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Über die Bedeutung der Plazenta im Androgenstoffwechsel der Perinatalperiode unter Berücksichtigung des fetalen Geschlechts und möglicher Zusammenhänge zwischen fetalen Reifungsprozessen und maternalen sowie fetalen Androgenserumkonzentrationen

Dressel, Michael Karl Georg


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Kinderheilkunde des Klinikums, Abteilung für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.11.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 02.12.2002
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurden die Serumkonzentrationen verschiedener Androgenmetaboliten in der Nabelschnurarterie und -vene
sowie im mütterlichen Venenblut gemessen. Die Auswahl der Androgene (Androstendion (A), Dehydroepiandrosteron (DHEA),
Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHEA-S), Testosteron (T), Dihydrotestosteron (DHT) und 3alpha-Androstandiol-Glucuronid (3alpha-diolG))
wurde dabei so getroffen, dass der Stoffwechsel vom Aufbau über die Wirkform zum Abbau nachvollziehbar wurde. Mittels statistischer
Methoden wurden Interaktionen zwischen dem fetalen (Nabelschnurarterie), plazentaren (Nabelschnurvene) und maternalen Kompartiment
ermittelt.


Die vorliegenden Ergebnisse erhärten die Hypothese einer zentralen Bedeutung der Plazenta im perinatalen Androgenstoffwechsel. Neben
einer trennenden Funktion der Plazenta, die sich in der Konstellation der T- und DHT-Serumkonzentrationen zeigt, stehen besonders
integrative Stoffwechselvorgänge auf Ebene der Plazenta im Vordergrund. So scheint mütterliches DHEA und DHEA-S nach plazentarer
Hydroxylierung zu A partiell über die Nabelschnurvene in den Feten ausgeschleust zu werden. Überdies erfolgt in der Plazenta aus fetalem
DHEA-S und A die Synthese von Testosteron, welches in den fetalen Kreislauf abgegeben wird. Analoge Zusammenhänge finden sich
zwischen den umbilikalarteriellen T- und DHT-Spiegeln und den umbilikalvenösen 3alpha-diolG- Konzentrationen, was für einen Abbau
fetaler androgener Wirkformen auf Ebene der Plazenta spricht. Eine ungehinderte Passage der Plazenta, auch zwischen mütterlichem und
fetalem Kreislauf, scheint im Falle des 3alpha-diolG stattzufinden.


Im ersten Schwangerschaftstrimenon liegen beim männlichen im Vergleich zum weiblichen Feten deutlich höhere Androgenserumspiegel
vor; diese geschlechtsspezifische Differenz ist für die Anlage der männlichen Geschlechtsorgane unabdingbar. Interessanterweise finden
sich in der vorliegenden Arbeit zum Zeitpunkt der Geburt keine eindeutigen Hinweise für einen geschlechtsspezifischen fetalen oder
plazentaren Androgenstoffwechsel, was für eine Regression der androgenen Stoffwechselvorgänge beim männlichen Feten im weiteren
Verlauf der Schwangerschaft spricht.


Ausgehend von einem geschlechtsunabhängigen Androgenstoffwechsel zum Zeitpunkt der Geburt prüften wir in der vorliegenden Arbeit, ob
den Androgenen in diesem Schwangerschaftsabschnitt neben ihrer Substratfunktion für den plazentaren Östrogenstoffwechsel eine weitere
Funktion zukommt, wobei die Frage nach der Beeinflussung der fetalen Reifungsprozesse in Anlehnung an andere Abschnitte der
menschlichen Entwicklung im Vordergrund stand. So sind die in der Nebennierenrinde synthetisierten Androgenmetaboliten A und DHEA
obligat für den präpubertären Wachstumsschub, eine Tatsache, die uns nach ähnlichen Zusammenhängen in der Perinatalperiode suchen
ließ. Nach der Datenlage dieser Arbeit kann zum Zeitpunkt der Geburt kein direkter Zusammenhang zwischen den fetalen, plazentaren und
maternalen Androgenserumkonzentrationen und dem Körpergewicht des Neugeborenen nachgewiesen werden. Eine Beeinflussung des
fetalen Wachstums durch Androgenmetaboliten scheint demnach in der Perintatalperiode auf endokrinem Weg nicht stattzufinden, was im
Gegensatz zu anderen oben erwähnten Abschnitten der menschlichen Entwicklung steht.


Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit weisen auf komplexe Vorgänge im Androgenstoffwechsel der Perinatalperiode hin. Es finden sich
Beziehungen zwischen dem mütterlichen, fetalen und plazentaren Kompartiment, wobei der Plazenta eine zentrale Rolle zuzukommen
scheint. Es finden sich keine Hinweise für einen geschlechtsspezifischen Androgenmetabolismus zum Zeitpunkt der Geburt sowie keine
eindeutigen Zeichen einer endokrinen Beeinflussung des intrauterinen Wachstums durch Androgene in der Perinatalperiode.