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Zehengang bei Kindern - Häufigkeit, Ursachen und Behandlung mit propriozeptiven Einlagen

Kornbrust, Annette


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Kinderheilkunde des Klinikums , Abteilung für Neuro- und Sozialpädiatrie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.10.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 10.06.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Zielsetzung: Die vorliegende Arbeit untersucht die Inzidenz des Zehengangs bei Kindern zu Beginn der unabhängigen Fortbewegung und
mögliche Assoziationen mit weiteren Auffälligkeiten.
Anschließend wird eine neue Behandlungsmöglichkeit für habituellen und zerebralparetischen Zehengang untersucht: Sensomotorisch
wirksame Einlagen sollen durch propriozeptive Stimulation der Fußsohle das Erwerben neuer Bewegungsmuster ermöglichen.



Material: Zur Klärung der Inzidenz des Zehengangs wurden 112 Kinder während der Vorsorgeuntersuchungen U6/U7 in einer
Kinderarztpraxis untersucht und mit den Eltern ein Fragebogen ausgefüllt.
Zur Beurteilung des Therapieerfolgs mit sensomotorischen Einlagen wurden alle 1996/97 in der Orthopädie-Schuhtechnik Jahrling mit den
Einlagen behandelten Kinder retrospektiv mittels eines Fragebogens erfasst.
Signifikanzen wurden mit Chi-Quadrat und ANOVA-Test untersucht.



Ergebnisse: Insgesamt liefen während der Untersuchung 12% der Kinder auf den Zehen. Bei 44% bestand anamnestisch eine Phase des
Zehengangs. Es fand sich kein Zusammenhang mit dem Geschlecht, prä/peri/postnatalen Risikofaktoren, Entwicklungsverzögerungen oder
sonstigen Gangauffälligkeiten. Zehengang korrelierte hoch signifikant mit der Benutzung eines 'Gehfrei's' und trat signifikant häufiger im
Stadium des unterstützten Gehens auf. Es bestand eine Tendenz zu familiärer Häufung.

Mit sensomotorischen Einlagen konnte bei 81% der zerebralparetischen Zehengänger das Gangbild gebessert werden. Der Erfolg
korrelierte negativ mit dem Schweregrad der Funktionsstörung und positiv mit der Behandlungsdauer. Meist hielt der Effekt nur an, solange
die Einlagen getragen wurden. Bei den idiopathischen Zehengängern konnte das Gangbild in allen Fällen gebessert werden. Der Effekt
hielt meist auch an, wenn die Einlagen nicht getragen wurden.
80% der Kinder tolerierten die Einlagen gut.



Schlussfolgerungen: Zehengang ist ein normales, fakultatives Durchgangsstadium in der Entwicklung. Er tritt vor allem im Stadium des
unterstützten Gehens auf und korreliert nicht mit sonstigen Auffälligkeiten. Prädisponierende Faktoren sind eine familiäre Belastung und die
Benutzung eines 'Gehfrei's'. Für das Persistieren von Zehengang ist eine multifaktorielle Verursachung anzunehmen.
Sowohl persistierender als auch leichtere Formen zerebralparetischen Zehengangs lassen sich mit sensomotorischen Einlagen erfolgreich
behandeln. Bei schweren Formen ist eine Kombinationstherapie zu erwägen. Die größeren Therapieerfolge bei Kindern ohne oder mit
geringen neurologischen Auffälligkeiten deuten darauf hin, dass die Wirkung der Einlagen umso größer ist, je intakter die neuronale
Verarbeitung der propriozeptiven Reize ist.
Die Orthesen werden von den meisten Kindern gut toleriert, eine gute Compliance ist zu erwarten.