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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1427/


Untersuchungen zum Einfluss thermischer Belastungen auf den Verlauf von Autoimmunerkrankungen am Beispiel des murinen Lupus Erythematodes

Franz, Oliver Holger


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.559 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): systemischer Lupus Erythematodes (SLE) , Stress , HPA-Achse , MRL lpr/lpr
Freie Schlagwörter (Englisch): mice , corticosterone , stress , MRL lpr/lpr , SLE
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinische Klinik und Poliklinik III und Physiologisches Institut
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.02.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 05.03.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der Untersuchungen war die Klärung der Frage, wie Autoimmunkrankheiten durch chronischen Stress beeinflusst werden. Es sollte insbesondere untersucht werden, ob eine Autoimmunkrankheit in einer klinisch noch asymptomatischen Phase der Erkrankung durch Stress bei Individuen mit einer entsprechenden Prädisposition gefördert werden kann.



Der SLE ist der Prototyp einer Autoimmunkrankheit. Die Untersuchungen erfolgten an einem Tiermodell für den humanen SLE, an Mäusen der MRL lpr/lpr- und MRL +/+-Stämme. Charakteristisch ist für diese Stämme eine ausgeprägte Lymphoproliferation mit Zunahme einer pathologischen Zellpopulation, B220+Thy1.2+ Lymphozyten, im Verlauf der Erkrankung. Es wurden Untersuchungen bei jungen Tieren vor Manifestwerden der Erkrankung und bei älteren Tieren in verschiedenen Krankheitsphasen durchgeführt. Als Stressor wurde eine repetitive thermische Belastung über bis zu 120 Stunden bei 36°C und 50% Luftfeuchte für jeweils 2 x 3 Stunden pro Tag gewählt. Am Ende der unterschiedlichen Expositionszeiträume wurden die Tiere getötet und Blut sowie lymphatische Organe entnommen. Es erfolgten durchflußzytometrische Analysen der Lymphozytensubpopulationen von Milz, Lymphknoten und Thymus. Parallel hierzu wurden Bestimmungen des Corticosteron, IL-1-alpha, IL-6, SAA und von ds-DNS-Antikörpern durchgeführt.



Es wurde ein Anstieg der B220+Thy1.2+ Zellen in der Milz in der noch asymptomatischen Phase der Erkrankung beim MRL +/+-Stamm und im Thymus der Tiere des MRL lpr/lpr-Stammes in der Frühphase der manifesten Erkrankung gezeigt. Dies wies auf eine beschleunigte Progression der Erkrankung nach chronischer Wärmeexposition hin. Des weiteren fanden sich reduzierte reife B-Zellen und B-Vorläuferzellen in der Milz sowie im Lymphknotengewebe bei wärmebelasteten Mäusen.



Bei Tieren des MRL lpr/lpr-Stammes mit klinischem Vollbild der Erkrankung konnten keine Veränderungen der untersuchten Lymphozytensubsets nach Wärmebelastung gefunden werden.



Unter der Wärmeexposition gingen die Serum-Corticosteronspiegel zurück. Dieser Effekt war sowohl bei den Tieren des MRL +/+-Stammes als auch bei den Tieren des MRL lpr/lpr-Stammes zu beobachten. Bei letzteren allerdings nicht in der Spätphase der Erkrankung. Beeinflussungen der Zytokine IL-1-alpha und IL-6 konnten nicht nachgewiesen werden. Der beobachtete Anstieg des SAA-Spiegel wies auf eine Zunahme der Entzündungsaktivität hin. Eine Änderung der anti-dsDNS-Ak-Spiegel nach thermischer Belastung ließ sich nicht beobachten.



Zusammenfassend wurde eine Modulierbarkeit des Immunsystems vor klinischer Manifestation des SLE nachgewiesen. Die erhobenen Daten sprechen dafür, dass chronischer Wärmestress den Autoimmunprozess fördern kann. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass die länger etablierte Erkrankung weniger durch Stress beeinflussbar ist.