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Pränatale RhD- und AB0-Diagnostik aus Fruchtwasser mittels Polymerasekettenreaktionen

Schweidler, Kerstin


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Klinische Chemie, Klinische Immunologie und Humangenetik, Institut für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin des Klinikums
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.04.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 05.12.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Die Rhesus-Blutgruppenantigene werden von zwei Genen (RHD und RHCE) auf Chromosom 1 codiert. Das RHD-Gen lässt sich bei
RhD-positiven Menschen durch eine Polymerasekettenreaktion amplifizieren.


Im Rahmen der Pränataldiagnostik kann nach Amniozentese die Bestimmung der kindlichen RhD-Zugehörigkeit aus fetaler DNA erfolgen.
Die molekulargenetische RhD-Bestimmung aus Fruchtwasser ist im Vergleich zur Entnahme von Nabelschnurblut zur serologischen
RhD-Typisierung weniger riskant und führt in einem geringeren Prozentsatz zu einer Immunisierung der Mutter.


Im Rahmen dieser Studie wurden 252 Fruchtwasserproben mit zwei verschiedenen RhD-PCR-Methoden genotypisiert. In 114 Fällen lag
postpartal der serologische RhD-Phänotyp des Kindes vor, so dass Sensibilität und Spezifität der beiden Methoden evaluiert werden
konnte.


In 95,6% waren die serologische und die molekulargenetische RhD-Typisierung identisch. In zwei Fällen wurde das Kind einer
RhD-positiven Mutter mit beiden Methoden falsch-positiv genotypisiert. Die Blutgruppenkonstellation von Mutter und Kind sowie die
Bestimmung der AB0-Blutgruppenantigene bestätigten die Vermutung der Kontamination des Amniozentesematerials durch mütterliche
Zellen.


Bei der Genotypisierung der Proben von 27 RhD-negativen Müttern wurden die Kinder bis auf eine Ausnahme korrekt mit beiden
PCR-Methoden genotypisiert. Durch den Einsatz mehrerer PCR-Methoden und unter Verwendung verschiedener Primer kann bei
immunisierten RhD-negativen Müttern der Rhesus-Status des Kindes bereits früh in der Schwangerschaft zuverlässig bestimmt werden.
Bei RhD-negativen Kindern kann anschließend auf eine risikoreiche Nabelschnurpunktion verzichtet werden. Bei RhD-positiven Kindern
besteht die Möglichkeit, die Risikoschwangerschaft ab einem frühen Zeitpunkt optimal zu betreuen.


Die hier evaluierten Methoden zur pränatalen Rhesusdiagnostik durch PCR ergeben bei Kaukasiern zuverlässige Ergebnisse, sofern
mindestens zwei verschiedene RhD-PCR-Methoden angewandt werden. Ausgenommen sind hiervon RhD-negative Phänotypen, die ein
RHD-Gen besitzen, das nicht exprimiert wird. Bei Nicht-Kaukasiern müssen die Ergebnisse mit Vorsicht betrachtet werden. Der Einsatz
einer sequenzspezifischen PCR oder die Auswahl spezifischer Primer kann in diesen Fällen von Nutzen sein.


Der Einsatz einer AB0-PCR in der pränatalen Diagnostik erscheint aufgrund mangelnder Indikation nicht sinnvoll. Diese Methode sollte nur
zum Einsatz kommen, wenn die Aussagekraft serologischer Untersuchungen beeinträchtigt ist.