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Häufigkeit und Spektrum von Malassezia-Hefen im Bereich des Präputialraumes und der Glans penis sowie im Bereich des hinteren Vaginalgewölbes

Schütz, Marianne Ingeborg Margarete


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Malassezia-Hefen , Präputialraum , Glans penis , hinteres Vaginalgewölbe , Candida-Hefen
Freie Schlagwörter (Englisch): Malassezia yeasts , preputial space , glans penis , posterior vaginal fornix , Candida yeasts
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Dermatologie und Andrologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.12.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 19.12.2003
Kurzfassung auf Deutsch: Hefen der Gattung Malassezia (M. furfur, M. sympodialis, M. globosa, M. obtusa, M.
restricta, M. slooffiae, M. pachydermatis) sind ubiquitär auftretende Hefen. Mit Ausnahme
von M. pachydermatis besteht eine Abhängigkeit von der Versorgung mit längerkettigen
Fettsäuren, so dass Malassezia-Hefen zu den wenigen obligat lipophilen Mikroorganismen
gehören. Aufgrund ihrer Lipophilie lassen sie sich besonders in den talgdrüsenreichen
Körperarealen nachweisen. Da sich im Bereich der Glans penis freie Talgdrüsen befinden,
sogenannte Tyson`sche Drüsen, stellte sich die Frage, ob auch hier Malassezia-Hefen
regelhaft anzutreffen sind.

Zu Erkrankungen der Vulva durch Malassezia spp. gibt es Einzelberichte, ebenso hinsichtlich
des Auftretens der Pityriasis versicolor, der häufigsten durch Malassezia verursachten
Erkrankung, im Bereich der Glans penis oder des Penisschaftes.

Über eine Mitbeteiligung der Malassezia-Hefen an der residenten Flora der Glans penis bzw.
des Präputialraumes wurden bisher in der Literatur keine Angaben gemacht, ebenso fehlte
eine Aussage bezüglich des Vorkommens im Bereich des hinteren Vaginalgewölbes. In dieser
Arbeit wurden Vorkommen, Häufigkeit und Artenspektrum von lipophilen Malassezia-Hefen
bei gesunden, in der Mehrzahl nicht zirkumzidierten Männern untersucht. Dabei sollten auch
die Standardisolationsmedien zur Anzucht von Malassezia-Hefen, mDixon und Leeming-
Notman-Agar, hinsichtlich Anzuchthäufigkeit und isoliertem Erregerspektrum verglichen
werden. Ebenso sollte auf die mögliche Beteiligung der Hefen auf genitale Erkrankungen
eingegangen werden.

Nach 10 tägiger Inkubation bei 32°C wurden die Malassezia- und Candida-Hefen nach
mikromorphologischen und biochemischen Kriterien differenziert.

Nahezu jeder zweite Proband der untersuchten 130 Männer wies eine Besiedlung des
Präputialraumes mit Malassezia spp. auf, wobei am häufigsten die Spezies M. sympodialis
und M. globosa nachgewiesen werden konnten, die auch zu den häufigsten Malassezia-Hefen
auf der übrigen menschlichen Haut gehören. M. pachydermatis konnte nur in 2 Fällen
nachgewiesen werden. M. furfur, der möglicherweise bedeutsam in der Pathogenese der
Pityriasis versicolor ist, wurde nur bei einem Probanden isoliert.

Aufgrund der Untersuchung ist anzunehmen, dass Malassezia-Hefen möglicherweise
Bestandteil der residenten Mikroflora der Haut im Bereich der Glans penis sind. Der
Nachweis der Malassezia-Hefen im Bereich der Glans penis könnte die Bedeutung an der
Mitbeteiligung zahlreicher Erkrankungen des äußeren Genitale vermuten lassen, so etwa bei
der Balanoposthitis, dem seborrhoischen Genitalekzem, der Psoriasis im Bereich der Glans,
dem Lichen planus im Bereich des Genitale, der Follikulitis, der Tysonitis und dem
atopischen Ekzem mit Beteiligung des äußeren Genitale.

Bezüglich der Anzüchtung auf den beiden zur Anzüchtung von Malassezia–Hefen
empfohlenen Standardmedien konnten keine auffälligen Unterschiede in der Differenzierung
nachgewiesen werden. Die erhaltenen Werte für die Kolonisation mit Candida spp. sind mit
denen der Literatur vergleichbar, ebenso das Spektrum der differenzierten Candida-Hefen.
Um die Rolle von M. spp. in der Physiologie und Pathophysiologie der Genitalregion zu
bestimmen, ist die Anwendung von lipidhaltigem Medium bei Männern mit rezidivierenden
und potentiell infektiösen Erkrankungen des äußeren Genitale zu empfehlen. Wird wie in
dieser Untersuchung auf Cycloheximid verzichtet, so kann auch die Candida-Flora miterfasst
werden. Eine Diagnosestellung durch Pilznachweis ist unerlässlich, wenn nicht unnötige
Therapieversager in Kauf genommen werden sollen, da alleine schon die Standortflora des
Präputialraumes eine hohe Komplexität und Inkonstanz aufweist. Die exakte Diagnose ist also
die Voraussetzung für eine gezielte Behandlung.

Bei 100 Frauen konnten mittels Vaginalabstrich aus dem hinteren Scheidengewölbe keine
Malassezia–Hefen nachgewiesen werden, wobei wohl auch der vaginale pH (~ 4,5) eine Rolle
spielt, da er unterhalb des Wachstumsoptimums von Malassezia-Hefen liegt, zum anderen
mögen andere lokale Faktoren eine Rolle spielen.

28 % der Frauen wiesen, wie schon aus früheren Studien zu erwarten war, eine Candida-
Besiedlung auf, wobei der größte Anteil (> 2/3) wie ebenfalls zu erwarten auf C. albicans fiel.
Bei Frauen mit klinischer Symptomatik im Bereich der Vulva, beispielsweise bei vulvären
Dystrophien oder einer unklaren Schuppung im Bereich der Vulva ist aber zumindest an die
Möglichkeit einer Malassezia Besiedlung im Sinne einer Pityriasis versicolor oder einer
Malassezia-Follikulitis zu denken.
Kurzfassung auf Englisch: Yeasts of the genus Malassezia (M. furfur, M. sympodialis, M. globosa, M. obtusa,
M. restricta, M. slooffiae, M. pachydermatis) are ubiquitous. With the exception of
M. pachydermatis they depend on the supply of long-chain fatty acids and thus belong to the
few lipophilic microorganisms. Malassezia yeasts primarily occur in seborrheic areas of the
body. This raised the question whether they could be demonstrated in the area of glans penis
which is rich in free sebaceous glands (Tyson’s glands).

Only single observations of vulvar diseases caused by Malassezia spp. have been reported as
well as of pityriasis versicolor – the most Malassezia associated disease- at the glans penis
and penile sheath.

From the literature there has been no evidence so far that Malassezia yeasts are part of the
resident flora of the glans penis and the preputial space and in the area of the posterior vaginal
fornix. The present study was aimed at evaluating these questions and investigated the
existence, frequency and spectrum of lipophilic Malassezia yeasts within the area of the glans
penis and preputial space in healthy men, most of whom were uncircumcised. At the same
time, the standard isolation media for culture of Malassezia, modified Dixon- (mDixon) and
Leeming-Notman-agar, were compared in terms of culture frequency and pathogenic
spectrum. Furthermore, the possible involvement of these yeasts in genital diseases was
discussed.

After 10 days of incubation at 32°C Malassezia and Candida yeasts were differentiated by
micromorphological and biochemical criteria.

Colonization with Malassezia spp. was found in nearly 50 % of the 130 men investigated,
M. sympodialis and M. globosa being most frequent which are also most common in other
human areas. M. pachydermatis was detected in two cases. M. furfur which may be significant
in the pathogenesis of pityriasis versicolor was isolated in only one man.

From the study it can be assumed that Malassezia yeasts are part of the resident microflora of
the glans penis. Their demonstration in the area of the glans penis might suggest that they are
also involved in numerous genital diseases, e.g. balanoposthitis, seborrheic eczema, psoriasis
of the glans, lichen planus, folliculitis, tysonitis and atopic eczema.

No significant differences were found between the two standard media used for culture of
Malassezia yeasts. The results for Candida colonization in the preputial area of healthy men
were comparable to those reported in the literature; the same applies to the spectrum.

To determine the role of Malassezia spp. in the physiology and pathophysiology of the genital
region, lipid-containing media are recommended for men with recurrent and potentially
infectious diseases of the external genitals. Omitting cycloheximide, as in the present study,
will also allow the detection of Candida species. As the resident flora of the preputial space is
highly complex and inconstant, the diagnosis should be confirmed by demonstration of
fungus to avoid unnecessary treatment failures. An exact diagnosis is the basis for an
objective therapy.

A study in 100 women failed to detect Malassezia yeasts in smears from the posterior vaginal
fornix. The vaginal pH (~4,5) is lower than that required for optimal growth of Malassezia
and perhaps other local factors are responsible for the negative culture result.

As could be expected from previous studies, colonization with Candida was found in 28 % of
the women, with Candida albicans predominating in more than 2/3. However, in women
showing clinical symptoms in the vulvar area, e.g. vulvar dystrophy or undefined scaling, the
possibility of Malassezia colonization leading to pityriasis versicolor or Malassezia folliculitis
should always be kept in mind.