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Retrospektive Analyse von Datensätzen ber Erkrankungen und Todesursachen von Greifvögeln in Zoologischen Gärten unter besonderer Berücksichtigung ihrer Haltung

Bertram, Christina


Originalveröffentlichung: (2003) Wettenberg : VVB Laufersweiler 2003
pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.737 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Greifvögel , Zoologische Gärten , Zoo , Vögel
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-89687-636-8
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.07.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 01.12.2003
Kurzfassung auf Deutsch: In dieser Arbeit werden 457 Erkrankungsprotokolle und 421 Sektionsprotokolle aus neun
verschiedenen Institutionen in Deutschland und Österreich, die umfangreichere
Greifvogelbestände haben, ausgewertet. Das Material stammt aus einem Zeitraum von
1980 bis 1997.
Zunächst erfolgt eine Sichtung der Literatur nach biologischen, anatomischen und
physiologischen Besonderheiten von Greifvögeln sowie den in der Literatur
beschriebenen Erkrankungen der Ordnung Falconiformes. Nach einer Beschreibung des
vorliegenden Materials, wobei neben den vorliegenden Arten auch ausführlich auf die
Haltung der Vögel in den einzelnen Institutionen eingegangen wird, werden die Befunde
ausgewertet. Dabei wird im besonderen Maße auf einen möglichen Zusammenhang
zwischen den Erkrankungen und den Haltungsformen der erkrankten Vögel
eingegangen.
Das Untersuchungsmaterial wurde zunächst nach topographischen Gesichtspunkten
und dann nach infektiösen und nicht infektiösen Ursachen für Krankheit und Tod
eingeteilt. Dabei überwog mit 64 % der Anteil an Befunden mit nicht infektiösen
Krankheits- oder Todesursachen. Bei weiteren neun Prozent wurde zwar kein Erreger
nachgewiesen, aber es bestand der Verdacht auf einen infektiösen Hintergrund einer
Erkrankung, so daß diese Befunde mit zu den infektiösen Befunden gezählt wurden.
Der überwiegende Teil der infektiösen Ursachen war durch bakterielle Erkrankungen
sowie parasitäre Nachweise dominiert. Viruserkrankungen (Erkrankungen durch Herpes,
Paramyxo- oder Pockenviren) wurden nur vereinzelt nachgewiesen und auch
mykologische Erkrankungen (Aspergillose, Soor) waren nur mit vier Prozent im
Untersuchungsmaterial vertreten. Da die meisten nachgewiesenen Erreger nur fakultativ
pathogen waren, wurde hier ein möglicher Zusammenhang mit der Haltung
(Fütterungspraxis, Immunsuppression durch Streß) in Erwägung gezogen. Die hohe
Bedeutung, die der Tuberkulose in der Literatur beigemessen wird, konnte im
vorliegenden Material nicht bestätigt werden (n=11).

ZUSAMMENFASSUNG
Die nicht infektiösen Befunde wurden unterteilt in durch die Unterbringung, durch die
Umweltgestaltung, durch die soziale Haltung und durch die Ernährung beeinflußte
Erkrankungen sowie sonstige Erkrankungen.
Durch die Unterbringung beeinflußte Erkrankungen waren vor allem Traumata (n=74)
und Ballenerkrankungen (n=85). Während Traumata sowohl in der Voliere als auch bei
falknerisch gehaltenen Vögeln auftraten, waren Bumblefoot zum Großteil bei falknerisch
gehaltenen Tieren festzustellen. Bei diesen Tieren waren auch häufig
Sekundärinfektionen mit Staphylokokken zu diagnostizieren.
Die Umweltgestaltung spielte in Form von Erfrierungen und Anthrakose in den meisten
Fällen nur eine Rolle als Nebenbefund der Sektion. Abnormes Verhalten, welches durch
die soziale Haltung der Tiere ausgelöst wurde, war dagegen bei 12 % der Vögel (n=107)
des Untersuchungsmaterials der Hauptgrund für die Behandlung oder die Sektion.
Dabei standen vor allem Probleme im Rahmen von Vergesellschaftungen verschiedener
Greifvogelarten im Vordergrund.
Sechs Prozent der untersuchten Tiere (n=55) wiesen Anzeichen eines Nährstoffmangels
auf. Mögliche Zusammenhänge mit Fütterungsbestandteilen und der Fütterungspraxis
werden erörtert. Arteriosklerose (n=22) und Gicht (n=39) wurden im Vergleich zu
Literaturangaben weniger häufig nachgewiesen, dabei ist aber die unterschiedlich
ausgeprägte weiterführende Diagnostik der einzelnen Institutionen zu berücksichtigen.
Bei 17 % der Greifvögel (n=149) des Untersuchungsmaterials wurden Erkrankungen
festgestellt, bei denen kein direkter Zusammenhang zur Haltung festzustellen war. Dazu
gehörten Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems (n=58) und der Leber (n=22),
Legenot (n=4), Tumoren (n=25), Augenerkrankungen (n=21) sowie altersbedingte
Todesfälle (n=19). Bei insgesamt sieben Prozent der Tiere (n=63) konnte die
Erkrankungs- bzw. Todesursache nicht festgestellt werden.
Abschließend wird auf die Problematik von nicht homogen bearbeitetem Material bei der
Auswertung von Untersuchungen bei erkrankten und sezierten Vögeln und die oft
mangelhafte Anamnese bezüglich der Haltung der Vögel eingegangen sowie der
Empfehlung eines einheitlichen Untersuchungs- bzw. Sektionsprotokolls. Eine
Erweiterung des 1995 von VILLFORTH erstellten Untersuchungsprotokolls bezüglich
Haltung und Anamnese wird vorgestellt.
Ein regelmäßiges Gesundheitsmonitoring der gesunden Greifvögel fehlt zwischen 1980 und 1997 in allen Institutionen.
Kurzfassung auf Englisch: In this thesis 457 disease reports and 421 dissection reports of nine different zoological
institutions in Germany and Austria, which have a lot of different birds of prey, are
evaluated. The material dates from 1980 to 1997.
First of all the literature is reviewed for the biological, anatomical and physical
characteristics of birds of prey as well as common diseases of the order Falconiformes.
The evaluated material is described with regard to the bird species and also to their
maintenance conditions in the individual institutions. After this description the clinical and
pathological records are evaluated with regard to a possible correlation between the
diagnosed diseases and the keeping conditions of the birds.
At the beginning the material was examined on the basis of topographic criteria. After
that it was divided in cases with infectious and non infectious causes of morbidity and
mortality. 64 % of the disease and dissection records mention no infectious causes.
Further on there were 9 % in which no infectious agents were discovered, but there has
been a suspected infectious background of the disease so that these records have been
counted to the infectious cases.
Most of the infectious cases have been caused by bacteria as well as parasites. Only a
small number of virus diseases (caused by herpesvirus, paramyxovirus or poxvirus)
were isolated and also mycologic diseases (apergillosis, thrush) were only represented
with 4 % in the investigated material. Most of the diagnosed infectious agents were
facultative pathogenic so that a possible correlation between the diseases and the
keeping conditions (feeding practice, immunodeficiency due to stress) was considered.
In the literature tuberculosis is frequently mentioned of great importance. This point
could not be confirmed in the examined material.
The non infectious cases were divided into diseases caused by the physical keeping
conditions, by the environmental structure, by the social keeping conditions and the
feeding practices as well as other diseases.
Traumata (n= 74) and bumblefoot diseases (n=85) were the diseases most likely caused
by the physical keeping conditions. While trauma was diagnosed in birds living in caged
birds as well as in birds living in a falconry, bumblefoots were mainly diagnosed in birds
living in a falconry. In these conditions secondary infections with staphylococci were
often diagnosed.
Diseases caused by the environmental design (frostbite, anthracosis) have been in most
cases a secondary result. Abnormal behaviour, which has been caused by the social
keeping conditions of the animals, has been in 12 % of the birds (n=107) of the
investigation material the main reason for the treatment or the dissection. In this context
the problems are often caused by the socialization of different species of birds of prey.
6 % of the examined birds showed signs of nutritional deficiencies (n=55). Possible
correlations with food components and feeding practice are discussed. Arteriosclerosis
(n=22) and gout (n=39) were less frequently seen as mentioned in the literature. But the
different diagnostic procedures in the individual institutions must be considered.
The diseases of 17 % of the examined birds (n=149) have had no direct correlation to
the keeping conditions. These have been diseases concerning the heart or the
cardiovascular system (n=58), the liver (n=22), egg binding (n=4), neoplasia (n=25),
ophthalmic disorders (n=21) as well as death caused by old age (n=19). In 6 % of the
animals (n=63) the cause of the death and/or the disease could not be determined.
Finally the problems associated with limited homogenicity of the evaluated material of
disease and dissection records are discussed. The case histories are often incomplete
with respect to keeping conditions. Therefore a standardized investigation and
dissection report is recommended. An extended investigation report concerning keeping
conditions and case history first introduced by VILLFORTH (1995) is presented.
A regular monitoring of the healthy birds of prey is missing between 1980 and 1997 in all
institutions.