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Der Sport und die traditionelle Bewegungskultur der Aborigines

Wrogemann, Ohle


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Sportwissenschaft
Fachgebiet: Sportwissenschaft
DDC-Sachgruppe: Sport
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.02.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 09.08.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Bei mehreren Studienaufenthalten in Australien wurde nach den Betrachtungsweisen der deutschen Sportwissenschaft umfangreiches
Material der nachstehenden Quellen gesammelt: persönliche Kontakte zu einzelnen Personen, Besuch von öffentlichen und privaten
Institutionen, Verfolgen des aktuellen Mediengeschehens, narrative Interviews mit Aborigines, Gespräche mit Experten unterschiedlicher
Fachrichtungen, Politikern und Personen der multikulturellen australischen Gesellschaft, Teilnahme an interdisziplinären Kongressen,
Workshops, Ausschusssitzungen und Vorträgen, informelle Beobachtungen in den australischen Bundesstaaten (mit Ausnahme
Tasmanien) sowie Besuch der Kommune der Aborigines in Oenpelli im Arnhemland.

Bedingt durch eine andersartige Konzeption und thematische Interessenlage der Sportwissenschaft, durch die soziale und politische
Randstellung der betrachteten Population und die problembehaftete Thematik, ist in Australien kaum sportwissenschaftliches Material
vorhanden, wie bereits die vorangegangene Magisterarbeit 'Die Bewegungskultur der australischen Ureinwohner (Aborigines)' belegt. So
erfolgte bei der Sichtung des größtenteils fachfremden Materials eine Vorauswahl fachspezifischer Informationen.

Nach der kritischen Diskussion von ausgewählten sportwissenschaftlichen Aspekten mit der Zielsetzung, die Besonderheiten der
australischen Ureinwohner im Sport und der eigenen Bewegungskultur zu erkennen und zu berücksichtigen, lassen sich in der
Zusammenfassung nachstehende Aussagen treffen, die im Detail einen erheblichen Forschungsbedarf für die Sportwissenschaft anzeigen.

Die negativen Folgen der Akkulturation der ursprünglichen Jäger und Sammler mit dramatischen pathologischen Veränderungen von
Herz-Kreislauf, Stoffwechsel und verschiedenen Organen sowie ihrer psycho-sozialen Situation schränken die Bewegung erheblich ein und
beschleunigen den gesundheitlichen Zerfall. Eine gezielte gesundheitsorientierte Bewegungsförderung in Abstimmung der dominanten
australischen Kultur und der Kultur der Aborigines durch qualifiziertes Personal könnte die desolaten Umstände positiv beeinflussen.

Die kulturspezifischen Besonderheiten der Ureinwohner sollten nachdrücklich Berücksichtigung finden, auch um Bestrebungen zur
Akkulturation entgegenzutreten. Dem Rassismus, dem Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung im Sport, auch zwischen
traditionell orientierten und akkulturierten Aborigines, sollte durch Aufklärung anhand von Informationskampagnen und
Bildungsprogrammen entgegnet werden. Sportlerpersönlichkeiten haben die Möglichkeit hierbei Unterstützung zu leisten. Regeln und
Bewertungsrichtlinien im Sport sollten auf diskriminierende Aspekte geprüft werden.

Das kulturspezifische Lernverhalten der Aborigines traditioneller Bindung sollte im Sportunterricht und Training bedacht werden, um eine
bestmögliche Förderung der Schüler bzw. Sportler zu erreichen. Eine abgestimmte sportliche Betätigung scheint für einen Transfer
positiver Effekte in den übrigen schulischen und beruflichen Alltag zu sprechen.

Eine bikulturelle bzw. multikulturelle Erziehung könnte für den Sportunterricht eine Annäherung der Kulturen bewirken und zur Pflege der
einzelnen Kultur beitragen. Ideal wäre eine Integration von traditionellen Bewegungsformen im Schul- und Freizeitsport, was für eine
positive interkulturelle Verständigung spräche und den australischen Sport bereichern würde.

Der Sport scheint letztendlich die traditionelle Bewegungskultur der Aborigines, die eine starke kulturtragende Funktion hat, zu verdrängen
und somit ein Stück ihrer Identität. Nur Toleranz, Einsicht und das Engagement beider Kulturen könnte dies noch verhindern.