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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-15843
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1584/


Milchabflußstörungen und minimalinvasive Zitzenoperationen beim Rind : Entwicklung einer neuen Operationsmethode (Theloresektoskopie) und vergleichende Studien

Milk flow hindrance and minmal invasive teat surgery in the cow : development of a new surgical method (theloresectoscopy) and comparative studies

Hospes, Rainer


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.494 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Milchabflußstörungen , Rind , Zitzenoperationen , Theloresektoskopie
Freie Schlagwörter (Englisch): Milk flow hindrance , cow , teat , theloresectoscopy
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Habilitation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.07.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 23.08.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Die Milchabflußstörungen des Rindes stellen nach wie vor ein erhebliches Problem in der modernen Milchkuhhaltung dar.


Ein Ziel der vorliegenden Studie war es die aktuelle Situation hinsichtlich der Natur und des Auftretens von Zitzenverletzungen zu beschreiben.


Weiterhin war ein neues minimalinvasives Operationsverfahren, das sich im Gegensatz zu den verbreiteten schneidend-stanzenden Methoden dem Prinzip der HF-Chirurgie zur Gewebsresektion bedient (Theloresektoskopie), entwickelt worden und unterlag einer breit angelegten Bewertung.


Eine funktionelle und histologische Studie diente dem Vergleich der Operationseinflüsse konventionell-chirurgischer und theloresektoskopischer Zitzeneingriffe.


320 Milchkühe mit Zitzenverletzungen oder Milchabflußstörungen lagen dieser Untersuchung zugrunde. Annähernd die Hälfte der Patienten wurde innerhalb der ersten vier Wochen post partum vorgestellt. Beim hinteren Zitzenpaar konnten signifikant häufiger (p  0,001) offene (n=94) oder gedeckte Zitzenverletzungen (n=122) diagnostiziert werden. 16 Tiere wurden wegen Fremdkörpern in der Zitze, 24 aufgrund von Mißbildungen und 64 Tiere mit Zisternitiden vorgestellt.


Von besonderem Interesse waren die 122 Tiere mit gedeckten Zitzenverletzungen: In 92,8% der Fälle hatte die Verletzung zu einem Schleimhautabriß an der Fürstenberg-Rosette oder im Strichkanal geführt, die übrigen Fälle verteilten sich auf Strichkanalhämatome, Schleimhautbriden-, -abrisse oder –polypen in der Zitzenzisterne.


Tiere, die eine Verzögerungszeit von mehr als einer Woche zwischen Trauma und Vorstellung in der Klinik erfahren hatten, waren signifikant häufiger vom Besitzer vorbehandelt worden, litten an Mastitiden und benötigten eine längere präoperative Vorbereitungszeit (p  0,001) als Patienten, die innerhalb einer Frist von zwei bis sieben Tagen oder bereits am Tag der Verletzung zur Vorstellung kamen.


Die 122 Patienten mit gedeckten Zitzenverletzungen wurden mittels der neu entwickelten Theloresektoskopie operiert.

Insgesamt 26 euter- und zitzengesunde Milchkühe (104 Zitzen) typischer Niederungsrassen stellten die Basis einer weiteren Untersuchung dar. Die Melkparameter “Milchmenge” (MGG), “höchster Milchfluß” (HMF) und “durchschnittliches Minutenhauptgemelk” (DMHG) wurden über einen Zeitraum von sechs Melkzeiten bei allen Tieren, für die einzelnen Zitzen getrennt, mit Hilfe von vier LactoCordern erfaßt. Anschließend erfolgte die Resektion von Gewebe der Fürstenberg-Rosette und des proximalen Strichkanals in zwei konventionellen Operationsverfahren (endoskopiegestützte Zitzenoperation, n=24, Gruppe 1; “Blindräumen”, n=40, Gruppe 2a) und mittels der neu entwickelten Theloresektoskopie (n=40, Gruppe 2b). Nach einer Trockenstehphase von zehn Tagen wurden die genannten Melkparameter für vier Melkzeiten im gleichen System erhoben. Nach Abschluß der Melkbarkeitsstudie, Verwertung der Probanden und Asservierung von Untersuchungsmaterial erfolgten histologische Untersuchungen an jeweils 20 Zitzen nach schneidend-stanzenden Eingriffen (Gruppe A) und Theloresektoskopie (Gruppe B).


Dieser Vergleich der ante- und postoperativen Daten hatte zum Resultat, daß jede Methode eines minimalinvasiv-chirurgischen Eingriffes an der Zitze einen signifikanten Einfluß auf jeden der überprüften Melkbarkeitsparameter hat (p  0,001). Die durchschnittlichen Reduktionen betrugen 1,16 kg (MGG), 0,29 kg/min (HMF) und 0,21 kg/min (DMHG). Mittels statistischer Überprüfung der Differenzunterschiede zwischen den einzelnen Gruppen konnte herausgestellt werden, daß die Meßwertreduktion nach Theloresektoskopie (Gruppe 2b) in allen drei Melkbarkeitsparametern insgesamt am niedrigsten ist. Weiterhin unterscheidet sich die Gruppe 2b im Vergleich mit den anderen Gruppen als einzige statistisch zu sichernd.


Die postmortalen histologischen Untersuchungen hatten zum Ergebnis, daß insgesamt in mehr als 50% der Fälle Gewebsalterationen nach minimalinvasiven Eingriffen im Bereich der Resektionsstelle nachweisbar waren, die in Gruppe B signifikant häufiger (p  0,01) und in dramatischerem Ausmaß zu finden waren als in Gruppe A.


Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß mit der Entwicklung der Theloresektoskopie ein neues minimalinvasives Operationsverfahren zur Gewebsresektion im Lumen der Zitze des Rindes zur Verfügung steht, das deutliche Vorteile aufweist. Es konnte gezeigt werden, daß der Einsatz der HF-Chirurgie im Vergleich zu schneidend-stanzenden Verfahren sowohl im Hinblick auf die operationsimmanenten funktionellen Einbußen als auch die histomorphologisch nachweisbaren Gewebsalterationen eine vergleichsweise geringe Beeinträchtigung der Zitze des Rindes induziert.
Kurzfassung auf Englisch: Milk flow disorders in the cow, particularly as a result of teat injuries, still represent a major problem in modern dairy farming.

One aim of the present study was the description of the current situation regarding the nature and the frequency of teat injuries in cow.

Furthermore, a newly developed minimally invasive surgical technique (theloresectoscopy) based on radiosurgery was evaluated in comparison to conventional cutting methods.


A functional and histological study in cows with healthy udder and teats was performed to compare the influence of conventional surgery and theloresectoscopic interventions regarding postoperative milkability parameters and tissue alterations.


320 dairy cows with teat lesions or milk flow disorders were included in this study. Almost half of the patients were referred to the clinic within the first four weeks post partum. The frequency of open (n=94) and covered (n=122) teat lesions in the hind pair of teats was significantly higher (p  0.001). 16 animals were transferred due to foreign bodies in the teats, 24 due to malformations, and 64 animals due to chronic inflammations of the inner mucosal lining.

The 122 animals with covered teat lesions were of particular interest: in 92.8 % of the cases the lesion had led to an avulsion of the mucosa at the inner orifice of the papillary duct or the ductus papillaris itself; the other cases were papillary duct hematoma, mucous membrane adhesions, avulsions or polyps on the inner mucosa lining of the teats.

The 122 patients with covered teat lesions underwent surgery with the newly developed theloresectoscopy.


A total of 26 dairy cows with healthy udders and teats (104 teats) of typical dairy breeds served as probands for another clinical study. The milking parameters ”milk yield” (MGG), ”highest milk flow” (HMF) and ”average milk flow per minute” (DMHG) were documented during six consecutive milking times in all animals, for each teat separately, using four LactoCordern devices. Subsequently, tissue was resected from a defined area (”Fürstenberg rosette”) and the proximal papillary duct with two conventional surgical techniques (endoscopic teat surgery, n=24, group 1;”blind resection”, n=40, group 2a) as well as with the newly developed theloresectoscopy (n=40, group 2b). After a cessation of the milking phase of ten days, the above mentioned milking parameters were measured in the same system for four milking times. After the conclusion of the milkability study, slaughtering of the probands and the storage of the study material, histological examinations in 20 teats, each, were performed after interventions with sharpened instruments (group A) and after theloresectoscopy (group B).


The evaluation the homogeneity of the sample showed that there were no differences between the teats of the groups prior to surgical intervention.
This comparison of preoperative and postoperative data showed that each method of minimally invasive surgery of the teat has a significant influence on each of the evaluated milkability parameters (p  0.001). The average reductions were 1.16 kg (MGG), 0.29 kg/min (HMF) and 0.21 kg/min (DMHG). Statistical analysis of the reduction of average values in all three parameters showed that the reduction was lowest after theloresectoscopy (group 2b). Furthermore the difference in group 2b compared to the other groups is the only one with statistical relevance.


The results of the histological examinations post mortum showed that tissue alterations at the location of resection could be detected in more than 50 % of all cases after minimally invasive intervention, in a significantly higher frequency (p  0.01) and a more severe extent in group B than in group A.


In summary, it can be concluded that the development of theloresectoscopy represents a new minimally invasive technique of tissue resection in the lumen of the bovine teat, characterized by several distinctive advantages over conventional procedures. Improvements in handling of instruments as well as in surgical results in patients suffering from covered teat lesions have demonstrated the practicability of the method. These clinical investigations could document that radiosurgery induces comparatively less harm to the bovine teat compared to procedures based on tissue resection with cutting instruments, regarding both negative functional side effects immanent to surgery as well as histomorphologically detectable tissue alterations.