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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-8582
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2002/858/


Traumatogene Keimschädigungen bleibender Zähne und Häufigkeit traumatischer Gebissverletzungen bei Kindern und Jugendlichen

Hergenröther, Katayoon


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Kinderzahnheilkunde des Klinikums
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.10.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 18.11.2002
Kurzfassung auf Deutsch:
In einer retrospektiven Studie wurden in einem ersten Versuchsabschnitt Häufigkeit und Ursachen aller im Zeitraum von 1982 bis 1996 in
der Abteilung für Kinderzahnheilkunde in Gießen registrierten Fälle mit Traumata im Bereich der Mundhöhle bestimmt. Im zweiten
Versuchsabschnitt erfolgte die Erfassung der im Zeitraum von 1982 bis 1998 protokollierten Fälle mit traumatisch bedingten Fehlbildungen
an bleibenden Zähnen nach vorausgegangenem Milchzahntrauma. Für die Befunderhebung standen Krankenunterlagen, klinische
Fotodokumentationen und Röntgenaufnahmen der betroffenen Zähne zur Verfügung.


Von 6950 poliklinischen Neuaufnahmen wurden insgesamt im Erhebungszeitraum 486 Patienten mit traumatischen Verletzungen im
Bereich der Mundhöhle ermittelt. Davon handelte es sich in 300 Fällen (61,7%) um Traumata an Milchzähnen (MG), in 156 Fällen (32,1%)
um Traumata an bleibenden Zähnen (BG) und in 30 Fällen (6,2 %) um ausschließliche Weichteilverletzungen.


Sowohl im Milchgebiss als auch im bleibenden Gebiss ereigneten sich die Unfälle am häufigsten im privaten Umfeld [MG: 216 (90,4%),
BG: 67 (53,2%)], wobei Sturzverletzungen auf das Gesicht die häufigste Ursache für die Zahnverletzungen waren [MG: 188 (84,7%), BG: 60
(55,1%)].


Bezogen auf die Jahreszeiten ergab sich, dass die Patienten mit Milchzahntraumata mit 79 Fällen (30,5%) am häufigsten im Frühjahr und
die Patienten mit Traumata an bleibenden Zähnen mit 44 Fällen (31,9%) am häufigsten im Winter ihren Unfall erlitten hatten.


Die Auswertung der aufgetretenen Verletzungstypen ergab, dass Kronenfrakturen sowohl im Milchgebiss als auch im bleibenden Gebiss
am häufigsten auftraten [MG: 170 (27,0%), BG: 220 (64,7%)]. Im Milchgebiss verteilte sich die Häufigkeit der weiteren Verletzungstypen
wie folgt: partielle Luxationen 159 (25,2%), Subluxationen 132 (20,9%), Avulsionen 72 (11,4%), Einblutungen 69 (10,9%), kombinierte
Kronen/Wurzelfrakturen 17 (2,7%) und Wurzelfrakturen 12 (1,9%). Im bleibenden Gebiss ergab sich bezüglich der weiteren
Verletzungstypen folgende Häufigkeitsverteilung: 60 Subluxationen (17,6%), 32 Avulsionen (9,4%), 17 partielle Luxationen (5,0%), 5
Wurzelfrakturen (1,5%), 4 kombinierte Kronen/Wurzelfrakturen (1,2%) und 2 Einblutungen (0,6%). Sowohl im Milch- als auch im bleibenden
Gebiss waren bei allen Verletzungs-formen die mittleren Schneidezähne des Oberkiefers am häufigsten betroffen.


Aus der Gesamtzahl von 7958 Patientenneuaufnahmen für den Zeitraum von 1982 bis 1998 lagen bei 34 Kindern und Jugendlichen nach
vorangegangenem Milchzahntrauma Spätfolgen im bleibenden Gebiss vor. Die Patienten wiesen insgesamt 80 geschädigte permanente
Zähne auf, davon waren die mittleren Schneidezähne des Oberkiefers am häufigsten betroffen.


Unter den klinisch zu beobachtenden Merkmalen wurden parodontale Befunde mit 57 Notierungen (71%) am häufigsten diagnostiziert;
danach folgten Zahnhartsubstanzschädigungen mit 54 (68%) und Zahnfehlstellungen mit 34 Nennungen (43%).


Betrachtet man die aufgetretenen parodontalen Befunde, so traten wulstig aufgeworfene Gingivaränder mit 28 Fällen (49%) am häufigsten
auf. Bezogen auf Schädigungen der Zahnhartsubstanz waren Hypomineralisationen (Schmelzverfärbungen) mit 52 Zähnen (96%) am
häufigsten vertreten. Bei Zahnfehlstellungen wurde der verlagerte Durchbruch mit 22 Zähnen (65%) am häufigsten beobachtet.


Die röntgenologische Auswertung ergab für 34 Zähne (43%) eine unterschiedliche Darstellung der prä- und posttraumatisch gebildeten
Zahnhartsubstanz. Danach folgten 18 Zähne (23%) mit Obliterationen der Pulpacava und 13 (16%) mit Wurzelabknickungen.


Aus den Ergebnissen läßt sich folgern, dass nach Milchzahntraumata neben Fehlstrukturierungen der Zahnhartsubstanzen und
Zahnfehlstellungen auch Schädigungen des Zahnhalteapparates an den bleibenden Zähnen auftreten können. Das Ausmaß der möglichen
Defekte ist jedoch zum Zeitpunkt des Traumas prognostisch noch unsicher; allerdings müssen die Eltern betroffener Kinder auf mögliche
Keimschädigungen der permanenten Nachfolger hingewiesen werden. Darüber hinaus können anhand der Ergebnisse dieser Studie
künftig die Inhalte kinderzahnärztlicher Aus- und Fortbildungen zur Diagnostik und Therapie traumatischer Zahnverletzungen im Milch- und
bleibenden Gebiss und ihre Spätfolgen stärker als bisher gewichtet werden.

Kurzfassung auf Deutsch: This retrospective study regards 7958 patients from the departement of pediatric dentistry, University of Giessen, with injuries of the oral
region. It is subdivided into two parts. In the first part the frequency and causale of all registered injuries during the years 1982 to 1996 were
determined. In the second part a compilation of the recorded cases which showed traumatically caused dysplasia on permanent teeth after
preceded deciduous tooth-trauma during the years 1982 to 1998 followed. Medical records, photographs and radiographs of the affected
teeth were reviewed.


During this period 6950 new patients were registered, 486 of them with injuries of the oral region. In 300 cases (61.7%) patients suffered
from injuries on deciduous teeth (DT), in 156 cases (32.1%) >from injuries on permanent teeth (PT) and in another 30 cases (6.2%) >from
solely injuries of the soft tissue. Both in deciduous teeth and in permanent teeth injuries mostly occured in a private surrounding [DT: 216
(90.4%), PT 67 (53.2%)] where collapse trauma was the most frequent causale [DT: 188 (84.7%), PT 60 (55.1%)]. The seasonal
distribution of injuries showed that 79 patients with injuries on deciduous teeth (30.5%) met with the accident in springtime and 44 patients
with injuries on permanent teeth (31.9%) met with the accident in winter. Most frequently crown-fractures occured both in deciduous teeth
and in permanent teeth were [DT: 170 (27.0%), PT 220 (67.7%)]. In deciduous teeth the frequency of other injuries was distributed as
follows: 159 partial luxations (25.2%), 132 subluxations (20.9%), 72 avusions (11.4%), 69 haemorrhagae (10.9%), 17 combined crown- and
root-fractures (2.7%) and 12 root-fractures (1.9%). The frequency of other injuries in permanent teeth revealed: 60 subluxations (17.6%), 32
avusions (9.4%), 17 partial luxations (5.0%), 5 root-fractures (1.5%), 4 combined crown- and root-fractures (1.2%) and 2 haemorrhagae
(0.6%). The first incisivi were affected both in deciduous teeth and in permanent teeth most frequently.


Out of the total number of the patients (7958) during the time-period >from 1982 to1998, 34 children developed dyplasia on permanent
teeth as a cause of an early deciduous tooth-trauma. In total these patients showed partially damage 80 permanent teeth. The upper first
incisivi were affected most frequently. Under clinical criterion 57 parodontal findings (71%) were registered, followed by 54 cases of
enamel-displasia (68%) and 34 defective positions (43%). Regarding the parodontal findings, bulging marginal gingiva occured with 28
patients (49%). Hypomineralisations (discolourations) occured with 52 cases (98%) of enamel displasia and the ectopics occured with 22
cases (43%) of defective positions. The roentgenographic evaluation revealed in 34 cases (43%) a different picture of pre- and
posttraumatically built enamel-structures. In 18 cases (23%) obliteration and in 13 cases (16%) deviated roots were found.


The investigation revealed the following results: besides enamel displasia and defective positions after decideus tooth trauma damage on
the parodontium in permanent set of teeth can occur. At the time of the injury the extent of possible defects is prognostically unsure, but
parents must be informed about possible dysplasia on permenent teeth. Beyond that further professional training concerning trauma in
deciduous and permanent teeth an the late effects should be offered.