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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-16011
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1601/


Das System der dual organisierten beruflichen Erstausbildung im Spannungsfeld des strukturellen Wandels der Berufs- und Arbeitswelt

Söhngen, Hermann


pdf-Format: Dokument 1.pdf (47.546 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Berufsbildung , berufliche Bildung , Erstausbildung , Berufsbildungssystem
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Politikwissenschaft
Fachgebiet: Politikwissenschaft
DDC-Sachgruppe: Politik
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.06.2004
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 05.08.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Makroökonomische Wandlungsprozesse, die für den Einzelnen in seiner Rolle als Mitglied in einer Familie oder Freizeitgruppe, als Konsument, als Facharbeiter oder als Auszubildender in ihren Verflechtungen hinsichtlich des globalen Handels von Waren und Dienstleistungen - beschleunigt durch den umfassenden Einsatz der EDV und der Kommunikationstechnik - kaum zu durchschauen sind, gewinnen zunehmend Einfluss auf die mikroökonomische Ebene und führen zu einer strukturellen Veränderung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Technische und organisatorische Neuerungen verändern ständig die Produktionsverhältnisse und führen dazu, dass die in der beruflichen Erstausbildung zu vermittelnden fachlichen Qualifikationen nicht im erforderlichen Maße den benötigten Qualifikationen entsprechen. Der zu beobachtende strukturelle Wandel der Arbeitswelt und dessen erkennbare Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit generell und auf die Herausbildung unterschiedlichster Beschäftigungsformen zeitigen darüber hinaus reale Folgen für das gesellschaftliche Miteinander.

Ein in der Tradition des verstärkt zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten Berufskonzeptes stehenden 'Dualen Systems der beruflichen Bildung' muss sich den o.a. Herausforderungen stellen – auch unter dem Aspekt der Harmonisierung der Berufsausbildung in einem erweiterten Europa.

Das vorliegende Forschungsergebnis als Konsequenz für die berufliche Bildung gewerblich-technischer Ausrichtung stützt sich zum Einen auf die Daten- und Literaturauswertung zum strukturellen Wandel der Berufs- und Arbeitswelt und zum Anderen auf die Interpretation der Antworten einer empirischen Untersuchung sowohl in mittelständischen Unternehmen als auch in 17 Berufsschulklassen (Industrie-, Werkzeug- und Zerspanungs-mechaniker des 2.,3. und 4. Ausbildungsjahres) an 6 gewerblich-technischen Berufsschulen im Raum Mittelhessen. In einer gesonderten Untersuchung äußern sich Auszubildende zur Qualität ihrer Ausbildung.

Insgesamt wurden 24 Unternehmen - zu Betriebsmerkmalen, Qualifikations-anforderungen, betrieblicher Qualifizierung und organisatorischem Wandel – und 306 Auszubildende – zu Berufswahl, Berufsschule als Qualifikations-vermittlungsinstanz und Berufsperspektiven – befragt.
Die vorrangige Vermittlung von Fachwissen bleibt bei beiden Befragungs-gruppen unbestritten. Ebenso unstrittig ist, dass darüber hinaus solche Kompetenzen zunehmend wichtiger werden, die den veränderten Qualifikations-erfordernissen – als Facharbeiter – Rechnung tragen.

Berufspädagogisch und bildungspolitisch ist ein Weg zu finden, der einerseits den Anspruch auf Persönlichkeitsbildung junger Menschen berücksichtigt und zudem sicher stellt, dass die Chance der materiellen und ideellen Verwertung der erworbenen Qualifikationen (erwerbs-)lebenslang erhalten bleibt und andererseits der Qualifikationsbedarf der Unternehmen decken kann – die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorausgesetzt. Dies setzt ein, die Weiterbildung einschließendes, ganzheitliches Berufskonzept voraus.

Neben dem qualitativen Anspruch auf Veränderung besteht seit Mitte der 80er Jahre das Problem des Ausbildungsstellen-Mangels. Dem jährlichen sommerlichen Trauerspiel der Appelle folgt – je nach Konjunkturlage – die soziale Auslese. Belegten die Ergebnisse der PISA-Studien die Selektion der Kinder und Jugendlichen nach der sozialen Herkunft, so lässt der Berufsbildungsbericht 2003 den Schluss zu, dass in der beruflichen Bildung analoge Entwicklungen schicksalhaft von den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft akzeptiert werden.

Mit meinem Reformvorschlag habe ich versucht, auch diesem Aspekt Rechnung zu tragen.