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Carl Otto von Eicken, Vertreter der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Giessen von 1910-1922

Rouenhoff, Tanja


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geschichte der Medizin
Fachgebiet: Medizin fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.05.2004
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 20.07.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Carl von Eicken wurde am 31.12.1873 in Mülheim an der Ruhr geboren.

Nachdem Umzug der Familie nach Hamburg besuchte er das Realgymnasium des Johanneums in Hamburg und bestand dort 1893 die Reifeprüfung und legte anschließend die humanistische Ergänzungsprüfung in Plön ab. Inspiriert von seinem Onkel und Vorbild Otto Fischer, Arzt in Köln, begann er sein Medizinstudium in Kiel im Jahre 1893 und bestand am 09.05.1899 das Staatsexamen mit der Note summa cum laude und wurde bereits wenige Tage später am 15.05.1899 in Heidelberg mit einer Dissertation über die 'Desinfektion inficierter Wunden' bei V. Czerny promoviert.

Nach seiner Militärzeit und halbjähriger Assistenzzeit bei V. Czerny begann er im Jahre 1901 seine Facharztausbildung zum Oto-Rhino-Laryngologen. Bereits im Jahre 1903 konnte er sich aufgrund einer Arbeit über 'Die klinische Verwertung der direkten Untersuchungsmethoden der Luft- und Speisewege' habilitieren. Um jedoch eine Professur zu erlangen, war es für C. von Eicken unausweichlich, sich in mehreren Hospitationen bei W. Kümmel, A. Passow und Fr. Siebenmann umfassend auf alle drei Fachgebieten ausbilden lassen. Im Jahre 1909 wurde ihm der Titel a. o. Professor verliehen sowie die Venia legendi für Laryngo-Rhinologie im Jahre 1908 und für Otologie im Jahre 1909 erteilt.

Im Jahre 1910 trat er die Nachfolge E. Leuterts in Gießen an und wurde Leiter der 1913 neugebauten Hals-, Nasen-, Ohrenklinik in Gießen.

Mit der Ernennung zum außeretatsmäßigen ordentlichen und später 1920 zum ordentlichen Professor, verbunden mit Sitz und Stimme in der medizinischen Fakultät, sowie einer aufs Neueste eingerichteten Klinik, waren optimale Bedingungen geschaffen, neue Diagnose- und Therapieverfahren anzuwenden und wissenschaftlich arbeiten zu können. All dies blieb seinen Vorgängern in Gießen verwehrt.

Im Jahre 1922 verließ C. von Eicken Gießen und nahm einen Ruf auf den Lehrstuhl seines verstorbenen Lehrers G. Killian in Berlin an. Dank seines Organisationstalentes wurde in Berlin die Klinik auf Neueste eingerichtet. Unter der Leitung von Eickens fand im Jahre 1936 in Berlin ein Internationaler Kongress der Hals-, Nasen-, Ohrenärzte statt, auf dem er unter anderem die Entwicklung neuer Hörgeräte zu einem Hauptthema des Kongresses machte.

C. von Eicken veröffentlichte von 1899 bis 1951 nachweislich über 100 Arbeiten, die sich insbesondere immer wieder mit neuen Erkenntnissen und seinen Erfahrungen auf dem Gebiete der unter G. Killian erlernten direkten und indirekten Untersuchungsmethoden der Luft- und Speisewege befassten. In seinen wissenschaftlichen Bemühungen wandte C. von Eicken sich in erster Linie klinischen Fragen zu. Experimentelle Arbeiten traten an Zahl und Bedeutung in den Hintergrund, sagte ihm doch die geduldige und ruhige Laborarbeit nicht so sehr zu. Seine wissenschaftlichen Fähigkeiten gepaart mit der Gabe der Menschenführung, machten C. von Eicken zu einem hervorragenden Lehrer, herausragenden Arzt und Repräsentanten seiner Fachdisziplin.

Von Eicken und anderen Pionieren dieses damals noch jungen Spezialfaches war es zu verdanken, dass die nun in einem Fach zusammengefassten bisher getrennten Fachgebiete nicht nur lästiges Anhängsel der sogenannten Hauptfächer der inneren Medizin und Chirurgie blieben, sondern zu einem eigenständigen Fachgebiet mit Sitz und Stimme in der Fakultät wurden.

Erst im hohen Alter von 77 Jahren im Jahre 1950 wurde C. von Eicken von seinen Ämtern entbunden. Im Alter von 87 Jahren verstarb er am 29.06.1960 bei seinen Töchtern in Heilbronn an Herzschwäche.

Kurzfassung auf Englisch: Carl von Eicken was born in Mülheim an der Ruhr on 31.12.1873. His family
then moved to Hamburg where he attended the Realgymnasium of Johanneum,
attaining his school-leaving certificate in 1893, followed closely in Plon by the complementary humanities examination.

Inspired by his uncle and role model Otto Fischer, a doctor in Cologne, he began his medical studies at Kiel in 1893, passing his state examination summa cum laude on 09.05.1899. A few days later, in Heidelberg on 15.05.1899, tutored by V. Czerny, he was awarded a degree for his thesis on 'Disinfection of infected wounds'.

In 1901, after his medical service and six months as assistant to V. Czerny, he began his medical training as an otorhinolaryngologist. In 1903 he was given a position as university lecturer, this being the result of his paper on 'The clinical utilisation of direct methods of examination of the upper respiratory and digestive tracts'. However, before he could be given a professorship, he needed to complete his training in all three specialist subjects, which he did by
attending and observing W. Kümmel, A. Passow und Fr. Siebenmann.

In 1909 he was appointed assistant Professor, as well as receiving the Venia Legendi for laryngo-rhinology in 1908 and otology in 1909. In 1910 he succeeded E. Leutert in Gießen, where, three years later, he became head of the newly-built ear, nose and throat clinic.

His appointments as 'extra-budgetary ordinary' and later, in 1920, as full professor 'in ordinary', together with seat and vote in the medical faculty, and one of the most up-to-date clinics, provided him with ideal conditions not only to practise new diagnosis and therapy procedures, but to carry out scientific work, too. These advantages had been denied his predecessors.

In 1922 C. von Eicken left Gießen to accept a professorial chair in Berlin,left vacant by his former teacher G. Killian. Due to his organisational talents, the Berlin clinic was completely modernised.
Under Eicken’s leadership, an international congress of ear, nose and throat specialists took place in Berlin in 1936, during which he made the development of hearing aids a leading theme.

From 1899 until 1951, C. von Eicken published over 100 papers. These repeatedly dealt with his new knowledge and experience gained under G. Killian, regarding direct and indirect methods of examining the upper respiratory and digestive tracts. Most of his scientific attention was given to clinical studies, whereas more patience-demanding experimental laboratory work was less prominent, both in number and significance. His talents as a scientist, paired with his leadership qualities, made C. von Eicken an excellent teacher, superb doctor and distinguished representative of his field.

It was because of C. von Eicken and other pioneers in this still relatively new specialist field that otorhinolaryngology became an independent discipline with its own seat and vote within the medical faculty. Until then, all three subjects had been treated separately in a cumbersome appendage to the so-called main fields of internal medicine and surgery.

Not until he was 77 years old, in 1950, was C. von Eicken relieved of his offices. He died of heart failure, aged 87 years, at his daughter’s home in Heilbronn on 29.06.1960.