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Epidemiologischer Gebißstatus bei Zahnmedizinstudenten unter besonderer Berücksichtigung kieferorthopädischer Aspekte

Nolting, Ingrid


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.10.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 12.12.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Untersucht wurden 121 Zahnmedizinstudenten (67 Männer, 54 Frauen) zu Beginn ihres Studiums. Verglichen wurden 51 Probanden, die
nie kieferorthopädisch therapiert worden waren mit 70 Probanden, die früher kieferorthopädisch behandelt worden waren. Es wurde
weiterhin unterschieden, ob die Behandlung durch einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie (48 Probanden) oder durch einen allgemein
tätigen Zahnarzt (22 Probanden) durchgeführt worden war.


In der hier vorliegenden Studie sollte neben der Fragestellung nach dem Status der Zahngesundheit und dem kieferorthopädischen Status
im Allgemeinen untersucht werden, ob eine kieferorthopädische Behandlung einen Einfluß auf die Zahngesundheit hat und ob sich
bezüglich des Langzeiterfolges einer kieferorthopädischen Behandlung Unterschiede in Abhängigkeit vom Ausbildungsgrad des
Behandlers (Fachzahnarzt für Kieferorthopädie oder allgemein tätiger Zahnarzt) ergeben.
Die Zahngesundheit wurde durch Ermittlung des DMF(T)- bzw. DM(T)- Index beurteilt. Situationsmodelle ermöglichten die Erfassung des
kieferorthopädischen Status. Zur Bewertung des kieferorthopädischen Behandlungsbedarfes wurde sich der DHC (Dental Health
Component) des IOTN (Index of Orthodontic Treatment Need) bedient.


Die Untersuchung ergab folgende Resultate:


1.Im Gesamtprobandengut zeigte sich ein durchschnittlicher DMF(T)-Wert von 8,0 und ein durchschnittlicher DM(T)-Wert von 1,7.
Geschlechtsspezifisch waren keine signifikanten Unterschiede zu verzeichnen. Eine bereits früher durchgeführte kieferorthopädische
Therapie konnte beide Werte signifikant beeinflussen. So zeigte die kieferorthopädisch unbehandelte Gruppe einen
DMF(T)-Mittelwert von 9,6 im Vergleich zu der kieferorthopädisch behandelten Gruppe mit einem DMF(T)-Mittelwert von 6,9
(p=0,022). Bei Betrachtung des DM(T)-Wertes wies die kieferorthopädisch unbehandelte Gruppe einen Mittelwert von 2,2 und die
kieferorthopädisch behandelte Gruppe eine Mittelwert von lediglich 1,4 auf (p=0,012).


2.Die Prävalenz von Zahnstellungs- und Okklusionsanomalien war geschlechtsunabhängig hoch. Eine sagittale Okklusionsabweichung
im Seitenzahngebiet fand sich bei 36,4% und eine vertikale bei 12,4%. Bei 53,7% der Probanden zeigte sich eine sagittale und bei
55,4% eine vertikale Okklusionsabweichung im Frontzahnbereich. Transversale Okklusionsabweichungen fanden sich im
Seitenzahnbereich bei 20,7%, und im Frontzahnbereich bei 47,9%. Engstände konnten bei 38,8% evaluiert werden, Lücken bei
19,0%. Einzelzahnfehlstellung war mit 98,3% am häufigsten vertreten.


3.Der Langzeiterfolg einer kieferorthopädischen Behandlung im Sinne reduzierter Häufigkeiten von Zahnstellungs- und
Okklusionsanomalien ist größer, wenn die Behandlung durch einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie anstatt eines Hauszahnarztes
durchgeführt wurde. Am deutlichsten (p=0,04) war dies für die Angle- Klassifikation. Bei einer Behandlung durch den Fachzahnarzt für
Kieferorthopädie war lediglich bei 19 % der Probanden ein auffälliger Befund erhebbar (Klasse II 16,7 %, Klasse III 2,3 %),
wohingegen in der Probandengruppe, die durch den Hauszahnarzt behandelt wurde, immerhin noch 68 % Anomalien der
Kieferrelation zeigten (Klasse II 45,3 %, Klasse III 22,7 %). Entsprechende Ergebnisse zeigten sich bei der Ermittlung von
Engständen. Über die Hälfte der vom Hauszahnarzt behandelten Probanden wiesen Engstände auf, während dies in der Gruppe der
vom Fachzahnarzt für Kieferorthopädie therapierten Personen nur in 25 % der Fall war (p=0,02). Für die übrigen Anomalien der
Zahnstellung ließen sich keine signifikanten Unterschiede nachweisen, jedoch zeigte der Trend regelmäßig eine höhere Erfolgsrate
durch den Kieferorthopäden.


4.Auch der Grad des kieferorthopädischen Residual-Behandlungsbedarfes ist abhängig vom Ausbildungsgrad des Behandlers. Einen
moderaten bis sehr großen Behandlungsbedarf (IOTN Grad III-V) zeigten 59 % der hauszahnärztlich im Vergleich zu 29 % der
fachzahnärztlich behandelten Individuen.
Kurzfassung auf Englisch: 121 dental students (67 male, 54 female) were examined at the beginning of undergraduate training. 51 individuals without previous
orthodontic treatment were compared to 70 individuals with a history of orthodontics. In addition, it was differentiated whether the
orthodontic treatment had been performed by a certified orthodontist (48 individuals) or by a general dental practitioner (22 individuals).


Besides assessing the general dental health and orthodontic status of the individuals it was the aim of the study to investigate if orthodontic
treatment has a positive effect on general dental health. Furthermore, it was to be analysed if the long-term success of orthodontic treatment
depends on the therapist’s level of training (certified orthodontist or general dental practitioner).


Dental health was evaluated using the DMF(T)- and DM(T)-Indices. Dental casts were analysed to determine the orthodontic status. The
DHC (Dental Health Component) of the IOTN (Index of Orthodontic Treatment Need) was used to evaluate the remaining orthodontic
treatment need.


The investigation revealed the following:


1.Average DMF(T)- and DM(T)-Indices in the whole subject material were 8.0 and 1.7, respectively. No significant gender differences
were found. A previous orthodontic treatment had a significant effect on both indices. While the untreated group exhibited an average
DMF(T)-value of 9.6, the orthodontically treated group showed an average value of 6.9 (p=0,022). Correspondingly, the DM(T)-Index
in the untreated group showed an average value of 2.2 , while in the orthodontically treated group the average Index amounted to only
1.4 (p=0,012).


2.The prevalence of single tooth position and occlusal anomalies was high regardless of the sex. A deviation from the normal sagittal
occlusal relationship was found in 36.4% and from normal overjet in 53.7%. A lateral open bite (mainly single teeth) was present in
12.4% of the individuals and a deviation from normal overbite in 55.4%. Anomalies of the transverse occlusal relationship in the
buccal segment were found in 20.7% of the individuals, while in the frontal segment they were present in 47.9% of the cases.
Crowding was seen in 38.8% and spacing in 19.0%. Single tooth malalignment was the most common finding, being present in
98.3% of the subjects.


3.The long-term success of orthodontic treatment in terms of a lower frequency of single tooth position and/or occlusal anomalies was
higher for treatments performed by certified orthodontists compared to general dental practitioners. This was most obvious (p=0.04)
for the sagittal dental arch relationship. While individuals treated by certified orthodontists exhibited sagittal dental arch relationship
deviations in only 19% (Class II 16.7%, Class III 2.3%), this was the case for 68 % (Class II 45.3%, Class III 22.7%) of the general
dental practitioner subjects. Comparable results were found for crowding (p=0.02), which was present in more than half of the general
dental practitioner subjects but only in 25% of the certified orthodontist group. All other occlusal or tooth position anomalies exhibited
no significant differences between the groups. However, there was a general tendency towards higher success rates in the group
treated by certified orthodontists.


4.The degree of remaining orthodontic treatment need depended upon the therapist’s level of training. A moderate to very high
treatment need (IOTN degree III-V) was present in 59 % of the individuals treated by general dental practitioners compared to 29 % of
the subjects treated by certified orthodontists.