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Arbeitspraxis eines Berufsbetreuers : Anforderungen, Probleme und individuelle Lösungsmethoden

Stoy, Thorsten


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Soziologie
Fachgebiet: Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.07.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 22.07.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Die Dissertation ist eine qualitative Untersuchung in Form einer ethnographischen Einzelfallstudie, die an das ethnomethodologische
Forschungsprogramm 'studies of work' von Harold Garfinkel anschließt. Im Zentrum der Untersuchung stehen die spezifischen und
konstitutiven Arbeitsprozesse, die dieser speziellen, verberuflichten Tätigkeit ihren unverwechselbaren Charakter verleihen. Erster
Untersuchungsgegenstand sind demnach die 'embodied practices', Kompetenzen und situativen Umsetzungspraktiken eines
Berufsbetreuers in der Ausführung seiner beruflichen Tätigkeit der gesetzlichen Betreuung von psychisch erkrankten Erwachsenen.

Nach der Einleitung werden zunächst die gesellschaftlichen, institutionellen und juristischen Konzepte und Ideen rekonstruiert, um den Weg
der früheren Praxis der Entmündigung zur heutigen Betreuungspraxis aufzuzeigen. Dies im Hinblick auf die Förderung der Integration von
Mitmenschen, die auf Grund von psychischer Krankheit, körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung den Anforderungen einer
modernen Gesellschaft nicht nachkommen können.

Im Folgenden werden die ethnomethodologischen und qualitativ-methodologischen Leitlinien erläutert, an denen sich die empirische Arbeit
orientiert. Dabei ist eine der zentralen, aber nur selten realisierten Qualifikationsvoraussetzungen, die Garfinkel für Untersuchungen dieses
Typs fordert, in idealer Weise erfüllt: Der Autor ist selbst als Berufsbetreuer tätig, verfügt dementsprechend über das notwendige
Hintergrundwissen, um die situativen Praktiken und generierten Daten angemessen erkennen und deuten zu können. Dieses wird im
Verlauf der Arbeit methodologisch reflektiert.

Daran schließt sich eine Rekonstruktion der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen und der gerichtlichen Verfahren einer
Betreuerbestellung an. In Form einer ethnographischen Beschreibung werden die vorliegenden Betreuungsfälle, das Tätigkeitsrepertoire
des Betreuers und schließlich episodisch gegliederte typische Ereignisverläufe der Betreuungstätigkeit angeführt und analysiert.

Das empirisch-analytische Kernstück der Arbeit bildet die Analyse der Aufgabenkomplexe des Berufsbetreuers. Innerhalb der
'persönlichen Betreuung' werden auf der Grundlage von Transkriptionsausschnitten Kontextualisierungs- und Hierarchisierungspraktiken
aufgezeigt und analysiert. Im Zentrum steht dabei, mittels welcher kommunikativer und interaktiver Methoden der Betreuer die
Rollendifferenz zwischen sich und dem Klienten markiert und im Umgang mit dem Klienten - über alle situativen Kontingenzen hinweg und
nicht selten gegen die geäußerten Erwartungen - Handlungspläne und Handlungsziele realisiert werden. Innerhalb der Analyse der
'gesetzlichen Vertretung' stützt sich die Untersuchung auf Dokumente aus dem Schriftverkehr des Betreuers mit anderen Professionellen,
die nach Art der Institutionszugehörigkeit untergliedert sind. Im Zentrum stehen hier die kommunikativen Verfahren, mit denen im Umgang
mit institutionsangehörigen Professionellen kooperative Interaktion sichergestellt wird.

In ethnomethodologischen Kategorien werden sowohl fallspezifische, als auch generalisierte Probleme und Lösungsstrategien aufgezeigt.
In so fern werden an Hand des 'occassioned corpus of knowledge' generalisierte Schlussfolgerungen getroffen, die strukturell in den
einzelnen Arbeitsroutinen verankert sind und den konstitutiven Charakter, die 'embodied practices', der gesetzlichen Betreuungstätigkeit
hervorheben.