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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2003/1297/


Untersuchungen zur Elimination von Osteosarkomzellen durch maschinelle Autotransfusion und Leukozyten-Depletionsfilter

Hirsch, Christoph Franz


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Chirurgie, Anaesthesiologie und Urologie, Abt. Anaesthesiologie und Operative Intensivmedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.10.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 07.11.2003
Kurzfassung auf Deutsch: Der Einsatz der maschinellen Autotransfusion (MAT) wird in der Tumorchirurgie wegen der Gefahr einer systemischen Tumorzellaussaat als kontraindiziert angesehen. Diese in vitro-Studie untersuchte, ob die MAT in Verbindung mit einem handelsüblichen Leukozyten-Depletionsfilter in der Lage ist, Osteosarkomzellen aus einer Suspension mit einem Erythrozytenkonzentrat zu eliminieren.

Eine definierte Menge aus Zellkulturen angezüchteter Osteosarkomzellen wurde jeweils mit einem Erythrozytenkonzentrat und Ringerlösung vermischt. Diese Versuchsansätze wurden mit einem maschinellen Autotransfusionssystem aufbereitet und anschließend durch einen handelsüblichen Leukozyten-Depletionsfilter gefiltert. Standardisierte Proben aus dem Versuchsansatz wurden sowohl vor als auch nach der Passage des Filters mittels Papanicolaou-Klassifikation, immunzytochemischem Nachweis (Vimentinexpression) und mit der DNA-Analyse auf Osteosarkomzellen hin untersucht.

Nach der maschinellen Aufbereitung im Autotransfusionsgerät und der Passage des Leukozyten-Depletionsfilters konnten mit den drei verwendeten Nachweisverfahren keine Osteosarkomzellen mehr in den Probenansätzen nachgewiesen werden. Im Gegensatz hierzu wurden durch die alleinige Aufbereitung im Autotransfusionsgerät die Osteosarkomzellen nur unzureichend eliminiert. Die DNA-Analyse erwies sich im Vergleich zur Papanicolaou-Klassifikation und zur Immunzytochemie als das sensiblere Nachweisverfahren für Osteosarkomzellen.

Obwohl mit den verwendeten Nachweisverfahren keine Tumorzellen im filtrierten Blut mehr nachgewiesen werden konnten, muss bei der Beurteilung der Eliminationsleistung des Leukozyten-Depletionsfilters berücksichtigt werden, dass diese Filter in ihrem eigentlichen Einsatzgebiet lediglich eine definierte Zellreduktion bewirken. Darüber hinaus können Tumorzellen aus Zellkulturen ein besonderes Adhäsionsverhalten gegenüber künstlichen Oberflächen aufweisen.
Die Filtration von aufbereitetem Wundblut durch einen
Leukozyten-Depletionsfilter ist eine technisch einfach durchzuführende Maßnahme. Es besteht keine Abhängigkeit zu Blutbestrahlungseinheiten, die Durchführung ist mit keinem großen organisatorischen Aufwand verbunden, der Zeitaufwand für die Herstellung der Transfusion ist gering und die Risiken einer Fehltransfusion sind minimiert, da alle Maßnahmen bettseitig durchgeführt werden können. Im Rahmen von Notfalltransfusionen, Massivtransfusionen und Versorgungsproblemen ist die Transfusion von MAT-Blut nach Filtration mit Leukozyten-Depletionsfilter eine praktikable Therapie bei Operationen von Osteosarkomen. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung deuten darauf hin, dass eine hinreichende Absicherung bezüglich einer möglichen Tumorzellaussaat besteht und im Sinne eines Heilversuchs in einer Notfallsituation auch so verfahren werden kann.

Solange das genaue Verhalten von Osteosarkomzellen aus Wundblut bei Operationen zur Resektion von Osteosarkomen nicht sicher beurteilt werden kann und für den Einsatz der maschinellen Autotransfusion eine komplette Elimination von Tumorzellen gefordert werden muss, ist bisher aber keine Therapieempfehlung zur Retransfusion des aufbereiteten Wundblutes zu geben.