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Die räumliche Abgrenzung sozio-ökonomischer Waldfunktionen und traditioneller Landnutzungsansprüche der Kenyah/Dayaks in Nordost-Sarawak, Malaysia

The Spatial Delineation of Socio-Economic Forest Functions and Traditional Land Use Rights of the Kenyah-Dayaks in Northeast Sarawak, Malaysia

Erencin, Zihni


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Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-15292
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1529/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Wanderfeldbau , Landrechte , Dayak , Participatory Mapping , Waldfunktionen , FOMISS
Freie Schlagwörter (Englisch): shifting cultivation , land rights , dayak , participatory mapping , forest functions, FOMISS
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Geographisches Institut
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geowissenschaften
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 1999
Publikationsdatum: 13.05.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Zusammen mit dem ostmaIayischen Bundesstaat Sabah ist Sarawak der weltgrößte Exporteur von tropischem Rundholz. Neben ökologischen Folgen hat der kommerzielle Holzeinschlag auch direkte Auswirkungen auf das Leben der lokalen Bevölkerung. Sie leben noch immer in einer starken Abhängigkeit vom Wald, der ihnen neben der Fläche für landwirtschaftliche Produktionsformen als Quelle von Nahrung, Baustoffen, Medizinalpflanzen und solchen Produkten dient, die ihnen ein Einkommen bieten. Durch das Vordringen der Holzfirmen in die seit Generationen von der lokalen Bevölkerung genutzten Gebiete sind neben den ökologischen Funktionen des Waldes auch diese sozio-ökonomischen Funktionen gefährdet. Trotz traditioneller Rechtssysteme, die die Landnutzungsansprüche zwischen verschiedenen Langhausgemeinschaften sowie die Bodenrechte innerhalb der einzelnen Kommunen regeln, verfügt die lokale Bevölkerung häufig über keine legitimen Landrechte. Die staatliche Vergabe von Einschlagskonzessionen auf Gebiete, die von Stammesvölkern traditionell beansprucht werden, führte bereits mehrfach zu Konflikten zwischen Holzfirmen und der lokalen Bevölkerung.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die sozio-ökonomischen Waldfunktionen und die traditionellen Gebietsansprüche am Beispiel einer ausgewählten Langhauskommune am Rande des GTZ-Projektgebietes in Nordost-Sarawak zu identifizieren und in ihrer räumlichen Ausdehnung miteinander zu vergleichen. Zur räumlichen Erfassung von Landnutzung und Landanspruch der Langhauskommune im Projektgebiet wurden verschiedene Methoden und Instrumente eingesetzt und auf ihre Anwendbarkeit getestet. Die Informationen über Landnutzung und Landanspruch werden benötigt, um sozio-ökonomische Waldzonen um Siedlungen zu definieren, die der Sicherung der Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung dienen. Zur Identifizierung der sozio-ökonomischen Waldfunktionen wurden haushaltspezifische Befragungen durchgeführt. Zur Kartierung von landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie zur Abgrenzung der kommunalen und individuellen Landnutzungsansprüche wurden Techniken des Participatory-Mapping-Verfahrens angewandt. Die Bewohner (Kenyah) des untersuchten Langhauses Tanjung Tepalit nutzen die Waldfläche als Standort für verschiedene landwirtschaftliche Produktionsformen. Der Wanderfeldbau mit Trockenreisanbau trägt auch heute noch entscheidend zur Subsistenzsicherung der Kenyah bei. Die Bewohner von Tanjung Tepalit rodeten im Untersuchungsjahr 26 ha Wald für den Trockenreisanbau. Bei einer durchschnittlichen Reisanbauphase von einem Jahr und einer durchschnittlichen Waldbrache von 15 Jahren ergibt sich rechnerisch eine für den Wanderfeldbau im Untersuchungsgebiet beanspruchte und periodisch genutzte Fläche von 416 ha. Außer zur landwirtschaftlichen Produktion nutzen die Langhausbewohner den Regenwald zur Extraktion verschiedener Nicht-Holz Waldprodukte (Gemüse, Pilze, Früchte, Honig, Rattan, Medizinalpflanzen etc.), zur Jagd, zum Fischfang sowie zur Bauholzgewinnung. Eine genaue Abgrenzung der hierzu genutzten Waldareale erwies sich als schwierig und kann lediglich auf Grundlage der Interviewergebnisse abgeschätzt werden. Demnach konzentriert sich die Extraktion der meisten Nicht-Holz Waldprodukte auf die Sekundärwaldzone um den Hauptfluß. Die Primärwaldbestände liegen meist mehr als 2 km vom Hauptfluß entfernt und werden nur sporadisch zum Jagen und Sammeln von Rattan und Medizinalpflanzen aufgesucht. Langhausgemeinschaften als kommunale Einheiten beanspruchen nach traditionellem Gewohnheitsrecht (Adat) bestimmte Gebiete um ihre Siedlung. Innerhalb dieser als Langhausterritorien (Menoa) bezeichneten Areale können die Mitglieder der einzelnen Haushalte durch Rodung von Primärwaldflächen permanente Landnutzungsrechte erwerben. Die territorialen Grenzen werden in mündlicher Absprache mit benachbarten Kommunen festgelegt, sind jedoch nicht gesetzlich legitimiert. Das Langhausterritorium der beiden Langhäuser Tanjung Tepalit und Long Selatong ist 10.879 ha groß. Bei Vergleich der Waldgebiete mit eindeutig sozio-ökonomischen Funktionen (4.281 ha) und dem gesamten Langhausterritorium (10.879 ha) ergibt sich eine deutliche Differenz (6.598 ha). Diese Fläche ist mit Primärwald bewachsen und wird von den Einwohnern nur extensiv genutzt.
Der Intressenkonflikt vieler Langhauskommunen mit den Holzfirmen bezieht sich vor allem auf diese Flächen. Zur Lösung dieses Landkonfliktes bietet sich die Einrichtung von Pufferzonen an, die beiden Parteien nur eine eingeschränkte Nutzung dieses Gebietes erlaubt. Die Kompromißbereitschaft der lokalen Bevölkerung hängt in erster Linie davon ab, ob ihnen von staatlicher Seite langfristige Nutzungsrechte auf die von ihnen genutzten Ressourcen zugesichert werden. Dazu bedarf es dringend einer kritischen Diskussion und Neuregelung des z.Z. gültigen Landrechts in Sarawak. Die gesetzliche Anerkennung von kommunalem Landbesitz wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Die sozio-ökonomischen Waldzonen um die einzelnen Langhäuser sollten hier als Richtlinie dienen.
Kurzfassung auf Englisch: At present Sarawak, together with Sabah, the other east-malaysian State, is the world’s largest exporter of tropical logs. 19 million m3/year of timber are cut in Sarawak, which is highly destructive and more than twice as much as the forest could sustain without being severely affected. Deforestation has a severe impact on the environment, besides directly affecting the lives of the rural population. They still depend heavily on the forest as a rich source of food, building materials, medicinal plants and cash crops as well as for agriculture. Moreover, the forest is closely entwined with the spiritual-cultural life of the tribal people. Due to the encroachment of the timber companies into areas used by the local population for generations, socio-economic as well as ecological functions of the forest are jeopardised. Despite traditional law systems which regulate claims to land-use of the different longhouse communities, the local population frequently have no legitimate land rights. Governmental permission for logging in areas traditionally claimed by tribal people has repeatedly led to conflicts between timber companies and the local population.
The aim of this study is to identify the socio-economic functions of the forest and the traditional territorial claims, using the example of the selected longhouse community on the edge of the GTZ-project area in north-eastern Sarawak, and to compare their spatial expansion. The various methods and instruments employed to record the land-use and claims of the longhouse community in the project area were tested for their applicability. The information obtained was required to identify socio-economic forest-zones around settlements, necessary to secure the needs of the local population. To identify the socio-economic functions of the forest, household-specific survey were conducted. Techniques of the Participatory-Mapping-Method were used for the mapping of agricultural areas and for the specification of communal and individual land-use claims. The inhabitants (Kenyah) of the studied longhouse, Tanjung Tepalit, use the forest as a location for various forms of agriculture. Shifting cultivation with hill rice still plays a crucial role in securing the subsistence of the Kenyah. In the year of the study, the inhabitants of Tanjung Tepalit cleared 26 ha of forest to grow hill rice. With an average rice growing phase of one year and an average fallow period of 15 years, this results in an area of 416 ha required for shifting cultivation in the study region. In addition to agricultural production, the longhouse inhabitants use the rainforest for the extraction of various non-wood forest products (vegetables, mushrooms, fruit, honey, rattan, medicinal plants etc.), for hunting and fishing, as well as for timber. An exact definition of forest-areas used for these purposes proved difficult and can only be estimated on the basis of the interview findings. According to these, the extraction of most non-wood forest products centres on the secondary forest zone around the main river Baram. The primary forest tree-populations, which are on average 2 km from the Baram, are only sporadically frequented for hunting and gathering of rattan and medicinal plants. Longhouse communities as communal units claim certain areas around their settlement according to traditional customary rights (Adat). Within these areas, designated as longhouse territories, the members of individual households can acquire permanent land-use rights by clearing areas of primary forest. The territorial borders are defined by verbal agreement with neighbouring communities and have no legal legitimacy. The combined territories of the longhouses Tanjung Tepalit and Long Selatong have an area of 10.879 ha. A comparison of areas between socio-economic forest zones (4281 ha) and longhouse territories (10.879 ha) shows a difference of 6598 ha. This area is covered with primary forest and is only very occasionally used by the inhabitants. At the same time, it is of economic interest to the timber companies. This conflict of interests is common for many longhouse communities in Sarawak.
A potential solution to this land conflict is the establishment of buffer zones within which both parties are only allowed restricted use. In these zones, timber companies may only extract timber to such an extent that the potential for non-wood forest products is not endangered. At the same time, the local population should use these areas exclusively for the extraction of non-wood forest products; no agriculture should take place. In particular the opening up of new forest areas for shifting cultivation along the logging roads should stop. The readiness of the local inhabitants to compromise depends, in the first instance, on whether the government side is prepared to give them long-term land-rights to socio-economic forest zones. For this, a revision of the currently valid land-rights in Sarawak is urgently required. The legal recognition of community land would be a step in the right direction. For this, the socio-economic forest zones around the individual longhouses should serve as a guideline.