten und Ebern
Bei der Bewertung des Sauberkeitszustands von Besamungsebern und ihrer Buchten in drei Besamungsstationen (n = je 1171) konnten überwiegend gute Noten vergeben werden. Stark verschmutzte Buchten wurden nur in etwa 8 % der Fälle gefunden. Bei lediglich 9 Ebern (0,8 %) wurde der Sauberkeitszustand als schlecht bewertet.
Ältere Eber waren – auf einem insgesamt guten Niveau – tendenziell etwas stärker verschmutzt und befanden sich in geringfügig schmutzigeren Buchten als jüngere Tiere.


Im Winter mussten signifikant mehr Buchten (10,8 %) als hochgradig verschmutzt beurteilt werden als im Sommerhalbjahr (5,8 %). Dieser Sachverhalt war in allen drei Stationen zu beobachten.
Hingegen wurde kein Einfluss der Buchtengröße auf den Sauberkeitszustand der Eberbuchten und der darin befindlichen Eber gefunden.


4. Dokumentation der Haltungsbedingungen in Besamungsstationen
Alle Eber in deutschen Besamungsstationen (untersucht: 21 Stationen mit 4338 Eberplätzen) werden in Buchten gehalten, die zumeist über planbefestigten Boden verfügen. Mehr als 99 % der Eber haben die Möglichkeit zu Sicht- und Schnauzenkontakt mit benachbart aufgestallten Tieren. Etwa 67 % der Buchten weisen eine Fläche von ³ 6 m2 auf. Ca. 45 % der Eber sind definitionsgemäß Jungeber. Ein Teil dieser Tiere steht in Übereinstimmung mit den Vorgaben der EU-Richtlinie 2001/93/EG in kleineren Buchten (als 6 m2).


100 % der Eberbuchten werden mit Stroheinstreu bewirtschaftet, eine Entmistung findet im Mittel 3,3 mal pro Woche statt. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache kann die Liegefläche der Tiere als überwiegend trocken, sauber und komfortabel bezeichnet werden.
Die Fütterung der Tiere findet in ca. 78 % der Fälle zweimal täglich statt, in den übrigen Fällen gibt es eine tägliche Fütterungszeit.
Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass die Haltungsbedingungen in den untersuchten Besamungsstationen, die einen Anteil von 64 % aller deutschen KB-Stationen repräsentieren, im Einklang mit den tierschutzrechtlichen Vorgaben der Europäischen Union stehen.
Kurzfassung auf Englisch: Investigations on the behaviour, the housing conditions and the body measurements of boars


The aim of this study was to analyse the behaviour of single kept mature boars under special consideration of their use as AI sires. The influence of several factors such as the age of the boars, the season, the size of the boar pen and the type and management of the semen processing center should be investigated. The behaviour of 78 boars was observed in three different semen processing centers as well as that of 4 boars at the institute for animal breeding of the Justus-Liebig-University Giessen; all investigated boars were of the Pietrain breed. The total period of observation was 6984 hours.


Furthermore, body measurements of 456 boars of different age and breeds in three AI stations were conducted with the focus on body length, height at withers and height at the middle of the back. Besides that, the cleanlyness of 1171 boars and their pens was evaluated during the summer and winter periods.


A questonnaire survey was carried out in order to reveal the housing conditions in 21 german semen processing centers under the aspects of the size and arrangement of the boar pens and the management of the AI stations.


The results can be summarised as follows:
1. The behaviour of the boars
The boars spent on average 80,7 % of 24 hours lying down, mostly lying fully recumbent with legs stretched out (= “passive lying”). The major resting period for the boars was between 17:00 and 04:00, where only sporadic activity was seen.


A considerable individual variance in the behaviour of the boars was found for all investigated parameters in both the resting and the active behaviour. For example the total lying behaviour of the boars variied in individual cases between 65,3 % and 93,1 % for a 24 hour period.
There was a slightliy increased tendency for active behaviour with an increased age of the boars. Younger boars spent more time lying on the sternum (= “active lying”) and less time lying fully recumbent (= “passive lying”) than older boars.


In winter, the daily percentages of walking / standing (7,8 %) and occupation with straw (9,0 %) were higher than in the summer (5,9 % and 7,2 %), thus a higher ratio of resting behaviour was seen in the summer time when compared with the colder season.


The time spent occupied with straw was significantally and positively correlated to the pen size. For the remaining behavioural parameters a tendency of slightly increased activity was found with increasing pen size. A study of four boars in pens of variable size showed no (linear) relationship between the pen size and the behaviour of the boars.
The semen processing center and the interaction of the semen processing center and the season had the highest influence on the behaviour of the boars among all factors investigated in this project. Between the three AI stations differences of up to 5,8 % in the total lying time and of up to 3,7 % in the time spent occupied with straw were found in the mean of all the boars over 24 hours.


The importance of social timers such as feeding, watering and the adding of litter was shown by calculating the daily rhythms for seperate behavioural parameters. The temporal relation between these timers and the occurrence of active behaviour in the boars could be demonstrated. The more frequent the boars were caused to stand up due to the social timers, the higher were the daily percentages of walking / standing and occupation with straw.


None of the 82 observed boars showed hints of any kind of behavioural disfunction. The adaptation of their acitivity patterns to the station`s managerial routine as well as the analysis of the boars’ lying postion with decreasing pen size gave the impression that the boars were able to deal with the different housing conditions.


In this context it would seem more sensible, to base the discussion of pen size in conjunction with the managerial system rather than setting a generalised size limit.


2. Body measurements
The 456 measured boars were between 8 and 98 months old.
The mean total body length from testis to snout of all the boars was 195,4 ± 12,5 cm with a range of 54 cm. The withers height (91,6 ± 6,4 cm) ranged from 76 to 107 cm and the height at the middle of the back (93,2 ± 6,8 cm) ranged from 77 to 109 cm. Even in adult boars differences of more than 35 cm for the body length and 25 cm for the body height were found.
It was demonstrated in 137 Pietrain boars of one AI station that the body height increased up to an age of 24 months and the body length increased until an age of 33 months was reached.


Concerning to the prescripted minimum space requirements of boars it seems justified to make differences between young boars and older boars – as it is done for young sows and older sows. Proposed definitions for young and adult boars were based on the measurements of body size. Young boars are non-castrated male pigs up to an age of 24 months (2 years). Boars (old, adult boars) are non-castrated male pigs of more than 24 months of age.


Furthermore, differences in boar body size were found between boars of different breeds (up to 11,5 cm for the body length and 9,3 cm for the body height).
For Pietrain boars and boars of the breed BHZP differences within the same breed were demonstrated between different AI stations or breeding regions.


3. The cleanlyness of the boars and their pens
In most cases good marks were given for the evaluation of the cleanlyness of the boars (n = 1171) and their pens in three AI stations. About 8 % of the pens and only 9 boars (less than 1 %) were highly soiled.
Older boars showed a tendency to be a little bit more dirty and were housed in dirtier pens than younger boars, although the cleanlyness in general was on a high level.
In winter times significantally more pens (10,8 %) were evaluated as highly soiled than in summer (5,8 %). This fact could be observed in all the three semen processing centers.
No influence of the pen size on the cleanlyness of both boar pens and boars could be found.


4. Housing conditions in semen processing centers
21 german semen processing centers with arrangements for 4338 boars were investigated. All boars in these AI stations were kept in pens with mostly solid flooring. More than 99 % of the boars had the possibility to see and interact with other boars (snout contact) housed adjacent to them.


Nearly 67 % of the boar pens had a size of at least 6 m2 or more. About 45 % of the boars in the stations were per definition young boars. In agreement with the Commission Directive 2001/93/EC these were partly kept in pens smaller than 6 m2.


All boar pens (100 %) had straw as litter material. The mean frequency of cleaning out was 3,3 times a week. In consideration of this, the lying area of the boars could be characterized as dry, clean and comfortable.
In most cases, the boars were fed twice a day (n = 78 %). Otherwise, there was one daily feeding time (n = 22 %).
It can be estimated, that the housing conditions in the investigated semen processing centers (which represent 64 % of all german AI stations) were within the limits set by the animal welfare requirements of the European Union.