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Hermann Adolf Griesbach (1854-1941), Vertreter der Hygiene in Gießen von 1919- 1932

Kolitsch, Sibylle


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Hermann Griesbach , Schulhygiene , Gewerbehygiene
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geschichte der Medizin
Fachgebiet: Medizin fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.06.2004
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 16.08.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Hermann Adolf Griesbach wurde am 9. April 1854 in Bad Schwartau
bei Lübeck als Sohn des Apothekenbesitzers Georg Christoph Alexander
Griesbach geboren. Er besuchte das Gymnasium und die
Realschule 1. Ordnung des Catharineums zu Lübeck und absolvierte
1873 seine Reifeprüfung. Im Frühjahr 1874 begann er zunächst das
Studium der Naturwissenschaften an der Universität Marburg, wechselte
im Herbst 1874 nach Leipzig und erhielt 1877 die Promotion in
Zoologie, Chemie und Botanik mit dem Werk 'Ueber den Bau des
Bojanus´schen Organes der Teichmuschel'. Als Lehrer für Naturwissenschaften
an der vereinigten Königlichen Gymnasial- und Real-
Lehranstalt zu Thorn begann Griesbach seinen beruflichen Werdegang.
Er veröffentlichte verschiedene Aufsätze über die Vorbildung
der Medizinstudenten im Hinblick auf die Neugestaltung der medizinischen
Prüfungen. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Griesbach bereits
etlichen Vereinen als Mitglied an. Im Sommer 1882 unternahm
Griesbach zu wissenschaftlichen Studien über Weichtiere eine Forschungsreise
an die Nordsee. Ursprünglich habilitierte sich Griesbach
1883 an der Baseler Universität für Zoologie und wirkte seit
1885 als Dozent für Histologie. Im selben Jahr sprach man Griesbach
mit der Arbeit über die 'Beiträge zur Kenntniss der Anatomie
der Cestoden' die medizinische Doktorwürde in Heidelberg zu. 1893
wurde Griesbach zum kaiserlichen Professor ernannt. Zu dieser Zeit
unterrichtete er an der Gewerbe- und Maschinenbauschule und Oberrealschule
in Mülhausen Chemie, Biologie und Hygiene. Während
seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Basel bis 1915 erschienen eine
Reihe von zoologischen Abhandlungen, histologischen Arbeiten und
physiologisch- chemischen Untersuchungen, vor allem über das
Blutgefäßsystem bei Weichtieren. Hervorzuheben ist die Herausgabe
seines Lehrbuches 'Physikalisch- chemische Propädeudik unter besonderer
Berücksichtigung der medicinischen Wissenschaften und
mit historischen und biographischen Angaben' in zwei Bänden 1900-
1915. Neben der Mitarbeit an der 'Encyklopädie der Naturwissenschaften'
mit mehr als 30 Artikeln im Zeitraum von 1886- 1900, erwarb
sich Griesbach besondere Verdienste auf dem schulhygienischen
Sektor. Durch seine zahlreichen Arbeiten über Unterrichtshygiene
und seine physiologischen Untersuchungen mittels Ästhesiometer
über die geistige Ermüdung bei Schulkindern versuchte Griesbach
die Reformen im Schulwesen voranzutreiben. Seine Verbesserungsvorschläge
richteten sich unter anderem auf die Modernisierung
des veralteten Lernplanes, Entlastung des kindlichen Geistes
durch sportliche Aktivitäten und genügend Ruhepausen sowie die
Einstellung von Schulärzten. Im Jahre 1900 gründete er den 'Allgemeinen
Deutschen Verein für Schulgesundheitspflege' und dessen
Zeitschrift 'Gesunde Jugend'. 1904 trat erstmals unter dem Vorsitz
von Griesbach der 'Internationale Kongress für Schulgesundheitspflege'
in Nürnberg zusammen. Mit der Gründung des Magazins 'Internationales
Archiv für Schulhygiene' im Jahr 1905 bezweckte
Griesbach die Bündelung national verstreuter schulhygienischer Literatur.
Nach den Wirren des ersten Weltkrieges nahm er 1919 an der
Universität Gießen seine Lehrtätigkeit als Privatdozent für Hygiene
am Hygienischen Institut auf. 1921 wurde Griesbach zum ordentlichen
Honorarprofessor ernannt und erhielt den Lehrauftrag für Gewerbehygiene.
Es folgten experimentelle Untersuchungen über das
Verhalten des Blutdruckes bei beruflicher Betätigung und die Unfallentstehung
durch Ermüdung am Arbeitsplatz. Besonders engagierte
sich Griesbach bei der Unfallverhütung im Eisenbahnbetrieb. 1927
verfasste er ein 'Medizinisches Wörter- und Nachschlagebuch' und
arbeitete am dritten Band von Emil Gotschlichs 'Handbuch der hygienischen
Untersuchungsmethoden', welches 1929 erschien, tatkräftig
mit. 1932 legte Griesbach seinen Lehrauftrag an der Universität
Gießen nieder und kehrte in seine Geburtsstadt Bad Schwartau
zurück. Seine rege wissenschaftliche Arbeit führte Griesbach bis zu
seinem Tode 1941 fort.
Kurzfassung auf Englisch: Hermann Adolf Griesbach, son of the pharmacist Georg Christoph
Alexander Griesbach, was born in Bad Schwartau near Lubeck on 9th
April in the year 1854. He went to secondary school at the Catharineum
in Lübeck and passed his school leaving examination in
1873. At first he began to study natural sciences in spring 1874 at
Marburg University and changed to Leipzig in autumn of the same
year. There he obtained his doctorate in zoology, chemistry and botany
with his work 'Ueber den Bau des Bojanus´schen Organes der
Teichmuschel'. Griesbach started his career as a teacher of natural
sciences at the united royal secondary school at Thorn. He published
several essays on the educational background of medical students in
regard to the reformation of medical examinations. At this time, Griesbach
already was a member of several associations. In summer
1882 he made a study tour to the North Sea in order to investigate
molluscs. Originally, Griesbach had been qualified for lecturing in
1883 at Basel University for zoology and had been working as lecturer
in histology since 1885. In the same year, he had been awarded
in Heidelberg the medical doctorate for his work on the 'Beiträge zur
Kenntniss der Anatomie der Cesoden'. In the year 1893, he was
named imperial professor. At this time he was teaching chemistry,
biology and hygienics at the vocational and mechanical engineering
school at Mülhausen. In the course of his scientific work in Basel
which lasted till 1915, a number of zoological treatises, histological
works and physiochemical investigations had been published, especially
about the vascular system of molluscs. Among his numerous
publications, the edition of his textbook 'Physikalisch- chemische
Propädeudik unter besonderer Berücksichtigung der medicinischen
Wissenschaften und mit historischen und biographischen Angaben'
has to be emphasized. This work had been published in two volumes
from 1900 to 1915. Besides his collaboration at the 'Encyklopädie
der Naturwissenschaften' for which he wrote more than 30 articles
between 1886 to 1900, Griesbach has done great service in the field
of health education. With his numerous works on hygienics at school
and his physiological examinations about the mental fatigue of pupils
carried out by means of an aesthesiometer, he aimed at speeding up
reforms in the educational system. Among other things, his suggestions
for improvement had as object the modernization of the antiquated
curriculum, the relief of the child’s mind by practicing sports
and by allowing sufficient breaks as well as the employment of
school medical officers. In 1900, he founded the 'Allgemeine Deutschen
Verein für Schulgesundheitspflege' and its magazine 'Gesunde
Jugend'. Under Griesbach’s chairmanship, the 'International
Congress for School Healthcare' met in 1904 in Nuremberg for the
first time. With the foundation of the magazine 'Internationales Archiv
für Schulhygiene' in 1905, Griesbach had for object the bundling of
literature on hygienics at school that had been scattered all over
Germany. After the postwar confusion of World War One, he started
his teachings at Giessen University as a private lecturer in 1919.
Two years later, Griesbach was named associate lecturer and got
the lectureship for vocational hygienics. Then he carried out experimental
studies on the reaction of blood pressure during occupational
activities and on the prevention of accidents caused by fatigue at the
place of work. In 1927, he wrote a 'Medizinisches Wörter- und
Nachschlagebuch' and actively collaborated to the third volume of
Emil Gotschlichs 'Handbuch der hygienischen Untersuchungsmethoden',
published in 1929. In the year 1932, Griesbach resigned from
his lectureship at Giessen University and returned to his place of
birth, Bad Schwartau. He continued his active scientific work until he
died in 1941.