Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-8216
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2002/821/


Evozierte Potentiale als intraoperative Monitoringmethode bei der operativen Versorgung intracranieller Aneurysmen

Bernhardt, Jörg Frederik


pdf-Format: Dokument 1.pdf (5.570 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie, Neurochirurgische Klinik des Klinikums
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.01.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 13.09.2002
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Dissertation wurden die Zusammenhänge zwischen dem intraoperativen Neuromonitoring mittels SEP, intraoperativen
Ereignissen, postoperativen klinischen und radiomorphologischen Befunden und dem Outcome der Patienten untersucht. Dazu wurden 180
in den Jahren 1985 bis 1995 durchgeführte intraoperative SEP-Monitoring (bei 175 Patienten) und die dazugehörigen Krankenunterlagen
ausgewertet. Es wurden insgesamt 201 Aneurysmen (78 x Anteriorkreislauf, 53 x Mediastromgebiet, 46 x A. carotis, 24 x Sonstige)
operativ versorgt. Zur Beurteilung des präoperativen klinischen Zustandes wurde der jeweilige Grad nach Hunt und Hess und der GCS
ermittelt. Der postoperative Verlauf wurde ebenso anhand des GCS quantifiziert, während der langfristige Outcome der Patienten durch
einen leicht modifizierten GOS vergleichbar gemacht wurde. Die abgeleiteten SEP wurden anhand ihres Verhaltens hinsichtlich der Latenz
und Amplitude des kortikalen Signals (N20 und P40) in die folgenden vier Grade eingeteilt: Grad 1 = unauffälliges Monitoring;
Grad 2 = suspektes Monitoring; Grad 3 = pathologisch verändertes Monitoring;
Grad 4 = hochpathologisches Monitoring.


Als wichtigste Ereignisse, die geeignet waren intraoperative Potentialveränderungen herbeizuführen, konnten Spateldruck,
Klippapplikation, temporäre Gefäßokklusion, intraoperative Blutungen und Blutdrucksenkung identifiziert werden. Die gewonnenen Daten
zeigen, daß SEP-Veränderungen im Rahmen korrigierbarer Ursachen wie z.B. Spateldruck, klippen des Aneurysmas, oder einer
temporären Gefäßokklusion, die auch an Hand der durch das SEP signalisierten Gefahr korrigiert wurden, häufig zu keiner negativen
Beeinflussung des Behandlungsergebnisses führten. Es zeigt sich somit, daß das SEP-Monitoring eine wichtige prophylaktische
Überwachungsfunktion besitzt. Im Rahmen anderer Ursachen wie z.B. temporären Gefäßokklusionen bei Blutungen oder Hypotension hat
die Signalveränderung der SEP eine mehr prognostische Bedeutung. Diese Bedeutung ist zum Einen abhängig von der Lokalisation des
Aneurysmas und zum Anderen von der angewandten Modalität.


Bei Auftreten von hochpathologischen SEP-Veränderungen fanden sich postoperativ häufiger als bei leichteren SEP-Veränderungen
Paresen und andere neurologischen Defizite. Des weiteren war der postoperative Verlauf bei Patienten mit intraoperativen
SEP-Veränderungen oft durch länger dauernde Nachbeatmung und Intensivbehandlung gekennzeichnet. Der Zusammenhang zwischen
SEP-Grad und postoperativem GCS ist hochsignifikant. Radiologisch manifestierten sich die SEP-Veränderungen häufig in Form von
Infarkten, Hirnödemen oder postoperativen intracerebralen Blutungen. Daraus läßt sich folgern, daß in Abhängigkeit vom Grad des
intraoperativen SEP-Monitoring der weitere kurz- bis mittelfristige klinische Verlauf der Behandlung abgeschätzt werden kann.


Bezüglich des langfristigen Outcome der Patienten zeigen die eigenen Ergebnisse, daß ein nicht-pathologisches Monitoring mit großer
Sicherheit einen sehr günstiger Krankheitsverlauf bedeutet. Beim Auftreten von pathologischen Signalen ist die Prognose abhängig von
den Begleitumständen in welchen diese pathologischen Veränderungen auftreten, und vom Grad der entstandenen SEP-Veränderungen.
Darüberhinaus scheint die Dauer der Potentialveränderungen einen Einfluß auf den Outcome zu besitzen. Aus den Ergebnissen dieser
Studie läßt sich schließen, daß bei pathologischem intraoperativem SEP-Monitoring von nicht mehr als 10-minütiger Dauer mit einem
guten Behandlungsergebnis gerechnet werden darf. Hochpathologische Veränderungen sollten, sofern beeinflußbar (z.B. temporäre
Klippung, Hypotension, Spateldruck) nicht oder nicht lange toleriert werden, da sie oft mit einer Reduktion des Outcome vergesellschaftet
sind.


Für die klinische Anwendung von kontinuierlichen SEP-Ableitungen als intraoperativem Neuromonitoring ist die Kenntnis der dargestellten
Zusammenhänge aus Aneurysmalokalisation, Ursache von Potentialveränderungen, abgeleiteter Modalität und die entsprechende
jeweilige Bedeutung einer Signalveränderung unerläßlich, um differenzierte Folgerungen aus einem intraoperativen SEP-Monitoring ziehen
zu können.