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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-15863
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1586/


Populationsgenetische Analysen zur Hüftgelenksdysplasie beim Rottweiler

Maimer, Eva


Originalveröffentlichung: (2003) Wettenberg : VVB Laufersweiler 2004
pdf-Format: Dokument 1.pdf (5.109 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-89687-680-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.12.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 16.07.2004
Kurzfassung auf Deutsch: In dieser Arbeit wird modellhaft am Beispiel der Rottweilerpopulation des ADRK eine Zuchtstrategie zur Bekämpfung der HD erarbeitet und ihr Erfolg kontrolliert.

Dazu wird die HD-Ist-Situation anhand der Daten von 1985 bis 1995 beschrieben. Im Mittel werden 33,78 % der Rottweiler HD-geröntgt. Davon sind 95,4 % bis 88,1 % je nach Jahrgang HD-frei, haben HD-Übergang oder eine leichte HD. Es scheiden aufgrund des HD-Befundes nur zwischen 4,6 % und 11,9 % der Tiere aus dem Zuchtgeschehen aus. Bei dieser niedrigen Selektionsintensität war in den letzten 10 Jahren kein deutlicher Zuchtfortschritt zu erkennen.

Beim Vergleich der BLUP-Zuchtwerte für HD mit dem HD-Befund wird deutlich, dass die Auswahl der Zuchttiere nach dem Phänotyp eine ungeeignete Maßnahme für einen raschen Zuchtfortschritt ist.
Beim Vergleich verschiedener Selektionsalternativen stellt sich das Konzept der 'Strategischen Paarung' als überlegen heraus. Dabei sind nur Paarungen zugelassen, bei denen die Nachzucht einen unterdurchschnittlichen Relativzuchtwert für HD hat, unabhängig vom Phänotyp der Elterntiere. Damit wäre die Rottweilerpopulation in acht Generationen fast HD-frei. Bei der Zucht nur mit HD-freien und HD-Übergang Hunden sind es 50 Generationen.

Die mit der partiellen Eltern-Nachkommenregression geschätzte Heritabilität für HD liegt bei 0,224. Bei der Schätzung der Umwelteffekte erweist sich der Geschlechtseffekt, Inzucht, Gewicht, Brusttiefe, Brustumfang als nicht signifikant. Hoch signifikant sind hingegen Auswerter (von Auswerter 1 beurteilte Tiere haben weniger HD als von Auswerter 2 und besonders Auswerter 3 beurteilte Tiere) und Geburtsjahr (je später die Tiere geboren sind, desto besser ist ihr HD-Ergebnis). Signifikant sind das Röntgenalter (Tiere, die im Alter von 12 bis 18 Monaten geröntgt wurden hatten eine um bis zu 0,25 HD-Grade niedrigere HD-Belastung, später geröntgte Hunde haben bis zum Alter von 33 Monaten schlechtere Hüften, bei noch später geröntgten Tieren ist der Einfluss des Röntgenalters nicht mehr so eindeutig), der Geburtsmonat (von Januar bis April geborene Tiere haben stärkere HD als von Mai bis Dezember geborene) und die Widerristhöhe (Absinken der HD um 0,01 Grade bei einem Größenzuwachs von 1 cm).

Aufgrund der Ergebnisse dieser Arbeit wird ein Zuchtplan entwickelt, der auf der 'Strategischen Paarung' und BLUP-Zuchtwerten basiert. Die Umsetzung dieses Zuchtplans durch den ADRK wird anhand der Daten der Jahrgänge 1996 bis 2001 kontrolliert. Der Zuchtplan wird von den Züchtern sehr gut angenommen, der durchschnittliche Relativzuchtwert der Paarungen des Welpenjahrgangs 2000 beträgt 95,74, obwohl Anpaarungen bis zum Relativzuchtwert von 105 genehmigt werden. Es kommt zu einem kontinuierlichen Absinken des durchschnittlichen HD-Befunds auf 1,33 HD-Grade im Jahr 2000 gegenüber beispielsweise 1,72 HD-Graden im Jahr 1995.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study was to develop a model for a breeding strategy against canine hip dysplasia (CHD) in the German Rottweiler population of the ADRK and to monitor its success.

In order to do this, the situation in 1985-1995 was described and analysed. An average of 33,78 % of the Rottweilers were x-rayed for hip dysplasia diagnosis. 95,4 % to 88,1 %, depending on the year of birth, were scored as 'normal', 'borderline' or 'slight'. Because of their hip score, only 4,6 % - 11,9 % of the animals were not accepted for breeding. Due to this low selection intensity, there was almost no progress in breeding against hip dysplasia in the last ten years. Comparing BLUP-breeding-values for hip dysplasia with the hip score, it became obvious, that a selection of animals for breeding by their phenotype is an unsuitable method to obtain a quick breeding progress. Comparing different breeding strategies, 'Strategic mating' is a convincing strategy. Animals will only be selected for mating, if the progeny has a relative breeding value for CHD below the average of the population, regardless of their phenotype. Using this strategy, the Rottweiler population would be almost free of CHD within 8 generations. By breeding only with 'normal' and 'borderline' scored animals it would take 50 generations.

The estimated heritability with partial parents-progeny regression is 0,224. Highly significant effects in the analysis of variance were: the effect of the classifier (animals scored by classifier 1 have less HD than animals scored by classifier 2 and even more so than classifier 3) and the year of birth (later born animals have better hips). Significant effects were: age at x-raying (animals x-rayed at an age of 12-18 month had up to 0,25 scores better hips than animals x-rayed between 18 and 33 month of age, later the effect is not so clear), the month of birth (animals born from January to April have more CHD than animals born from May to December) and the height of the dog (taller dogs had better hips). The following systematic influences were not significant: sex, degree of inbreeding, weight, depth of the chest and circumference of the chest.
As a consequence of these results a breeding strategy was developed, based on 'Strategic mating' and BLUP-breeding-values. The realisation of this breeding strategy was evaluated with the use of the data of 1996-2001. The breeders accepted 'Strategic mating' very well. The average relative breeding value of dogs born in 2000 is 95,74, although mating with a relative breeding value of up to 105 is allowed. Between 1995 and 2000 the average hip score dropped from 1,72 to 1,33.