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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1600/


Untersuchungen zum Krankheitsmanagement von Echtem Mehltau und Rotem Brenner an Weinreben in Franken

Reh, Irene


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Echter Mehltau an Weinreben , Roter Brenner der Weinrebe , Natriumhydrogencarbonat , biologische Bekämpfung
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie
Fachgebiet: Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.07.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 06.07.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Es wurden Untersuchungen zum Krankheitsmanagement des Echten Mehltaus und
des Roten Brenners der Weinreben in Franken durchgeführt.

Im Jahr 1994 wurden im Freiland am cv. Bacchus drei Behandlungen mit wässrigen Lösungen von jeweils 0,3, 0,5, 0,7 und 1,0 % Natriumhydrogencarbonat (NHC), ohne Zusatz von Tensiden, durchgeführt. Dabei wurden folgende Ergebnisse erzielt:

· NHC, in den Konzentrationen 0,5-1,0 % vermindert signifikant den Mehltaubefall an jungen Trieben, Blättern und Weinbeeren.

· NHC-behandelte Blätter zeigten eine deutlich intensivere, dunkelgrüne Färbung, deren Ursache noch unbekannt ist.

· In chemischen Analysen der frischen Moste und der Jungweine war bei allen NHCBehandlungen kein Unterschied zur unbehandelten Kontrolle festzustellen.

· Bei einer Verkostung der Jungweine im Dreieckstest waren die Jungweine NHCbehandelter Trauben von dem Jungwein der unbehandelten Kontrolle nicht signifikant verschieden. Oft wurden die Weine aus behandelten Trauben besser bewertet.

Nach diesen Ergebnissen könnte NHC eine Alternative zum Einsatz synthetischer Fungizide gegen Uncinula necator, den Erreger des Echten Mehltaus der Weinreben, sein.

An Depots von infiziertem Falllaub in verschiedenen Rebanlagen in Franken wurde im Frühjahr 1992, 1993 und 1994 die Entwicklung von Pseudopezicula tracheiphila, dem Erreger des Roten Brenners (RB), in Abhängigkeit von den Klimafaktoren
Temperatursumme, Niederschlagsmengen und Blattnässedauer bestimmt. Dabei
wurden folgende Ergebnisse erzielt:

· Es konnte nachgewiesen werden, dass in Windschutzhecken hinein gewehtes, von P. tracheiphila befallenes Reblaub den Winter überdauert und eine bedeutende
Inokulumsquelle sein kann. Aus den auf ihnen gebildeten Apothezien können im Frühjahr Ascosporen über eine Distanz von mehr als 10 m in angrenzende Rebanlagen verfrachtet werden.

· Eine Reifung von Apothezien und Ascosporen kann bereits deutlich vor der kritischen Temperatursumme von 150-160°C erfolgen.

· Die Apothezien sind allgemein in einem engen Zeitfenster Ende April/Anfang Mai ausgereift

· Die erste deutlich messbare Entlassung von Ascosporen erfolgte 1993 und 1994 in den beiden ersten Wochen im Mai.

· Eine Freisetzung von Ascosporen erfolgt jeweils nach mehreren trockenen Tagen und anschließenden deutlichen Regenfällen >5 l/m2.
· Die Auswertung einer, mit Unterstützung von 13 fränkischen Rebschutzwarten im Jahr 1994 durchgeführten Erhebung gibt Auskunft über Verbreitung der Krankheit,
Sortenempfindlichkeit, Auftreten der ersten Symptome und Nähe der Rebanlagen zu
Wald und Windschutzhecken

Die Ergebnisse der epidemiologischen Analysen können als Basis für eine gezielte Durchführung von präventiven Blattbehandlungen gegen P. tracheiphila genutzt werden.

Wässrige 1 % Lösungen verschiedener Schmierseifen, allein oder in Kombination mit 1 % NHC, vermindern signifikant die Apothezienbildung in vitro. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, ein Auftreten des RB durch Unterdrückung der Apothezienbildung auf vorjährigem, infizierten Falllaub im Frühjahr zu verringern, anstatt später synthetische Fungizide gegen Ascosporen auf den neu ausgetriebenen Blättern einzusetzen.