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Deutsch-polnische Zusammenarbeit : Die Edition der Lodzer „Getto-Chronik“

Feuchert, Sascha ; Riecke, Jörg


pdf-Format: Dokument 1.pdf (383 KB)

besteht aus:
Oskar Singers Reportagen aus dem Getto : Einige grundsätzliche Bemerkungen. Von Sascha Feuchert
Schreiben im Angesicht des Todes : Einige Bemerkungen zur Sprache Oskar Singers. Von Jörg Riecke


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Arbeitsstelle Holocaustliteratur; Institut für deutsche Sprache und mittelalterliche Literatur
Fachgebiet: Germanistik
DDC-Sachgruppe: Deutsche Literatur
Dokumentart: Aufsatz
Zeitschrift, Serie: Spiegel der Forschung 19 (2002) Nr. 1 ; S. 76-87
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 06.04.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Anläßlich des 60. Jahrestages der vollständigen
Absperrung des Lodzer Gettos
am 30. April 1940 unterzeichneten der
Präsident der Justus-Liebig-Universität
Gießen und der Rektor der Unywersytet
Lodzki im Jahr 2000 eine Vereinbarung,
die vorsieht, daß Mitarbeiter beider Universitäten
zusammen mit dem Staatsarchiv
in Lodz die sogenannte „Getto-
Chronik“ und ihre Beischriften, die zwischen
1940 und 1944 in der Statistischen
Abteilung des „Judenältesten von Lodz“
entstanden, auf Deutsch und Polnisch
erstmals komplett wissenschaftlich edieren.
Diese Vereinbarung kam im Rahmen
der Universitätspartnerschaft Gießen-Lodz
zustande, die bereits seit fast 25 Jahren
besteht.

Die Dokumente legen ein eindrucksvolles
Zeugnis von den Lebens- und Leidensbedingungen
im Getto Lodz ab – bis heute
wurden sie nirgendwo vollständig publiziert,
nur wenige Auszüge sind bislang
bekannt. Die Texte wurden vom „Ältesten
der Juden in Litzmannstadt“, Mordechai
Chaim Rumkowski, in Auftrag gegeben.
Rumkowski war von den Deutschen
ernannt worden; er stand einer
scheinbaren jüdischen Selbstverwaltung
vor, die zwar im Getto über große Macht
verfügte, letztlich aber in allen Belangen
den deutschen Behörden untergeordnet
war. Ab 1942 forcierte der „Judenälteste“ die vollständige Umwandlung
des Gettos in ein Arbeitslager, das
kriegswichtige Produkte für die Nazis
herstellte. Rumkowski hoffte so,
die Existenz des Gettos sicherstellen
zu können. Lange hatte diese Strategie,
die aber stets mit der Deportation
„arbeitsunfähiger“ Menschen
aus dem Getto in die Vernichtungslager
verbunden war, zur Folge, daß
das Getto Lodz nicht aufgelöst wurde.
Doch im August 1944 wurde es
dennoch als letztes Getto auf polnischem
Gebiet liquidiert. Die verbliebenen
Bewohner wurden allesamt
nach Auschwitz deportiert.

Als erstes Ergebnis konnte die Gießen-
Lodzer Arbeitsgruppe, die aus
Sascha Feuchert, Prof. Dr. Erwin
Leibfried und Dr. Jörg Riecke – alle
Universität Gießen – sowie Julian
Baranowski M.A., Staatsarchiv
Lodz, Dr. Krystyna Radziszewska
und Dr. Krzysztof Wozniak – beide
Universität Lodz – besteht, nun die
Edition der „Reportagen und Essays
aus dem Getto Lodz“ von Dr.
Oskar Singer fertigstellen. Singer,
Journalist und Schriftsteller aus
Prag, gehörte ab 1942 zu den
Hauptautoren der Chronik und verfaßte
daneben zahlreiche weitere,
überwiegend journalistische Texte,
die das Leben im Getto Lodz nachzeichnen. Gerade diese Texte, die
nicht Eingang in die Chronik gefunden
haben, bilden das Herzstück
des kürzlich vorgelegten
Bandes. Er ist unter dem Titel „Im
Eilschritt durch den Gettotag...“ im
Berliner Philo-Verlag erschienen.

Sascha Feuchert
und Dr. Jörg Riecke stellen einige
wesentliche Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten
vor, wie sie in das
Vorwort und den Epilog zur erwähnten
Ausgabe Eingang gefunden haben.