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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-13326
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Untersuchungen zum Hörvermögen von Neuweltkameliden unter besonderer Berücksichtigung der Irispigmentierung

Hogreve, Saskia Kristina


Originalveröffentlichung: (2003) Wettenberg : VVB Laufersweiler 2003
pdf-Format: Dokument 1.pdf (811 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Lama
Freie Schlagwörter (Englisch): Lama
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-98687-650-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.07.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 09.12.2003
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurde das Hörvermögen von Neuweltkameliden (Lama
glama und Lama pacos) mittels der objektiven Meßmethode akustisch evozierter
Potentiale (AEP) untersucht und die Hörschwelle bestimmt.

Besondere Beachtung fanden dabei Tiere mit blauer Irispigmentierung, um die
Hypothese einer Kopplung dieses Merkmals mit Taubheit und weißer Fellfarbe, wie
sie bei anderen Spezies beschrieben wurde, zu überprüfen.

Für die Studie standen insgesamt 63 Tiere im Alter von 1-13 Jahren zur Verfügung,
13 davon mit beidseitig, eines mit einseitig blauer Irispigmentierung. Die Tiere
wurden unter vergleichbaren praxisüblichen Bedingungen gehalten.

Die Ausführung der Messungen erfolgte mit Hilfe des portablen Meßsystems
'EPOSYS 4' der Firma SEMANTIK GmbH, Germering, geeicht auf dB(HL).

Um eine möglichst artefaktfreie Ableitung der akustisch evozierten Potentiale zu
erzielen, war eine Kurznarkose mit 0,4mg/kg Körpergewicht Xylazin und 4,0mg/kg
Körpergewicht Ketamin intramuskulär erforderlich.

Die Click-Reize wurden über Luftleitungskopfhörer zugeführt, der Potentialabgriff
erfolgte mittels Nadelelektroden; dabei wurde die differente Elektrode in Höhe des
Mastoids des zu untersuchenden Ohres, die Referenzelektrode am Vertex und die
Erdelektrode median, einige Zentimeter distal der Referenzelektrode appliziert.

Die Latenzen, Amplituden und Interpeaklatenzen der Potentialkomponenten wurden
erfaßt und die Signifikanzen der Einflußfaktoren Art, Geschlecht und Alter auf die
Latenzen ermittelt.

Bei Neuweltkameliden ließen sich mittels akustisch evozierter Potentiale vier bis fünf
positive Peaks ableiten, wobei die Wellen I, III und V reproduzierbar waren, Welle II
inkonstant auftrat und die Wellen IV und V meist zu einem Komplex verschmolzen
waren.

Mit sinkender Intensität des applizierten Click-Reizes vergrößerte sich die Latenz der
Potentialkomponenten, die Amplituden wurden kleiner.

Anhand der Latenzen ließ sich ein für die meisten betrachteten
Potentialkomponenten signifikant besseres Hörvermögen der Alpakas gegenüber
dem der Lamas erkennen; ein signifikanter Einfluß des Geschlechts auf die
Hörfähigkeit bestand nicht.

Das vorhandene Tiermaterial war nicht ausreichend für die Beurteilung des Effektes
des Alters auf das Hörvermögen.

Die Hörschwelle, definiert als die Reizintensität, bei der gerade keine Reizantworten
mehr generiert werden können, lag bei Lamas und Alpakas im Bereich von 10 bis 20
dB(HL).

Die Meßergebnisse der Probanden mit Pigmentierung von Fell und Iris bewegten
sich alle im Bereich der normalen Hörschwelle.

Ebenso ließen alle getesteten Tiere mit weißem Fell und pigmentierter Iris keinerlei
Abweichung von der normalen Hörschwelle erkennen.

Sieben der zwölf untersuchten Neuweltkameliden mit blauer Irispigmentierung und
weißem Fell waren beidseitig taub, eines einseitig. Jedoch wurden drei weiße
blauäugige Tiere mit normalem Hörvermögen gefunden.

Zwei blauäugige Tiere mit pigmentiertem Fell zeigten normalen Hörstatus.
Ein Alpaka mit einseitig blauer Irispigmentierung wies beidseitig normale Hörfähigkeit
auf.

Die mit 63,6% hohe Frequenz an beidseitig tauben Tieren mit weißem Fell und
blauer Irispigmentierung stützt die Hypothese einer Assoziation von
Pigmentierungsanomalien mit erblicher Taubheit.
Für eine Klärung des Vererbungsmodus’ stand kein geeignetes Tiermaterial zur
Verfügung.

Da jedoch auch ohne Kenntnis des genauen genetischen Hintergrunds angenommen
werden darf, daß die Paarung von Anlage- und Merkmalsträgern mit hoher
Wahrscheinlichkeit zur Entstehung tauber Nachkommen führen kann bzw. führt,
kommt dem Defekt Tierschutzrelevanz im Sinne des §11b TSG zu.
Kurzfassung auf Englisch: Auditory function of South American camelids (Lama glama and Lama pacos) was
assessed objectively by means of brainstem auditory evoked response audiometry
(BAER) to test the hypothesis of a correlation between blue eyes, white coat and
deafness as described in many other species.

Hearing levels were also measured.

Sixty-three camelids from 1-13 years of age were available for the study. Thirteen
animals had blue irises, one animal had one blue and one normal iris.
Measurements were made using the portable BAER system 'EPOSYS 4'
(SEMANTIK GmbH, Germering, Germany).

To minimize BAER detection disturbances caused by muscle activities, each camelid
was given a general anaesthetic.

Click stimuli (dB(HL)) were delivered by an insert earphone.

Subcutaneous needle electrodes were placed ipsilaterally at the auricular cartilage
near to the auditory meatus and at the vertex; the ground electrode was located
rostral to the vertex on the midline.

Peak latencies, amplitudes and interpeak latencies were measured and the
significances of the influence factors species, sex and age on the latencies were
determined.

Four to five positive peaks with a high degree of similarity to the BAER of other
species could be detected in South American camelids; waves I, II and V were
reproducible, wave II appeared infrequently and waves IV and V generally formed a
complex.

Peak latencies decreased and peak amplitudes increased as stimulus intensity
increased.

Hearing level was defined as the point at which there was no more response to the
click stimulus.

A hearing level of 10 to 20 dB(HL) was regarded as normal in South American
camelids.

None of the animals with pigmentation of coat and iris showed any degree of hearing
impairment.

Seven of the twelve blue-eyed white animals were bilaterally, one of them was
unilaterally deaf.

However, three blue-eyed white animals exhibited normal hearing ability.

Two blue-eyed animals with pigmented coat did not show any hearing impairment.

All white animals with normal iris pigmentation had normal auditory function; so did
one animal with one normal and one blue iris.

Alpacas generally displayed a better hearing ability than llamas.

Sex had no significant influence on hearing ability.

The number of animals available for the study was insufficient to determine the effect
of age on auditory function.

The high frequency (63,6%) of bilaterally deaf animals with white coat and blue iris
pigmentation supports the hypothesis of a correlation of pigmentation anomalies and
congenital deafness in llamas and alpacas.

The mechanism of inheritance was not elucidated, however, the mating of camelids
carrying the blue-eyed deafness trait, may result in deaf offspring and is therefore
relevant to § 11b of the German law for animal protection.