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Anrede- und Grußformen im Deutschen und Albanischen (kontrastiver Vergleich)

Kadzadej, Brikena


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Grußformen , Anredeformen , Albanisch-Deutsch
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Germanistik
Fachgebiet: Germanistik
DDC-Sachgruppe: Deutsch
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.02.2004
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 08.07.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Gegenstand dieser Arbeit sind die Anrede- und Grußformen im kontrastiven (deutsch-albanischen) Vergleich. Man versteht unter Anreden die Ausdrücke, mit denen ein Mensch mit einem anderen mündlich oder schriftlich in Kontakt, in eine Kommunikationssituation eintritt. Wie Menschen sich anreden, daraus lässt sich manches über die zwischenmenschlichen Beziehungen in einer Gesellschaft erfahren. Durch die Anrede bezieht der Sprecher seine Äußerung auf den Adressanten und durch die Wahl zwischen verschiedenen möglichen pronominalen und nominalen Anredeformen trägt er seiner Einschätzung des Verhältnisses Rechnung, das zwischen ihm und dem Angeredeten besteht. Er kann Respekt oder Überlegenheit, Distanz oder Zusammengehörigkeit zum Ausdruck bringen. Da das Anredeverhalten jedoch nicht in jeder Situation der freien Wahl des Sprechers überlassen ist, sondern in der Sprachgemeinschaft konventionell festgelegt ist, lässt das Anredeverhalten Schlüsse auf die Kommunikationsstruktur zu.
Die Anrede, der ich den ersten Teil meiner Arbeit widme, gehört eng mit den Grußformen zusammen, beide leiten häufig ein Gespräch ein, definieren das Verhältnis zwischen den Gesprächspartnern und legen in gewissem Maße die Sprachformen fest, in denen das weitere Gespräch verläuft. Nicht nur die Anredeformen, sondern auch die Grußformen, denen ich mich im zweiten Teil meiner Arbeit zuwende, orientieren sich am Verhältnis der Gesprächspartner und reflektieren es dadurch. Nach Komes ist der Gruß „die zu den verbreitesten gesellschaftlich konventionalisierten Formen menschlicher Kom-munikation“ gehörende „sprachliche Äußerung und soziale Handlung“.

Jeder Muttersprachler kennt die diesbezüglichen Konventionen, die in der Gesellschaft seiner Heimat bestehen. Anders ist es mit den Lernen einer Fremdsprache. Wer in das Land der Zielsprache kommt, muss sich entsprechend verhalten. Wenn jemand absichtlich die sozialen Regeln verletzt, hat das Konsequenzen, positive oder negative, die er zu tragen hat. Im schlimmsten Fall kann man im Ausland, bei einer falsch gewählten Anrede oder einem falsch gewählten Gruß auf offene Ablehnung stoßen. In Bezug auf die Funktion der Anrede- und Grußformen im Kommunikationsfeld habe ich in meiner Arbeit der kontrastiven Behandlung dieser Thematik eine besondere Bedeutung beigemessen. Es ist anzumerken, dass die albanische Sprachwissenschaft über keinen einzigen Beitrag über die Anrede- und Grußformen verfügt. Die Soziologie, Sprachwissenschaft und Soziolinguistik haben sich noch nicht dem Phänomen der Anrede- und Grußformen zugewandt.

Die deutschsprachige Literatur ist hingegen umfangreich und erstreckt sich über einen großen Zeitraum. Das bezieht sich besonders auf die Grußformen.. Im theoretischen Teil dieser Untersuchung habe ich mich auf die ältesten uns überlieferten albanischen Textzeugen, die gegenwärtige Literatur und auf die früheren und gegenwärtigen Studien der albanischen und ausländischen (hauptsächlich deutschen) Sprachwissenschafter zu diesen Textzeugen und zu der albanischen Sprache gestützt. Diese galten als Grundlage für die Behandlung der albanischen Anredeformen. Neben dem theoretischen Teil nimmt in dieser Arbeit auch der empirische Teil einen entscheidenden Platz ein. Dieser Teil befasst sich mit dem Anredeverhalten (im Hochschulbereich, in der Familie und Gesellschaft) und Grußverhalten, wobei als Grundlage die mündliche und die schriftliche Befragung der ausgewählten Probanden (Fragebögen und Interviews) galten. Dies gilt besonders für das Albanische, weil hier die sprachlichen Daten bisher noch nicht gesammelt und strukturiert worden sind.

Der theoretische Teil dieser Untersuchung wird von einer Reihe linguistischer und soziolinguistischer Publikationen über die Anrede- und Grußformen bestimmt. Aus den theoretischen Modellen und in Anbetracht des Mangels an empirischen Arbeiten zum Erwerb der Anrede und zu Grußformen - das bezieht sich besonders auf das Albanische - ergeben sich zwei wesentliche Zielsetzungen für die Arbeit:

1) Die Beschreibung des Entwicklungsverlaufs beim Erwerb der Anrede. Neben der Entwicklung der deutschen und albanischen Anredeformen und den ihren Gebrauch bestimmenden Faktoren (wie Alter, Vertrautheit, Offizialität u.a.) ist die Untersuchung der Anwendungsbereiche der Anredeformen im Deutschen und im Albanischen Gegenstand dieser Arbeit.

2) Beschreibung der intralingualen Analysen des Grüßens und des Sprechaktes 'grüßen'. Ein wesentlicher Teil dieser Fragestellung ist auch die Untersuchung des nonverbalen und verbalen Grußverhaltens im Deutschen und Albanischen.

Ausgehend von der Annahme, dass das Grundprinzip der Verwendung von Anrede-formen in allen Sprachen und Kulturen gleich ist, wurde ein Modell zur Beschreibung einzelsprachlicher Realisierungen von Anredeformen entwickelt. Hierbei wurde das Anredeverhalten des Deutschen und des Albanischen zur Grundlage für die Überlegungen erhoben, wobei sich aber gleichzeitig auch auf andere Sprachen zur Erläuterung bestimmter Phänomene bezogen wurde.