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Der Weg zurück zur Arbeit : geschlechts- und statusspezifische Differenzen in der Wirkung medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen

Dern, Wolfgang L.


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Dokument 1: Dissertation - Dokument 2: Anlagen

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Soziologie
Fachgebiet: Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.01.2003
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 11.02.2003
Kurzfassung auf Deutsch: Die Studie entstand aus der Beobachtung, dass die Geschwindigkeit mit der
beschäftigte Patienten nach der Entlassung aus einer stationären medizinischen
Heilmaßnahme an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, nicht nur mit dem Ausmaß der
Genesung oder dem Alter erklärt werden kann. Sie geht von der Überlegung aus,
dass Geschwindigkeit und Erfolg der beruflichen Rehabilitation nicht allein
durch eine gelungene klinische Maßnahme bestimmt werden, sondern mindestens
ebenso durch Einflussgrößen, die unabhängig von der Art der Erkrankung und
deren Behandlung auf eine Person einwirken. Welche Art von Einflussgrößen
bislang in Betracht gezogen wurden, wird im zweiten Teil der Studie diskutiert,
die sich kritisch mit Arbeiten aus verschiedenen Forschungstraditionen - aus
der Humanmedizin, der medizinischen Soziologie und Arbeitswissenschaft -
auseinandersetzt. Aus der Diskussion von Theorie und Forschungsarbeiten werden
dann Entscheidungen und Konzeptionen der eigenen Studie abgeleitet. Der dritte
Teil der Arbeit beschäftigt sich ausführlich mit der Methodik und dem
methodischen Unterbau der Untersuchung. Es wurden in verschiedenen
Rehabilitationskliniken über 30 narrative Interviews mit Patienten über ihre
Erkrankung und ihre weitere Lebensplanung durchgeführt, diese entsprechend den
Vorgaben der 'grounded theory' ausgewertet und mittels einer Idealtypenanalyse
(in Anlehnung an Uta Gerhard) verdichtet. Die Untersuchung folgt einem
zweistufigen Verfahrensplan: In einer ersten Phase wurden auf der Grundlage von
Literaturauswertung und narrativen Interviews die Konzepte, Erwartungen und
Ängste von Patienten nach einer stationären medizinischen
Rehabilitationsmaßnahme erhoben. Darauf aufbauend wurde eine qualitative
Untersuchung durchgeführt, bei der es darum ging, eine Reihe von Hypothesen,
die sich auf die Vorhersage der Rückkehrwahrscheinlichkeit bezogen in Form
einer Fragebogenuntersuchung zu überprüfen.



Zusammenfassend können die Ergebnisse wie folgt festgehalten werden:

1. Durch die Zusammenarbeit mit vier Rehabilitationskliniken Fachrichtung
Orthopädie, einer Klinik mit der Fachrichtung Onkologie und einer mit der
Fachrichtung -Atemwegserkrankung ist es gelungen, bei zwei Erhebungen, die im
Jahresabstand aufeinander folgten, zwei Kohorten von insgesamt 281 Personen zu
rekrutieren.

2. 214 Personen antworteten sechs Monate nach der Entlassung aus der Klinik
auf eine Nachfrage zum Erwerbstatus. Nach der Bereinigung um unvollständige Datensätze können die nachfolgenden Aussagen auf 157 Datensätze gestützt
werden.

3. 10 Teilnehmer an der Studie kehrten innerhalb des
Nachbefragungszeitraums nicht zur Arbeit zurück, zwei von ihnen hatten einen
Rentenantrag gestellt. 75 % der Teilnehmerinnen der Erhebung im Jahr 2000 und
im Jahr 2001 kehrten innerhalb von 6 Kalendertagen zur Arbeit zurück. Bei den
Männern kehrten im Jahre 2000 75 % innerhalb von 10 Tagen und im Jahr 2001
innerhalb von 13 Tagen zur Arbeit zurück.

4. Die Hypothesenprüfung ergab, dass Aspekte der Handlungsplanung, die
Absicht zur Arbeit zurück zu kehren und die Überzeugung des Arztes, dass sich
der Gesundheitszustand während der Behandlung gebessert habe bei beiden
Geschlechtern einen Einfluss auf die Rückkehrgeschwindigkeit haben.

5. Bei den Frauen hatte zusätzlich der Aspekt der Erholung während der
Behandlung und die Unterstützung durch den Lebenspartner einen Einfluss auf die
Rückkehrgeschwindigkeit.

6. Bei den Männern konnten folgende zusätzliche Einflussfaktoren für die
Rückkehrgeschwindigkeit ermittelt werden:

- Die Erwartung dass man bei der Rückkehr zur Arbeit auf Hilfen der
Gesellschaft rechnen dürfe.

- Das Ausmaß der Sorgen, die sich die Teilnehmer beim Gedanken an die Rückkehr zur Arbeit machten.

- Die Anzahl der bereits durchlaufenen Rehabilitationsmaßnahmen.

7. Die multivariate Modellierung der Konstrukte zeigte, dass bei den Frauen
die Konstrukte

- Handlungsplanung,

- Unterstützung durch den Lebenspartner und der

- Erholungswunsch

die größte Bedeutung für die Vorhersage der Rückkehrgeschwindigkeit hatten.

8. Bei den Männern ergab sich die größte Vorhersagegenauigkeit durch
folgende Konstrukte:

- Handlungsplanung,

- Reziprozität seitens der Gemeinschaft und des Arbeitgebers sowie

- Sorgen um die Gesundheit und die berufliche Leistungsfähigkeit bei der
Rückkehr zur Arbeit.