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Aufnahme und Retention von KOH-löslichem Fluorid auf Dentin unter erosiven Bedingungen nach einmaliger Applikation eines Aminfluorides : Eine Untersuchung in vitro und in situ

Hulvershorn, Andreas


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und präventive Zahnheilkunde des Universitätsklinikums
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.09.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 18.10.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Im Rahmen einer symptomatischen Therapie werden lokal applizierbare Fluoridverbindungen angewendet. Dabei wird als
Wirkmechanismus die Präzipitation CaF2-ähnlicher Verbindungen angenommen. Während die Präzipitation und Retention solcher
Verbindungen auf Schmelzflächen schon häufig untersucht wurde, ist bisher allgemein wenig über deren Stabilität unter sauren
Bedingungen auf Dentin bekannt. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es daher, die Menge des KOH-löslichen Fluorides auf Dentin zu
bestimmen, welches sich nach einmaliger Fluoridapplikation unter erosiven Bedingungen in vitro und in situ befindet.


Zu diesem Zweck wurden von retinierten menschlichen Weisheitszähnen (n = 20 in vitro; n = 30 in situ) je vier Dentinproben gewonnen. Die
Fluoridierung erfolgte extraoral für drei Minuten mit Elmex fluid (mit 1% F¯ aus den Aminfluoriden Olaflur und Dectaflur, pH-Wert 3,9). Die
Erosionen wurden in vitro 3 mal täglich in einem Abstand von 5 Stunden für jeweils 30 Sekunden mit Sprite Light (1% Zitronensäure, pH
2,8) durchgeführt. Die verbleibende Zeit lagerten die Proben in einer Remineralisationslösung. Die Proben wurden auf 4 Gruppen
aufgeteilt. Die Proben der ersten Gruppe wurden direkt nach der Fluoridierung, die Proben der zweiten Gruppe nach 2 Tagen unter
erosiven Bedingungen, die Proben der dritten Gruppe nach 4 Tagen unter erosiven Bedingungen und die Proben der vierten Gruppe nach
4 Tagen ohne erosive Bedingungen auf die Menge KOH-löslicher Fluoridverbindungen analysiert. Unfluoridierte Dentinproben dienten als
Negativkontrollgruppe. Die Proben der in situ Studie wurden ebenfalls in 4 Gruppen aufgeteilt, wobei die Proben zahnbezogen auf 4
Probanden verteilt wurden. Diese wurden in Gaumenplatten eingearbeitet, welche bis auf die Mahlzeiten ganztags getragen wurden. Die
Erosionen wurden durch 200 ml Sprite Light, welches mit 10 gleichmäßigen Schlucken innerhalb von 2 Minuten getrunken wurde, dreimal
täglich in einem Abstand von 5 Stunden durchgeführt. Die Proben der ersten Gruppe wurden sofort, die Proben der zweiten Gruppe nach 2
Tagen unter erosiven Bedingungen, die Proben der dritten Gruppe nach 7 Tagen unter erosiven Bedingungen und die Proben der vierten
Gruppe nach 7 Tagen ohne erosive Bedingungen analysiert. Die Menge an KOH-löslichem Fluorid wurde in beiden Versuchen mit einer
ionenselektiven Elektrode nach einem etablierten Standardverfahren nach Caslavska (1975) durchgeführt.


Die Ergebnisse zeigten in vitro nach einem hohen Ausgangsfluoridgehalt (93 µg/cm²) einen deutlichen Fluoridverlust nach 2 Tagen (7,4
µg/cm²) und nach 4 Tagen (5,1 µg/cm², p<=0.001) unter erosiven Bedingungen. Nach 4 Tagen ohne erosive Bedingungen ließ sich
dagegen noch 18,7 µg/cm2 KOH-lösliches Fluorid auf den Probenoberflächen nachweisen. Bei dem in situ Versuch waren nach einer
vergleichbar guten Fluoridanreicherung (82,2 µg/cm²) nach 2 Tagen unter erosiven Bedingungen noch 35,3 µg/cm² Fluorid und nach 7
Tagen noch 8,8 µg/cm² vorhanden. Ohne erosive Einflüsse waren nach 7 Tagen noch 45,3 µg/cm² Fluorid nachweisbar.


Die Ergebnisse beider Versuche zeigen, dass Dentin durch die einmalige Applikation von Elmex fluid gut mit Fluorid angereichert wurde,
welches in vitro und in situ unter erosiven Bedingungen in Lösung geht. Dabei war der Fluoridverlust um so stärker, je länger die Proben
den erosiven Einflüssen ausgesetzt waren. In situ waren die CaF2-Präzipitate wesentlich stabiler als in vitro, was auf die Ausbildung eines
Pellikels zurückzuführen sein könnte. Selbst nach einer Woche, welches dem empfohlenen Anwendungszyklus entspricht, konnte unter
erosiven Bedingungen in situ auf den Dentinproben noch 12 mal mehr KOH-lösliches Fluorid nachgewiesen werden als auf den
Kontrollproben.
Kurzfassung auf Englisch: There is some evidence that topical treatment with high concentrated fluoride may protect against erosive substance loss of teeth.
However, the mechanism and the degree of a possible protection is still unclear. Therefore, aim of this study was to evaluate the loss of
KOH-soluble fluoride on dentine under mild erosive conditions in vitro.


From 20 in vitro and 30 in situ human third molars 4 cylindrical dentine samples each were prepared. All specimens were treated with an
aminefluoride solution (1% F-) for 3 minutes. The amount of KOH-soluble fluoride was measured directly after one hour storage in artificial
saliva (in vitro and in situ), after two or four days (in vitro) and after two or seven days (in situ) under erosive conditions. Additionally 5
dentine samples were stored in artificial saliva for four days without erosive attacks and served as control. Erosive attacks were performed
by storage (in vitro) or drinking (in situ) a soft drink (pH 2.8) for 30 seconds three times daily. In between the specimens were stored in
artificial saliva or were worn in the moth. The analysis of KOH-soluble fluoride was performed according to Caslavska (1975).


In vitro directly after fluoridation the amount of KOH-soluble fluoride on dentin was 93.0±28,9, after two days 7,4±3,7 (p=0.001) and after
four days 5,1±2,1 µgF-/cm² (p=0.001). Samples stored for four days without erosive attacks exhibited 18,7±10,5 µgF-/cm² (p=0.001).


In situ directly after fluoridation the amount of KOH-soluble fluoride on dentin was 83.2±11, after two days 35,3±17,4 (p=0.001) and after
seven days 8,8±6,4 µgF-/cm² (p=0.001). Samples worn for seven days without erosive attacks exhibited 45,3±12,9 µgF-/cm² (p=0.001).


Even under mild erosive conditions KOH-soluble fluoride on dentine is lost rapidly in vitro but is much more stable in situ.