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Die CORA-Studie : Ernährungs- und Lebensstil-bedingte Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit bei Frauen

Zyriax, Birgit-Christiane


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.791 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Ernährung , Medizin , Epidemiologie , Frauen , koronare Herzkrankheit , Risikofaktoren , Lebensstil , Nutrition , Medicine , Epidemiology ,
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinische Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf undInstitut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießenin Zusammenarbeit mit der Abteilung Epidemiologie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.09.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 31.10.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund

Arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen – insbesondere die koronare Herzkrankheit - stellen ein wesentliches
Gesundheitsproblem für Frauen dar. Unabhängig von diesen Fakten basieren die meisten Forschungsergebnisse auf Studien an Männern.
Aufgrund der hohen Morbidität und Mortalität wird primärpräventiven Maßnahmen zur Beeinflussung klassischer kardiovaskulärer
Risikofaktoren ein hoher Stellenwert eingeräumt. Eine Schlüsselfunktion hinsichtlich der Entwicklung der koronare Herzkrankheit scheint
dem Rauchen, einem ungesunden Lebensstil und insbesondere falschen Ernährungsgewohnheiten zuzukommen. Ziel der CORA-Studie
(Coronare Risikofaktoren für Arteriosklerose bei Frauen) war die Bestimmung des Einflusses von Ernährungs- und Lebensstil- abhängigen
Faktoren auf das koronare Risiko von Frauen.



Methoden

Im Rahmen eines populationsbezogenen Fall-Kontroll-Designs wurden 200 prä- und postmenopausale Frauen mit inzidenter koronarer
Herzkrankheit rekrutiert und dazu 255 gleichaltrige Kontrollpersonen aus denselben Stadtteilen randomisiert. Für die Erhebungen zur
Ernährung wurde ein selbstausfüllbarer, validierter Fragebogen (Food-Frequency) mit 146 Nahrungsmitteln eingesetzt. Weitere
Informationen über klassische Risikofaktoren, Familienanamnese und Medikation wurden mit Hilfe eines Lebensstil-Fragebogens und
eines computergestützten Zusatz-Interviews gewonnen. Darüber hinaus erfolgten anthropometrische Messungen, die Bestimmung des
Blutdrucks und die Gewinnung von Routinelaborparametern aus einer Nüchternblutprobe. Uni- und multivariate Analysen basierten auf
Standardmethoden.



Ergebnisse

Die Fälle berichteten über eine höhere Aufnahme an tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Wurstwaren. Das spiegelt sich in einer höheren
Zufuhr an Energie, tierischem Fett, Cholesterin und Protein wider. Umgekehrt verzehrten die Kontrollen mehr Gemüse und Obst. Sie tranken
mehr Alkohol, insbesondere in Form von Rotwein. Die Frauen der Fallgruppe führten einen ungesünderen Lebensstil charakterisiert durch
weniger körperliche Aktivität. Im Vergleich zu den Kontrollen verfügten die Fälle über einen niedrigeren soziodemographischen Status und
waren häufiger Hausfrauen. Die Anteile der Raucher waren in der gesamten Studienpopulation hoch, insbesondere im Alter unter 60 Jahren.
Fälle, die rauchten, zeigten schlechtere Ernährungsgewohnheiten und waren häufiger von zusätzlichen klassischen Risikofaktoren betroffen, die
das metabolische Syndrom charakterisieren. Der Taillenumfang und die Waist-to-hip Ratio waren in der Kontrollgruppe niedriger, während der
Body-Mass-Index keinen guten Prädiktor darstellte. Unterschieden. Beide Gruppen unterschieden sich deutlich in biochemischen und
klinischen Markern. Die Fälle hatten signifikant niedrigere HDL-Cholesterinspiegel und hatten häufiger einen Hypertonus, Diabetes oder eine
Insulinresistenz.


Im multivariaten Modell erwies sich die Ernährung – die Aufnahme an Fleisch und Wurstwaren – als eigenständiger Risikofaktor für koronare
Herzkrankheit bei Frauen unabhängig von den klassischen Risikofaktoren. Subgruppenanalysen zeigten, dass diese Beobachtung auch für
Hochrisikogruppen gilt: Fälle mit wesentlichen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Dyslipidämie, Hypertonus, Diabetes, Rauchen,
körperlicher Inaktivität oder zentraler Adipositas unterschieden sich von Kontrollen mit vergleichbarem Risikoprofil durch ein ungesünderes
Verzehrsmuster.



Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse der CORA-Studie weisen darauf hin, dass Bewegungsarmut und insbesondere falsche Ernährungsgewohnheiten das Risiko für
koronare Herzkrankheit bei Frauen erhöhen. Ein vermehrter Konsum von tierischen Lebensmitteln, weniger Obst und Gemüse und mangelnde
körperliche Aktivität sind mit einem höheren Risiko assoziiert. Das daraus entstehende metabolische Syndrom scheint das zentrale Problem zu
sein. Primärpräventive Maßnahmen durch gesunden Lebensstil und eine vernünftige Ernährung scheinen der Entwicklung der koronare
Herzkrankheit und ihrer Folgen entgegenzuwirken, selbst beim Vorliegen klassischer Risikofaktoren.
Kurzfassung auf Englisch: Background

Atherosclerotic cardiovascular disease – particularly coronary heart disease – is a major health issue of women. Despite this fact most
research comprises studies in men. The high morbidity and mortality of coronary artery disease especially in women calls for strong
emphasis on primary prevention to influence major cardiovascular risk factors. Smoking, a sedentary lifestyle and particularly poor dietary
habits are supposed to play a key role in the development of coronary heart disease. Aim of the Coronary Risk Factors for Atherosclerosis
in Women (CORA)-Study was to investigate nutrition- and lifestyle-dependent risk factors predisposing women for coronary heart disease.



Methods

In a population-based case-control design 200 pre- and postmenopausal women with incident coronary heart disease and 255
age-matched controls from the same neighborhood were recruited. For assessment of dietary habits a self-administered well evaluated
146-item food frequency questionnaire was used. Further information on major risk factors, family history and the medication was obtained
by a lifestyle questionnaire and a computer-assisted interview. Anthropometric parameters, blood pressure and various laboratory values
from fasting blood samples were determined. Univariate and multivariate analyses were performed by standard methods.



Results

Cases reported a higher consumption of animal food groups such as meat and sausages. This is reflected by a higher intake of energy,
animal fat, cholesterol and protein. In contrast the controls ate more vegetables and fruit. They also drank more alcohol, mostly due to a
higher intake of red wine. Cases followed a more sedentary lifestyle, characterized by less regular physical activity. Compared to controls
cases had a lower sociodemographic status and were more often homemakers. Smoking rates were high in the whole study population,
particularly below the age of 60. Smoking cases showed poor nutrition habits and were more often affected by additional classical risk
factors characterizing the metabolic syndrome. The body mass index was less predictive, while body circumference and the waist-to-hip
ratio were significantly lower in the control group. Biochemical and clinical markers distinguished the two groups in various aspects. Cases
had a notably lower HDL-cholesterol and had more often hypertension, diabetes or insulin resistance.


Multivariate analysis showed that nutrition – particularly the intake of meat and sausage – is a risk factor for coronary heart disease in
women independent of classical risk factors. Subgroup analyses demonstrated that this is even true for high risk groups: in addition to
major cardiovascular risk factors such as dyslipidemia, hypertension, diabetes, smoking, sedentary lifestyle or central adiposity cases
differed from controls with a comparable risk profile, by an unhealthy dietary pattern.



Conclusions

The findings of the CORA-Study indicates that a sedentary lifestyle and particularly poor nutrition characterizes women prone to coronary
heart disease. A higher consumption of animal food groups, less fruit and vegetables and no regular physical activity is associated with a
higher risk. The consecutively evolving metabolic syndrome appears to be the central problem. Primary prevention through a more healthy
lifestyle and a prudent diet should provide major protection against the development of coronary heart disease and its sequelae, even in the
presence of classical risk factors.