Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-11342
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2003/1134/


Perioperative L-Carnitin-Supplementierung bei kardiochirurgischen Eingriffen angeborener Herzfehler im Säuglingsalter

Kipp, Isabel Katrin


pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.228 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Freie Schlagwörter (Deutsch): Carnitin , angeborene Herzfehler , Säuglinge
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinischen Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie u. Abteilung Kinderkardiologie des Klinikums der Justus-Liebig-Universität Gießen
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.05.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 18.06.2003
Kurzfassung auf Deutsch: Ein intakter zellulärer Energiestoffwechsel ist essentielle Voraussetzung der
strukturellen und funktionellen Integrität des Myokards. Durch mitochondriale
Oxidation von Fettsäuren und Glukose sowie Glykolyse und Glykogenolyse deckt die
Herzmuskelzelle ihren zellulären Energiebedarf.

L-Carnitin als Carrier für den mitochondrialen Transport aktivierter Fettsäuren und
Carnitin-abhängige Acyl-Transferasen und Translokasen sind unabdingbare Bestandteile
der Fettsäureoxidation und modulieren zusätzlich die oxidative Glukose-Utilisation.
Grundlage der vorliegenden Arbeit war eine vorausgegangene Studie, die erniedrigte
Plasmaspiegel für Gesamt-Carnitin und freies Carnitin fand und einen signifikanten
Verlust von freiem Carnitin, kurzkettigen Acylcarnitinen und energiereichen Phosphaten
um 28 - 56 % im Myokardstoffwechsel bei kardiochirurgischen Eingriffen im
Kindesalter beschrieb, wobei der Carnitinverlust bei Kindern unter 1 Jahr größer war.

Der Wert einer perioperativen Carnitinsupplementierung bei kardiochirurgischen
Eingriffen angeborener Herzfehler im Säuglingsalter wurde in der vorliegenden Studie
evaluiert.

Bei gleichen Ausgangswerten für alle Carnitinfraktionen im Plasma zeigte sich bereits
nach oraler Supplementierung mit L-Carnitin ein Anstieg für Gesamtcarnitin im mittel
um 100 % auf 123,55 µmol/l, für freies Carnitin um 50 % auf 75,24 µmol/l und für
kurzkettige Acylcarnitine um 250 % auf 46,03 µmol/l (Angabe jeweils und im
folgenden als Mittelwert).

Nach intravenöser Applikation präischämisch stiegen die Werte für Gesamtcarnitin um
das 28fache auf 1768,23 µmol/l, für freies Carnitin um das 31fache auf 1556,95 µmol/l,
für kurzkettige Acylcarnitine um das 17fache auf 211,27 µmol/l und für langkettige
Acylcarnitine um das 4fache auf 9,09 µmol/l.

Diese Erhöhung blieb auch über die gesamte postoperative Phase im Gruppenvergleich
bestehen. Die Werte für das supplementierte Kollektiv lagen im Vergleich zum
Placebokollektiv im gesamten Beobachtungszeitraum um das mindestens 3fache höher
bei Gesamtcarnitin, um mindestens 3,5 mal höher bei freiem Carnitin, knapp oberhalb
bei den kurzkettigen Acylcarnitinen und um das mindestens 1,9fache höher bei den
langkettigen Acylcarnitinen.

Die perioperative Supplementierung mit L-Carnitin führte im präischämischen Myokard
zu signifikant erhöhten Spiegeln an freiem Carnitin (um 80 % auf 3,52 µmol/g NCP)
und zu deutlich erhöhten Konzentrationen von ATP (um 80 % auf 43,38 µmol/g NCP)
und CP (um 150 % auf 40,49 µmol/g NCP) in der Verumgruppe im Vergleich zur
Placebogruppe.

Auch postischämisch blieb in der supplementierten Gruppe die signifikante Erhöhung
der Gewebespiegel an freiem Carnitin bestehen.

Der Myokard-Stoffwechsel während intraoperativer Ischämie, Kardioplegie und
Reperfusion war zwar durch einen signifikanten Verlust an freiem Carnitin
(Placebogruppe: 25 %, Verumgruppe: 25 %) sowie durch einen deutlichen Verlust an
ATP (um 50 %) und CP (um 60 %) in der Verumgruppe gekennzeichnet, wodurch sich
der Endgehalt an Kreatinphosphat und ATP postischämisch in beiden Gruppen nicht
signifikant unterschied. Trotzdem waren nach Ischämie unter Carnitinsupplementierung
noch signifikant höhere myokardiale Konzentrationen an freiem Carnitin zu verzeichnen
(2,45 µmol/g NCP versus 1,45 µmol/g NCP).

Klinisch fand sich in der Verumgruppe ein signifikant reduzierter Bedarf positivinotroper
Medikamente 48 Stunden nach Ischämie sowie eine niedrigere
Beatmungsdauer als Ausdruck einer rascheren Erholung des Myokards.

Die erhobenen Befunde weisen auf einen protektiven Effekt von Carnitin im
Myokardstoffwechsel bei kardiochirurgischen Eingriffen im Säuglingsalter hin,
erkennbar an signifikant höheren Gewebespiegeln von freiem Carnitin im Myokard,
verbunden mit einer rascheren myokardialen postoperativen Erholung.