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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-15080
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1508/


Untersuchungen zur Involution der Vagina and Zervix beim Rind post partum unter Berücksichtigung der Zervix als Geburtshindernis

Investigations about the vaginal and cervical involution process in the cow post partum and the significance of cervical relaeted dytocia

Wehrend, Axel


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.429 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Zervix , Vagina , Kuh , puerperale Involution
Freie Schlagwörter (Englisch): cervix , vagina , cow , puerperal involution
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Habilitation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.05.2003
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 05.07.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden Arbeit war es die physiologische Involution der Zervix im Vergleich zur Vagina beim Rind während der ersten zehn Tage post partum zu charakterisieren. Weiterhin sollte durch klinische Untersuchungen an Kühen nach Dystokie und einer retrospektiven Datenauswertung von Schwergeburten unterschiedlicher Tierarten der Anteil zervikal bedingter Geburtsstockungen im Interspeziesvergleich analysiert und Einflussfaktoren auf das Auftreten dieser Dystokieform sowie Störungen in der puerperalen Zervixinvolution beim Rind charakterisiert werden.

Die makroskopische Zervixinvolution lässt sich mit Hilfe von zervimetrischen und sonographischen Methoden in vier Phasen einteilen:

- Progressive Reduktion bis zur sechzehnten Stunde post partum

- Protrahierte Reduktion bis zum zweiten Tag post partum ohne nachweisbare Ringfaltenbildung

- Protrahierte Reduktion bis zum siebten Tag post partum mit zunehmender Ringfaltenbildung

- Erneute, diskrete Öffnung bis zum zehnten Tag post partum unter Erhaltung der Faltenstruktur

Der Reduktionsvorgang bis zum siebten Tag post partum kann als Summe von zwei Exponentialfunktionen mit unterschiedlichem Steigungskoeffizienten dargestellt werden. Die erneute Öffnungsphase der Zervix beim Rind gegen Ende des Frühpuerperiums scheint eine tierartspezifische Besonderheit darzustellen.
Lichtmikroskopisch konnte eine Assoziation der intrapartalen vaginalen und zervikalen Öffnung mit einer massiven Infiltration eosinophiler Granulozyten in die Tunica mucosa aufgezeigt werden. Die Durchsetzung des Gewebes mit eosinophilen Granulozyten zeigt im Verlauf des Frühpuerperiums eine organspezifische Dynamik. Die Zellzahl in der Vagina fällt ab, während diese in der Zervix am zehnten Tag post partum ihr vorläufiges Maximum erreicht.
Mastzellen lassen sich in deutlich geringerer Konzentration und in anderer Lokalisation vorfinden. Diese Zellart befindet sich vor allem in den tieferen Schichten der Lamina propria mucosae und in der Tunica muscularis. In der Vagina bleibt die Mastzellzahl auf gleichem niedrigen Niveau, während in der Zervix ein Abfall bis zum zehnten Tag post partum zu beobachten ist. Auffällig ist weiterhin, die im Vergleich zum Interöstrus niedrigere Zelldichte.
Immunhistologisch zeigt sich eine zeitliche Veränderung der Progesteron- und Östrogenrezeptorexpression während der ersten zehn Tage post partum. In der Tunica muscularis findet sich dabei zu jedem Untersuchungszeitpunkt ein stärkeres Vorkommen rezeptorexprimierender Zellen als im Bindegewebe. In beiden Abschnitte des Reproduktionstraktes ist eine unterschiedliche Kinetik der Rezeptorexpression gegeben. Während in der Vagina kaum Unterschiede in der Menge der progesteronrezeptorpositiven Zellen zu detektieren sind, reduziert sich die Expression des Östrogenrezeptors. Dagegen steigt im zervikalen Gewebe die Nachweishäufigkeit für beide Steroidhormonrezeptoren bis zum zehnten Tag post partum an, wobei am fünften Tag eine temporäre Reduktion der Anzahl östrogenrezeptorexprimierender Zellen zu beobachten ist.

Die immunhistologischen Ergebnisse zur Expression des Östrogenrezeptor im vaginalen Gewebe konnte durch RT-PCR betätigt werden. Zur Überprüfung wurde das Amplifikat sequenziert und mit bekannten Teilsequenzen des Östrogenrezeptors a anderer Haussäugetiere verglichen. Dabei ließen sich Homologien zwischen 90 (Hund) und 97 % (Schaf) nachweisen.

Durch den Interspeziesvergleich konnte gezeigt werden, dass die Zervix beim Wiederkäuer eine dominierende Bedeutung als Dystokieursache besitzt. Diese Tatsache lässt sich aus dem relativ hohen Bindegewebsanteil in diesem Organ bei Schaf und Kuh ableiten. Steigendes Alter und Parität erhöhen die Gefahr, dass sich beim Rind eine mangelhafte Zervixöffnung entwickelt. Es konnte kein Zusammenhang zwischen einer mangelhaften Öffnung und puerperalen Involutionstörungen der Zervix in der frühpuerperalen Periode gefunden werden. Es zeigte sich jedoch, dass nach Fetotomien, unabhängig vom Patientenalter und der Parität, der Anteil der Tiere mit zervikalen Involutionsstörungen ansteigt. Störungen in der Reduktion des Durchmessers des Canalis cervicalis treten unabhängig von uterinen Puerperalstörungen auf.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of the present work was to characterise the physiological involution of the cervix of the cow in comparison to the vagina during the first ten days post partum., Moreover, the amount of cervically caused birth hold-ups in an interspecies comparison was to be analysed by clinical examinations of cows after dystocia and a retrospective data evaluation of difficult deliveries in various animal species; then the influencing factors involved in the appearance of this form of dystocia and disorders in the puerperal cervix involution in cows were to be characterised.

With the help of cervimetric and sonographic methods, the macroscopic cervix involution can be separated into four phases:

- Progressive reduction up to the sixteenth hour post partum

- Protracted reduction up to the second day post partum without proven build up of ring folds

- Protracted reduction up to the seventh day post partum with increasing build up of ring folds

- Discrete re-opening up to the tenth day post partum, maintaining the folding structure

The reduction process up to the seventh day post partum can be shown as the sum of two exponential functions with different gradient coefficients
The re-opening phase of the cervix of the cow towards the end of the early puerperium seems to present a species specific particularity. Using a light microscope technique, it was possible to show an association of the intrapartal vaginal and cervical opening with a massive infiltration of eosinophilic granulocytes in the bovine tunica mucosa . The infiltration of the tissue with eosinophilic granulocytes showed an organ specific dynamic during the process of the early puerperium. The number of cells in the vagina decreases while in the cervix the number of cells reaches its preliminary maximum on the tenth day post partum. Mast cells can be found in a significantly lower concentration and in other localisations. This kind of cell exists mainly in the deeper layers of the lamina propria mucosae and in the tunica muscularis. In the vagina the number of mast cells stays at the same low level, while a decline can be seen in the cervix up to the tenth day post partum. Also striking is the lower cell density in comparison to the interoestrus. Regarding immune histology, there is a chronological change in progesterone and oestrogen receptor expression during the first ten days post partum. Thereby, a higher incidence of receptor expressing cells can be found in the tunica muscularis than in the connective tissue at any time an examination takes place. In the two parts of the reproduction tract a different kinetic of the receptor expression is given. While differences in the amount of progesterone receptor positive cells in the vagina can hardly be detected, the expression of the oestrogen receptor diminishes. In opposition, the frequency of proving both steroid hormone receptors in the cervical tissue increases up to the tenth day post partum, whereby a temporary decrease in the number of the oestrogen receptor expressing cells can be observed. The immune histological results regarding the expression of the oestrogen receptor in the vaginal tissue could by proven RT-PCR. For cross-checking the amplificate was sequenced and compared with other known partial sequences of the oestrogen receptor a in other domestic mammals. Thereby homologies between 90% (dog) and 97 % (sheep) could be proven.
By means of the interspecies comparison among a clinic's patient stock, it could be shown that the cervix of the ruminants has a dominant meaning as a cause of dystocia. This fact can be deducted from the relatively high percentage of connecting tissue in this organ in sheep and cow. Increases in age and parity increase the danger that an insufficient opening of the cervix develops in cows.

A correlation between insufficient opening and puerperal involution disorders of the cervix in the early puerperal period could not be found. It showed, however, that the percentage of animals with cervical involution disorders increases after fetotomies, independent of age and parity of the patients. Disorders in the reduction of the diameter of the canalis cervicalis occur independently of uterine puerperal disorders.