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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-8649
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2002/864/


Einfluß des Flowmodus und der Dauer der extrakorporalen Zirkulation auf Translokation von Endotoxin aus dem Intestinaltrakt und Zytokinbildung

Wendling, Jutta


pdf-Format: Dokument 1.pdf (542 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik I, Bereich Klinische Pathophysiologie u. Experimentelle Medizin u. Medizinisches Zentrum für Chirurgie, Anästhesiologie u. Urologie, Klinik für Herz- u. Gefäßchirurgie des Kliniku
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.10.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 26.11.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel: Die Studie soll klären, welchen Einfluß der Flowmodus und die Dauer der extrakorporalen Zirkulation (EKZ) bei kardiochirurgischen
Eingriffen auf die Endotoxintranslokation aus dem Darm hat. Wir untersuchten, ob die umstrittene pulsatile Perfusion über eine
Verbesserung der intestinalen Mikrozirkulation zu einer Verminderung des freiwerdenden Endotoxins führt. Parallel hierzu wurde das
Ausmaß und das zeitliche Auftreten der Bildung von Zytokinen, speziell von Interleukin (IL) 6 und 8, untersucht und die Abhängigkeit von der
Endotoxinfreisetzung ausgewertet.



Methodik: Das untersuchte Patientenkollektiv bestand aus 48 Erwachsenen, die sich einer elektiven kardialen Revaskularisierung
und/oder Klappenimplantation unterzogen. Bei 24 Studienteilnehmern kam das pulsatile Perfusionsverfahren zur Anwendung. Es wurden
die Plasmakonzentrationen an Endotoxin und IL 6 und 8 bestimmt. Um die unterschiedliche Bypasszeit zu berücksichtigen, erfolgte bei der
Auswertung zusätzlich eine Differenzierung zwischen den Patienten mit einer EKZ-Dauer von weniger und mehr als 97 Minuten (Median).



Ergebnisse: Die Endotoxinplasmakonzentration stieg während der EKZ bei allen Patienten an. 30 Minuten nach EKZ fanden sich
signifikant niedrigere Spitzenwerte bei den Patienten mit pulsatilem Perfusionsverfahren. Das Ausmaß der Endotoxinämie war jedoch nicht
abhängig von der Dauer der EKZ. Etwa eine Stunde nach Anstieg des Endotoxins kam es zu einer Zunahme der Plasmakonzentrationen
von IL 6 und 8 und die Spitzenwerte korrelierten signifikant mit der Bypasszeit, nicht aber mit dem Flowmodus. Eine Bypasszeit > 97 min
war mit einer deutlich höheren Konzentration von IL6 und 8 verknüpft.


Hinsichtlich der Abhängigkeit zwischen Endotoxinämie und Zytokinsynthese fand sich nur eine schwache Korrelation, so daß postuliert
werden muß, daß die Freisetzung von Endotoxin aus dem Intestinaltrakt während der EKZ nicht der alleinige Auslöser der Zytokinbildung
ist.


Vielmehr scheinen die veränderten Verhältnisse im Rahmen des kardiopulmonalen Bypasses durch den Kontakt mit großen
Fremdoberflächen und der Traumatisierung des Blutes im extrakorporalen System mit zunehmender Dauer, ferner der chirurgische Eingriff
an sich die maßgeblichen Stimuli zur Zytokinsynthese zu sein. Endotoxin, als potenter Stimulus bekannt, spielt als Auslöser eine eher
untergeordnete Rolle.


Die Daten legen nahe, daß die Endotoxinfreisetzung aus dem Darm während der EKZ unmittelbar von der Qualität der intestinalen
Mikrozirkulation abhängig ist, die unter anderem durch die Verwendung des pulsatilen Perfusionsmodus positiv zu beeinflussen ist. Die
Dauer der EKZ zeigt keinen Einfluß. Inwieweit die Anwendung des alternativen, vielfach kontrovers diskutierten pulsatilen Flowmodus einen positiven Effekt auf das klinische Ergebnis hat, muß Gegenstand weiterer Studien bleiben.