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Untersuchungen am Schädel des Steinmarders (Martes foina ERXLEBEN 1777) Schädelmaße und Gebißerkrankungen

Dierks, Karin


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Abt. Experimentelle Zahnheilkunde und Oralbiologie des Klinikums
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.05.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 26.09.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Untersucht wurden 226 mazerierte Steinmarderschädel.

In die craniometrische Auswertung fließen die Meßwerte von 94 Fähen und 111 Rüden ein. Die Zahnbefunde wurden bei 101 Fähen und
120 Rüden erhoben. Der Gebißzustand wird über den Zahnstatus und sämtliche Veränderungen an den Zähnen und am Alveolarfortsatz
erfaßt. Neben den craniometrischen Parametern werden alle Veränderungen des Knochens notiert.
Eine Altersbestimmung wird über Schädelmerkmale und das Zementzonenverfahren am Zahnwurzelzement vorgenommen.


Morphometrie

Dargestellt werden allgemeine Dimensionswerte zur Schädelmorphometrie des Steinmarders. Dabei bestätigte sich der
Sexualdimorphismus. Es zeigt sich, daß über Proportionswerte der Schädeldaten eine Differenzierung nach dem Geschlecht erfolgen
kann.


Altersbestimmung

Eine Altersbestimmung des Untersuchungsgutes durch die Zementzonenanalyse gelang nicht. Es wurde versucht, bei entkalkten gefärbten
Querschnitten durch die Zahnwurzel eine Darstellung der Zementzonen zu erreichen. Eine klar auswertbare Linienstruktur ließ sich jedoch
nicht darstellen. Eine Auswertung von unentkalkten Zahnschliffen hat sich bei anderen Autoren (ANSORGE 1995, 1998) am Steinmarder
als erfolgreich gezeigt und ist am vorliegenden Untersuchungsgut als weitere Arbeit geplant.
Da auch die Alterszuordnung nach Schädelmerkmalen nur eine grobe Einteilung zuläßt, wird auf eine altersabhängige Auswertung der
Daten verzichtet.


Zahn- und Gebißzustand

Trotz im Einzelnen auffälliger Schäden an der Zahnsubstanz und dem knöchernen Kauapparat des Steinmarders kann keine wesentliche
Beeinträchtigung der Tierart Steinmarder durch Zahn- und Gebißerkrankungen festgestellt werden.
Insbesondere mußte die Hypothese eines Vorkommens von primär infektionsbedingter marginaler Parodontitis und Karies beim
Steinmarder verneint werden. Karies findet sich in keinem einzigen Fall. Durch endogene und exogene Verfärbungen, sowie
Hartsubstanzverletzungen entstehen rein optisch kariesähnliche Läsionen, die jedoch bei näherer Untersuchung gut von kariösem
Geschehen abgegrenzt werden können.
Die Literaturrecherche gab Anlaß, an allen bisherigen Diagnosen von Karies bei freilebenden Wildtieren zu zweifeln. In allen Fällen liegt die
Vermutung nahe, daß es sich um Fehldiagnosen handelt, die auf farblich und strukturell kariesähnlichen Erscheinungen an der Hartsubstanz
der Zähne beruhen.
Trotz des Vorkommens von Zahnsteinablagerungen und somit von bakterieller Plaque tritt keine primär infektionsbedingte Parodontitis
marginalis auf. Die festzustellenden parodontalen Schäden sind stets auf wenige Zähnen beschränkt und entweder nichtentzündlicher Natur
oder sekundär nach einer traumatischen Läsion des Parodonts entstanden.
Die Literaturrecherche ergibt ein ähnliches Bild. Alle bei freilebenden Wildtieren beschriebenen Parodontitisfälle scheinen auf einer
traumatischen Läsion zu beruhen und finden sich häufig auf einzelne Zähne beschränkt. Die Läsion entsteht meist durch Impaktion von
Nahrungsbestandteilen.
Sowohl für Karies als auch für Parodontitis muß festgestellt werden, daß belagbildende Bakterien, zuckerhaltiges Nährsubstrat und
Zahnsteinbildung vorhanden sind. Da aber beide Erkrankungen nicht auftreten, ist anzunehmen, daß es sich bei der mikrobiellen Flora um
für diese Tierart primär apathogene Bakterien handelt. Sollte dennoch eine Pathogenität gegeben sein, so ist eine ausreichend starke
allgemeine Immunkompetenz und eine spezielle Immunkompetenz des Speichels zur Verhinderung von Karies und Parodontitis zu
postulieren.