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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-10011
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2003/1001/


Das Wobbler-Syndrom (zervikale Spondylomyelopathie) beim Dobermann im Vergleich mit ausgewählten Rassen

The Wobbler-Syndrome (cervical spondylomyelopathy) in the dobermann pinscher in comparison with special breeds

Lautersack, Oliver


Originalveröffentlichung: (2002) Wettenberg : VVB Laufersweiler 2002
pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.905 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Chirurgische Veterinärklinik, Kleintierchirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-89687-599-X
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.09.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 07.01.2003
Kurzfassung auf Deutsch: Die Arbeit gibt Überblick über das derzeitige Wissen zum Wobbler-Syndrom beim Hund. Dabei finden ätiologische, pathogenetische und pathophysiologische sowie therapeutische Gesichtspunkte besondere Beachtung. Durch die eigenen Untersuchungen werden anhand von Messungen an Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule bei Hunden der Rasse Dobermann (n=98) bei physiologischer und gehaltener Lagerung reproduzierbare Werte für die Zervikalwirbel beim Dobermann erarbeitet. Diese werden mit Patienten aus 6 Vergleichsgruppen (n=182) in Beziehung gesetzt.

Durch unsere Untersuchungen konnten wir zeigen, dass das konventionelle Röntgen der Halswirbelsäule die anatomischen Strukturen in exaktem Verhältnis wiedergibt. Dies wurde durch den Vergleich von Röntgenbildern und entsprechend präparierten Halswirbelsäulen belegt. Die angewandte Röntgentechnik in physiologischer und definiert gehaltener Lagerung bietet bei der Auswertung umfassende Informationen über statische und dynamische Verhältnisse am Hals. Exakt gelagerte Röntgenaufnahmen haben sich für die meisten Patienten als ausreichend erwiesen. In Einzelfällen hat sich aber gezeigt, dass die Ergänzung durch weitere bildgebende Verfahren wie Computertomographie oder Magnetresonanztomographie die Diagnostik bei Patienten mit dem Verdacht auf Wobbler-Syndrom unterstützen kann. In jedem Fall muss die bildgebende Diagnostik am narkotisierten Patienten durchgeführt werden.

Wir konnten durch unsere Untersuchungen feststellen, dass beim Dobermann anatomische Unterschiede im Vergleich zu den Rassen Dt. Dogge (Gruppe 2), Bracke, Mittelschnauzer, Cocker, Beagle, Pudel, Collie, Windhund, Bobtail, Austr. Shepherd (Gruppe 3), DSH, BSH, Hütehund, Riesenschnauzer (Gruppe 4), Dackel, Zwergschnauzer, JRT, Spitz, Shi-Tsu, Chihuahua (Gruppe 5), Stafford Terrier, Boxer, Rottweiler (Gruppe 6), Retriever, Münsterländer, Hovawart, Dalmatiner, Husky, Irish Setter und Picard (Gruppe 7) bestehen.

Beim Dobermann ist der fünfte Halswirbel bereits länger als der vierte. Zusätzlich besteht eine breite Variabilität der Wirbelkörperlänge. Besonders das Verhältnis der dorsalen zur ventralen Wirbelkörperlänge zwischen C6 und C7 ist auffallend unterschiedlich angelegt.

Eine besondere Rolle kommt dem siebten Halswirbel zu. Wir konnten für den Dobermann zeigen, dass dieser Wirbel kürzer angelegt ist als bei den untersuchten Vergleichsrassen.

Der Dobermann zeichnet sich durch eine nach dorsal steife Halswirbelsäule im Bereich zwischen C3 und C7 aus. Besonders der Intervertebralspalt C6/7 ist beim Vergleich mit den Ergebnissen der übrigen Gruppen auffallend unbeweglich. Im Gegensatz dazu ist der Übergang zwischen C7/T1 bei dieser Rasse flexibler angelegt als bei allen anderen untersuchten Rassen.

Bei Betrachtung der ventralen Beugungsfähigkeit der HWS sind ebenfalls Auffälligkeiten erkennbar. Der Dobermann besitzt eine nach ventral sehr bewegliche Halswirbelsäule, wobei die möglichen Winkel bei den einzelnen Tieren sehr unterschiedlich sind.

Wir konnten neben der hohen Beweglichkeit der Halswirbelsäule beim Dobermann auch die große Schwankungsbreite zwischen möglichen Winkelungen an der kaudalen HWS feststellen.

Aus unseren Ergebnissen kann der Schluss gezogen werden, dass der Dobermann durch die typische Wirbelmorphologie und erhöhte Beweglichkeit der Halswirbelsäule eine Prädisposition zur Entwicklung des Wobbler-Syndroms besitzt. Die Prädisposition kann radiologisch dargestellt werden. Extreme Abweichungen von der 'Norm' der Vergleichsgruppen erhöhen die Wahrscheinlichkeit zur Entwicklung klinisch-neurologischer Ausfälle. Da kaum Unterschiede zwischen klinisch gesunden und erkrankten Hunden der Rasse Dobermann bestehen, muss davon ausgegangen werden, dass es sich um eine multifaktorielle Ätiologie handelt, wobei die Addition mehrerer ungünstiger Voraussetzungen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Wobbler-Syndroms erhöht. Dies entspricht auch dem bevorzugten Erkrankungsalter von 6 bis 7 Jahren.

Wir konnten außer bei dorsaler Überstreckung der HWS keinen signifikanten Unterschied zwischen klinisch gesunden und am Wobbler-Syndrom erkrankten Hunden der Rasse Dobermann feststellen. In Verbindung mit den Abweichungen von der anatomischen Normalform der Halswirbel bei Hunden der Vergleichsgruppen muss davon ausgegangen werden, dass nicht nur einzelne Tiere, sondern die Rasse Dobermann in ihrer Gesamtheit für die Entstehung des Wobbler-Syndroms prädisponiert ist. Ob der Dobermann am Wobbler-Syndrom erkrankt, ist demnach nur abhängig von zusätzlichen negativen Einflüssen und damit prinzipiell eine Frage der Zeit.
Kurzfassung auf Englisch: This paper shows a survey of the current literature of wobbler syndrome in dogs, regarding etiology, pathogenesis, pathophysiology, and therapy. Normal sizes of cervical vertebrae in Doberman pinschers in normal and also in stretched position are collected by reproducible x-rays in the research data. These data were related and statistically analysed.

We were able to show, that conventional x-ray of the cervical spinal column exactly expresses the anatomical structures. This was verified by comparing the x-ray pictures with prepared cervical vertebrae. The x-ray technology we used in physiological and defined stretched position provides a lot of informations about the statistic and dynamic situation of the cervical spinal column. It was sufficient for most clinical patients. Only single cases needed further diagnostics as computertomography or magnetic resonance imaging. In any case the diagnostic procedure has to be done with the patient anesthetised.

We found out anatomic differences between the Doberman pinscher and other breeds like the Great Dane (Group 2), Bracke, Mittelschnauzer, Cocker spaniel, Beagle, Pudel, Collie, Bobtail, Austr. Shepherd (Group 3), DSH, BSH, Sheep dog, Riesenschnauzer (Group 4), Teckel, Zwergschnauzer, JRT, Spitz, Shi-Tsu (Group 5), Staffordshire Terrier, Boxer, Rottweiler (Group 6), Retriever, Münsterländer, Hovawart, Dalmatiner, Husky, Irish setter and Picard (Group 7).

In the Doberman pinscher the fifth cervical vertebra is already longer then the fourth. Additionally there is a high variation of the vertebral length. Especially the relationship between the dorsal and ventral vertebral length of C6 and C7 is striking variable.

The seventh cervical vertebra is of special importance in the spinal column of the Doberman pinscher. We were able to show that this vertebra is shorter in this breed than in the breeds of the control groups.

By evaluating the results of hight of the vertebral bodys we coud demonstrate, that the cranial endplate of C7 shows an abnormal length.

The Doberman pinscher shows a rigid cervical spinal column between C3 and C7 when it is stretched in the dorsal direction. Especially the intervertebral space of C6/7 is remarkable rigid in comparison to the other groups. By way of contrast the intervertebral space of C7 and T1 is even more mobile than in all other examinded breeds.

By focussing the ventral bending of the neck we found some distinctive features as well. The Doberman pinscher has a very movable cervical spinal column in the ventral direction with very variable angles in different dogs.

Besides the great mobility we found out a huge variation of potential angles at the caudal cervical spinal column.

Finally the conclusions can be drawn, that the Doberman pinscher has a predisposition to the Wobbler-Syndrome by its typical vertebral anatomy and the increased mobility of the neck. This predisposition can be shown radiographically. Extreme deviations from what was found to be 'normal' in the control groups increase the probability of neurological deficits. As there were only very few differences between healthy and sick Doberman pinschers, it must be a matter of multifactorial etiology. The addition of several harmful details increases the probability of clinical illness. This reflects the typical age of 6 to 7 years showing signs of Wobbler-Syndrome.

Except the dorsal extension of the neck we did not find any significant differences between healthy dogs and Wobbler-patients of the Doberman pinscher breed. In conjunction with the deviations of normal anatomy of cervical vertebrae of the control breeds we assume that not only single dogs, but the whole breed of the Doberman pinscher is predisposed to Wobbler-syndrome. Whether the single Doberman pinscher gets sick it is only a question of time and depends on additional negative influences.