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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-14262
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1426/


Kiefergelenks- und Kinnveränderungen bei der Herbst-Behandlung von Klasse II-1 Dysgnathien unterschiedlichen Gesichtstyps : eine röntgenkephalometrische Langzeitstudie

TMJ and chin changes during Herbst-treatment of Class II-1 malloclusion exhibiting different facial types : a long term cephalometric study

Michailidou, Chrysoula


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Kieferorthopädie
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.11.2003
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 01.03.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden Arbeit war es das Ausmass und die Richtung von Kieferge-
lenksveränderungen (Fossa articularis, Caput mandibulae, 'effektive' Kiefergelenks-
veränderungen) sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf die Lage des Kinns,
Unterkieferrotation und Fazialachsenrotation bei der Herbst-Behandlung von Klasse
II:1 Patienten mit unterschiedlichem Gesichtstyp zu ermitteln.

Untersucht wurden 68 Probanden (26 männlich und 12 weiblich). Anhand des Mandi-
bularbasiswinkels (ML/NSL) wurden die Probanden in drei Gesichtstypgruppen ein-
geteilt: Normodivergent (n=38), Hypodivergent (n=17) und Hyperdivergent (n=13).

Fernröntgenseitenbilder des Kopfes von jedem Probanden wurden zu drei verschiede-
nen Zeitpunkten ausgewertet: vor der Behandlung, nach der Behandlung und 5 Jahre
nach der Behandlung. Veränderungen von skelettalen Referenzpunkten wurden zu ei-
nem x/y Koordinatensystem (RL/RLp) gemessen.

Für die Ermittlung der Fossaverlagerung wurde der anatomische Punkt (Co) am
Caput mandibulae festgelegt und seine Veränderung nach Superponierung der Rönt-
genbilder über die stabilen Strukturen der Schädelbasis gemessen.

Für die Ermittlung des Kondyluswachstums wurde die Veränderung des gleichen
Punktes (Co) nach Superponierung der Röntgenbilder über die stabilen Strukturen
des Unterkiefers gemessen.

Für die Ermittlung der 'effektiven' Kiefergelenksveränderung (Summationseffekt aus
den Wachstumsveränderungen (1) des Kondylus und (2) der Fossa sowie (3) der La-
geveränderung des Kondylus in der Fossa) wurde ein willkürlicher Punkt (CoA) im
Bereich des Caput mandibulae am ersten Röntgenbild festgelegt und nach Superpo-
nierung der Röntgenbilder über die stabilen Strukturen der vorderen Schädelbasis
auf die anderen Bilder übertragen. Die Veränderung des CoA-Punktes nach Super-
ponierung der Röntgenbilder über die stabilen Knochenstrukturen des Unterkiefers
wurde gemessen. Diese Messung entsprach der 'effektiven' Kiefergelenksveränderung.

Für die Ermittlung der Kinnveränderung wurde ein anatomischer Punkt (Pg) am
knöchernen Kinn festgelegt und seine Veränderung nach Superponierung der Rönt-
genseitenbilder über die stabilen Strukturen der vorderen Schädelbasis gemessen.

Für die Ermittlung der Rotation des Unterkiefers wurde die Veränderung der Neigung
der RL-Linie nach Superponierung der Röntgenbilder über die stabilen Strukturen des
Unterkiefers gemessen.

Für die Ermittlung der Fazialachsenrotation wurde die Veränderung der Neigung der
SPg-Linie (eine Linie von Sella zu Pogonion) nach Superponierung der Röntgenbilder
über die stabilen Strukturen der vorderen Schädelbasis gemessen.

Die Untersuchung führte zu folgenden Ergebnissen:

Die physiologische Richtung der Fossaverlagerung nach posterior und inferior
veränderte sich vorübergehend durch die Herbst-Behandlung nach anterior und
inferior. Kein Unterschied lag zwischen den drei Gesichtstypgruppen vor. Auf-
grund der Beschränkungen der Messmethode konnte aber nicht mit Sicherheit
festgestellt werden, ob es sich um eine Fossaverlagerung oder auch um eine Kon-
dylusverlagerung innerhalb der Fossa oder auch um eine Kombination beider
Veränderungen handelte.

Das Kondyluswachstum und die 'effektive' Kiefergelenksveränderung waren
nach superior und posterior gerichtet. Die Veranderungen während und nach
der Behandlung waren bei den hyperdivergenten mehr nach posterior gerichtet
als bei den hypodivergenten Probanden. Das Ausmass der Veränderungen war
in den drei Gesichtstypgruppen vergleichbar.

Die Kinnveränderung war während allen Untersuchungszeiträumen nach anteri-
or und inferior gerichtet. In Bezug auf Richtung und Ausmass der Veränderung
gab es keinen Unterschied zwischen den drei Gesichtstypgruppen.

Die Unterkieferrotation war während der Behandlung bei den hyperdivergenten
tendenziell mehr nach posterior gerichtet als bei den hypodivergenten Proban-
den gerichtet. Nach der Behandlung rotierte der Unterkiefer bei den hypodiver-
genten Probanden nach anterior und bei den hyperdivergenten nach posterior.

Die Fazialachsenrotation war während und nach der Behandlung nach posterior
gerichtet. Es gab kein Unterschied zwischen den drei Gesichtstypgruppen.

Schlussfolgernd konnte festgestellt werden, dass beim Vergleich der hypo- und hy-
perdivergenten Herbst-Patienten die günstigen nach posterior gerichteten Kondylus-
und 'effektiven' Kiefergelenksveränderungen bei den hyperdivergenten Probanden
keine entsprechende Einwirkung auf die sagittale Kinnposition nach anterior hatten.
Die posteriore Unterkieferrotation bei den hyperdivergenten Probanden wirkte einer
sagittalen Kinnentwicklung entgegen.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study was to determine the amount and direction of TMJ changes
(fossa articularis, condyle, 'effective' TMJ changes) as well as their influences on the
position of the chin, the mandibular and facial axis rotation during Herbst-treatment
of Class II-1 malloclusion exhibiting different facial types.

The material consisted of 68 subjects (28 girls and 42 boys). According to the mandi-
bular plane angle (ML/NSL) the subjects were divided into three facial type groups:
normodivergent (n=38), hypodivergent (n=17) and hyperdivergent (n=13).

Lateral head films from all subjects were analysed at three different occasions: before
treatment, after treatment and 5 years after treatment. The changes of different ske-
letal measuring points were asssesed in relation to a x/y coordinate system (RL/RLp).

To determine the fossa changes a condylar point (Co) was defined and its change was
assesed after superimposition of the roentgenograms on the stable structures on the
cranial base.

To determine the condylar growth changes the same condylar point (Co) was used
and its change was assesed after superimposition of the roentgenograms on the stable
structures of the mandible.

To determine the 'effective' TMJ changes (the sum of (1) the condylar and (2) fossa
growth changes as well as (3) the position changes of the condyle in the fossa) an ar-
bitrary condylar point (CoA) was defined on the first roentgenogram and transfered
to the others roentgenograms after superimposition of the head films on the stable
structures of the cranial base. Therafter the changes of the CoA point were assesed
after superimposition of the roentgenograms on the stable structures of the mandible.
These CoA changes represented the 'effective' TMJ changes.

To determine the changes in the chin position an anatomical point (Pg) was defined
on the anterior bone structures of the chin and its changes were assesed after supe-
rimposition of the roentgenograms on the stable structures of the cranial base.

To determine the rotation of the mandible the changes in the inclination of the RL
line was assesed after superimposition of the roentgenograms on the stable structures
of the mandible.

To determine the rotation of the facial axis the changes of the inclination of the SPg
line (a line connecting sella and pogonion) was assesed after superimposition of the
roentgenograms on the stable structures of the cranial base.

The investigation lead to the following results:

During Herbst treatment the physiological displacement of the fossa in posterior
and inferior direction was temporarily changed in an anterior and inferior direc-
tion. No differences were found between the three facial type groups. Because of
the limitations of the analysing method used, it was not possible to assertain, if
these changes were exclusively a result of fossa changes or also due to changes
of the condyle in the fossa or a combination of both.

The condylar growth and the 'effective' TMJ changes were directed superiorly
and posteriorly. During and after treatment these changes were directed more
posteriorly in the hyperdivergent group than in the hypodivergent group. The
amount of the changes were comparable in all three groups.

The chin position changes were directed anteriorly and inferiorly during the
whole examination period. The amount and direction of the changes were com-
parable in all three facial type groups.

During treatment the rotation of the mandible was directed more posteriorly
in the hyperdivergent group than in the hypodivergent group. After treatment
the mandible rotated posteriorly in the hyperdivergent group and anteriorly in
the hypodivergent group.

Facial axis rotation during and after treatment was directed posteriorly. The
amount and direction of the changes were comparable in all three facial type
groups.

In conclusion it was found that when comparing hyper- and hypodivergent subjects,
the favourable posteriorly directed growth changes of the condyle and the 'effective'
TMJ changes in the hyperdivergent subjects had no corresponding influence on the
development of the chin in anterior direction. The posterior rotation of the mandible
in the hyperdivergent subjects counteracted a sagittal development of the chin.