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Strategien der Handlungsregulation

Zempel, Jeannette


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Strategien , Handlungsregulation , Stress , Leistung
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Arbeits- und Organisationspsychologie
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.02.2003
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 07.04.2003
Kurzfassung auf Deutsch: Strategisches Vorgehen wird häufig als eine der wichtigen Determinanten sowohl der
Leistung als auch des Stresserlebens im Arbeitskontext angeführt. Dabei bleibt aber häufig
unklar, welche Formen dieses strategische Vorgehen hat und welche Effekte verschiedenen
Strategien im Einzelnen zugeschrieben werden können. In der vorliegenden Dissertation
werden vier Strategien der Regulation von Handlungen charakterisiert und Determinanten und
Effekte dieser vier Strategien untersucht.

Ausgehend von der Handlungsregulationstheorie (vgl. z. B. Frese & Zapf, 1994; Volpert,
1982) wird im ersten Kapitel ein Modell von vier charakteristischen Vorgehenssequenzen
beschrieben, die als Strategien der Handlungsregulation verstanden werden. Dieses Modell
umfasst die planende, die momentane, die opportunistische Handlungsstrategie und die
Handlungsstrategie des kritischen Punkts.

Im zweiten Kapitel wird der empirische Erkenntnisstand anhand einer Literaturanalyse
dargestellt. In dieser Literaturanalyse wird deutlich, dass strategische Vorgehensweisen in
verschiedenen Forschungsbereichen der Psychologie weitgehend unabhängig voneinander
beschrieben werden und sich dem Modell zuordnen lassen.

Das darauf folgende Kapitel zeigt, dass sich das theoretisch entwickelte vierfaktorielle Modell
der Handlungsstrategien empirisch stützen lässt. In der Analyse des strategischen Vorgehens
von Geschäftsführern kleiner und mittelständischer Unternehmen belegen die Ergebnisse
konfirmatorischer Faktorenanalysen, dass das vierfaktorielle Modell im Vergleich zu anderen
theoretisch denkbaren Modellen der Differenzierung von Strategien die beste Anpassung an
die Daten aufweist.

Im vierten Kapitel werden die Eignung verschiedener Methoden zur Erhebung der vier
Handlungsstrategien untersucht und eine Konstruktvalidierung der vier Strategien
vorgenommen. Dazu wurden die Ausprägungen der vier Strategien mit Hilfe von drei
unterschiedlichen Methoden (Kombination aus Beobachtung und lautem Denken, kognitives
Interview, Fragebogen) in einer Laborstudie erfasst und verglichen. Die Ergebnisse weisen
darauf hin, dass jede der vier Handlungsstrategien mit allen drei Methoden in ausreichender
Übereinstimmung erhoben werden kann (moderate konvergente Validität) und sich sowohl
bei gleicher als auch unterschiedlicher Erhebungsmethode ausreichend von den anderen drei
Strategien differenzieren lässt (hohe diskriminante Validität).

Im fünften Kapitel werden individuelle und situative Determinanten des strategischen
Vorgehens am Beispiel der Erfahrung des Handelnden und der Komplexität der Aufgabe
untersucht. Dabei kann experimentell gezeigt werden, dass das strategische Vorgehen durch
die aufgabenspezifische Erfahrung des Handelnden und durch die Komplexität der Aufgabe
bestimmt wird.

Im Anschluss daran wird im sechsten Kapitel die Bedeutung der Handlungsstrategien für die
Leistung unter komplexen Anforderungen analysiert. Die Ergebnisse der empirischen
Untersuchung in diesem Kapitel zeigen, dass eine vermehrte Anwen-dung der planenden
Handlungsstrategie einen positiven Effekt und der vermehrter Gebrauch der momentanen
Strategie einen negativen Effekt auf das Leistungser-gebnis bei der Bearbeitung komplexer
Anforderungen hat. Die Anwendungshäufig-keit der Handlungsstrategie des kritischen Punktsund der opportunistischen Handlungsstrategie hatten dagegen keine Effekte auf das
Leistungsergebnis.

Das siebte Kapitel untersucht den Zusammenhang zwischen den vier Handlungsstrategien und
der Beanspruchung. In einer Feldstudie mit Personen aus sozialen Berufsbereichen kann
gezeigt werden, dass die Handlungsstrategien den Zusammenhang zwischen belastenden
Arbeitsbedingungen (Zeitdruck, Unsicherheit) und Beanspruchung (Index aus psychosomatischen
Beschwerden und Symptomen der Gereiztheit/Belastetheit) verändern. Dabei
wird deutlich, dass die opportunistische Handlungsstrategie und die Handlungsstrategie des
kritischen Punkts den negativen Einfluss spezifischer Belastungen auf die erlebte
Beanspruchung reduzieren. Der Einsatz der planenden Handlungsstrategie geht vor allem bei
niedrigem Zeitdruck mit geringer Beanspruchung einher. Mit zunehmendem Zeitdruck nimmt
bei häufiger Anwendung der planenden Strategie die Beanspruchung zu. Die Funktionalität
der vier Handlungsstrategien wird auf dem Hintergrund dieser Erkenntnisse diskutiert.

Zum Abschluss werden im achten Kapitel kritische Argumente und offene Fragestellungen
erörtert, die vorliegenden Ergebnisse zusammenfassend bewertet und der weitere
Forschungsbedarf aufgezeigt. Die Bedeutung der Erkenntnisse für den beruflichen Kontext,
insbesondere für die Anwendung im Bereich der Personalentwicklung, wird dargestellt.