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Das Drei-Schluchten-Projekt und sein Einfluss auf die Hochwassersituation am Mittellauf des Yangtze

The Three Gorges Project and its impact on floods along the middle reaches of the Yangtze River

Hartmann, Heike


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-15142
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1514/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Drei-Schluchten-Projekt , Yangtze , Hochwasser
Freie Schlagwörter (Englisch): Three Gorges Project , Yangtze River , Flood
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geographie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 29.04.2004
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Diplomarbeit wird eine detaillierte Betrachtung des Drei-Schluchten-Projektes angestellt, welche die Basis für eine eigene begründete Einschätzung des Projektes schafft. Die Vorteile und Ziele, welche die chinesische Regierung an den Bau des Drei-Schluchten-Staudammes knüpft, werden den Einwänden, die von Gegnern des Drei-Schluchten-Projektes geäußert werden, gegenübergestellt. Themenschwerpunkte der erfolgenden Diskussion bilden die für die Projektdurchführung notwendigen Umsiedlungen, die geomorphologischen Folgeerscheinungen und die möglichen Gefahrenquellen für den Menschen. Die Diskussion wird durch Ergebnisse unabhängiger Studien aus internationalen Fachzeitschriften ergänzt. Der Beantwortung der Frage, ob das Drei-Schluchten-Projekt die Prognose zum Schutz vor Hochwasserereignissen am Mittellauf des Yangtze erfüllen kann, wurde bisher in internationalen Veröffentlichungen wenig Beachtung geschenkt. Daher werden in dieser Arbeit eigene Berechnungen vorgestellt, die eine Beantwortung dieser Frage ermöglichen.
Die Prognose zum Schutz vor Hochwasserereignissen am Mittellauf des Yangtze in dem von den Projektträgern erwarteten Maß kann nicht erfüllt werden. Dieser Einschätzung liegen Berechnungen zu Grunde, die mittels eines neu eingeführten Modells am Beispiel des Hochwasserereignisses von 1998 durchgeführt wurden. Die chinesische Regierung führt den Schutz vor Hochwasserereignissen für den Mittellauf des Yangtze meist als wichtigstes Argument für den Bau des Drei-Schluchten-Staudammes an. Zwar können Hochwasserwellen aus dem Oberlauf gekappt werden, der häufiger auftretenden Hochwasserproblematik, die aus Starkregenereignissen im Einzugsgebiet des Yangtze-Mittellaufes resultiert, kann mit dem Drei-Schluchten-Projekt jedoch nicht effektiv entgegengewirkt werden.
Bei einer Gesamtbetrachtung wird deutlich, dass die Hochwasserschutzfunktion als Argument für die Durchführung des Drei-Schluchten-Projektes weniger überzeugend ist, als das der Erzeugung von Hydroenergie, welches meist als zweitwichtigstes Argument angeführt wird. Diese wird sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung Zentralchinas auswirken und die Energieversorgung der prosperierenden Küstenstädte (insbesondere Shanghais) sicherstellen. In vielen Studien wird betont, dass die positiven Folgen des Projektes sich größtenteils auf den Raum flussabwärts des Staudammes beschränken, negative Folgeerscheinungen jedoch ausschließlich im Bereich um den Stausee auftreten werden. Diese Einschätzung ist zwar nicht falsch, sollte jedoch ein wenig entschärft werden. Die zur Durchführung des Projektes notwendigen Umsiedlungen mit den gesamten problematischen Folgen beschränken sich selbstverständlich auf den Bereich des Stausees. Doch auch für die Region um den zukünftigen Stausee sind positive Folgen zu erwarten. Das Vorhandensein von elektrischer Energie und die verbesserte Schiffbarkeit des Yangtze werden der bezirksfreien Stadt Chongqing weiteres wirtschaftliches Wachstum ermöglichen. Für große Teile der in den rural geprägten gebirgigen Kreisen lebenden landwirtschaftlichen Bevölkerung wird das Leben nach der Aufstauung nicht einfacher werden. Das Hinschauen insbesondere aus dem Ausland wird die chinesische Regierung hoffentlich veranlassen, eine sich ausbreitenden Armut zu verhindern.
Die Folgen der Durchführung des Drei-Schluchten-Projektes sind zu komplex, um einen eigenen Standpunkt einzunehmen, der dieses ausschließlich begrüßt oder ablehnt. Es ist von großer Bedeutung, dass das auch nach der Fertigstellung des Staudamms immer noch verbleibende Hochwasserrisiko nicht unterschätzt wird. Eine Unterschätzung könnte für den Mittel- und Unterlauf des Yangtze katastrophale Folgen mit sich bringen. Man darf darauf hoffen, dass die gewonnene Hydroenergie zu einer weiteren positiven wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt und den Wohlstand fördert.
Kurzfassung auf Englisch: In this diploma thesis a detailed examination of the Three Gorges Project is carried out which constitutes the base for a founded assessment of the project. Two opposing views on the project are discussed: Its advantages and aims postulated by the Chinese government and its disadvantages seen by its opponents. The discussion focuses on the resettlements going along with the project’s realization, the project’s geomorphological consequences and the potential sources of danger for human beings. The discussion is completed by the results of independent studies taken from international journals. Can the Three Gorges Project really protect the middle reaches of the Yangtze River against floods? As this question is rarely analysed in international journals up to now, in this thesis a new model is introduced which makes it possible to find an answer.
The prognosis of flood protection along the middle reaches of the Yangtze River cannot be realized in the size expected by the project owner. This assessment is based on the results of a flooding scenario using the data of the disastrous 1998 flood calculated by the new model. The Chinese government names flood protection as the most important argument in favour of the realization of the Three Gorges Project. Although floodwaves from the upper reaches of the Yangtze River can be cut, there will still be a high risk of floods in the catchment of the middle reaches. Generally, these floods are the result of strong local precipitation and they cannot be prevented by the Three Gorges Project and the storage capacity management which is planned.
All in all, flood protection as an argument in favour of the realization of the Three Gorges Project is less convincing than the argument of hydropower generation which is named as the second key reason. Power generation will have a positive influence on the economic development of Central China and will secure the energy supply of the prosperous cities along the East Coast, especially of Shanghai. In many papers it is emphasized that most positive consequences of the Three Gorges Project would affect the region downstream of the dam and negative consequences would only affect the region surrounding the reservoir. This idea should be reconsidered. Resettlement which is going along with the realization of the Three Gorges Project is only necessary in the region surrounding the reservoir. However, there will also be positive consequences for this region. The power generation and the improved navigation conditions will cause economic growth especially in Chongqing City. Nevertheless for many people living in the rural mountainous counties life will not be easier after the damming up. The attention from foreign countries will hopefully prompt the Chinese government to prevent an extending poverty.
The consequences of the realization of the Three Gorges Project are too complex to take up an undifferentiated position either in favour of or against the Three Gorges Project. It is very important to keep in mind that there will be still a high risk of floods after the damming up of the Yangtze River. An underestimation of the flood risk could have catastrophic consequences for the middle and lower reaches of the Yangtze River. But it should be pointed out as well that the generated power will hopefully cause economic growth and prosperity.